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Djokovics Dilemma : Eines Champions unwürdig

Bitterer Abgang: Novak Djokovic wird bei den US Open disqualifiziert Bild: USA TODAY Sports

In der Publikumsgunst rangiert Novak Djokovic ohnehin schon lange kilometerweit unter den Stars Roger Federer und Rafael Nadal. Nun aber überschreitet der serbische Tennisprofi bei den US Open eine Linie.

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          Die Worte der Reue von Novak Djokovic sind deutlich und aufrichtig. Dass ihm die Geschehnisse bei den US Open enorm leid tun, darf man dem serbischen Tennis-Star ohnehin abnehmen. Der Aktion, bei der er mit einem im Frust nach hinten geschlagenen Ball eine Linienrichterin am Hals getroffen hatte, lag keine Absicht zugrunde. Seine Entschuldigung via Instagram machte deshalb nur deutlich, was ohnehin jeder gesehen hatte. Doch er stand für sein Fehlverhalten ein und gelobte Besserung.

          Sein Vergehen erfüllt nämlich sehr wohl den Rechtsbegriff der „Fahrlässigkeit“. Und es ist deshalb das Mindeste, dass sich Djokovic den Vorfall „eine Lektion sein“ lassen will. Nach seinem letzten Eklat, der von ihm ausgerichteten Turnierserie auf dem Balkan, die auf gängige Hygieneregeln pfiff und so letztlich zum Corona-Hotspot mutierte, war das schließlich noch anders gewesen. „Wenn ich die Gelegenheit hätte, die Adria Tour noch einmal zu machen, würde ich es wieder tun“, sagte er jüngst der „New York Times“.

          Ein hausgemachtes Problem

          Djokovics großes Dilemma tritt nun einmal mehr deutlich zu Tage. Sportlich ist er mit den Granden Roger Federer und Rafael Nadal seit vielen Jahren auf Augenhöhe. In der Publikumsgunst allerdings rangiert er kilometerweit darunter. Und auch wenn er sich darüber selten öffentlich beklagt – dass ihn dieser Umstand gewaltig nervt, ist ihm immer wieder anzumerken. Es ist allerdings ein hausgemachtes Problem.

          Die Wutausbrüche, das Ballwegschlagen und Vergleichbares hat sich in der Vergangenheit nämlich bereits als Gefahr abgezeichnet. Djokovic hat sie abgetan. So wie er generell häufiger auf Konfrontationskurs mit seiner Umwelt geht. In seinem Kosmos ist er selbst der einzige Fixpunkt. Mit diesem Charakterzug hat er über die Jahre immer wieder Sympathien verspielt.

          Es gehört zum Wesenskern des Tennis, dass die Spielerinnen und Spieler den größten Kampf stets mit sich selbst ausfechten müssen. In guten Momenten gewinnt der Sport genau dadurch seine Faszination. Und manchmal entlädt sich der Druck dann eben in Disziplinlosigkeiten. Die Möglichkeit, den nächsten Zweikampf einfach mal ein bisschen härter zu führen wie etwa beim Fußball, gibt es nicht. Das Frustfoul ist nicht möglich.

          Bis zu einem gewissen Grad gehört der Umgang mit dem Zorn deshalb sogar dazu. John McEnroes Wutausbrüche etwa sind heute Kult. Die manchmal minutenlang geführten Selbstgespräche des Tommy Haas auch. Und selbst der große Gentleman Federer hat schon mal einen Schläger zertrümmert. Djokovic hat die feine Linie der Akzeptanz mit seiner Aktion allerdings überschritten. Egal, ob absichtlich oder nicht. Eines echten Champions ist so ein Verhalten unwürdig.

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