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US Open : Struffs ambitionierter Plan gegen Djokovic

In seinem letzte Duell gegen Novak Djokovic musste sich Jan-Lennard Struff deutlich geschlagen geben. Bild: dpa

In der dritten Runde der US Open bekommt es Jan-Lennard Struff mit niemand geringerem als Novak Djokovic zu tun. Vor allem vor einer Waffe des Deutschen hat der Weltranglistenerste Respekt.

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          Ein Typ für knallige Kampfansagen war Jan-Lennard Struff noch nie. Dafür ist der Sauerländer viel zu zurückhaltend und bescheiden. Markige Worte hört man deshalb auch vor seinem Drittrunden-Match bei den US Open gegen Novak Djokovic keine von ihm. „Er ist einer der Besten aller Zeiten und ein herausragender Spieler“, sagt Struff lieber über seinen Gegner. Die Rolle des krassen Außenseiters nimmt er gegen den Turnierfavoriten und Weltranglistenersten an diesem Freitag gerne an.

          Pirmin Clossé
          Sportredakteur.

          Dabei ist es keineswegs so, dass Struff für das Duell mit dem 17-maligen Grand-Slam-Sieger keine Ambitionen hätte. Im Gegenteil: Sein Plan für die Partie ist sogar sehr konkret. Vor einer Woche hatte er Djokovic schon im Viertelfinale des Cincinnati-Masters gegenübergestanden – und eine Abreibung erhalten. Das soll sich auf keinen Fall wiederholen. „Ich war mit meinem Match letzte Woche gegen ihn nicht zufrieden“, sagt Struff selbstkritisch. „Ich hatte 38 oder 39 Prozent Aufschlagquote. Das ging gar nicht.“ Diesmal will er deshalb „ein bisschen ruhiger spielen“ und dabei „trotzdem offensiv bleiben“.

          Es ist Struff längst zuzutrauen, dass er damit sogar den unangefochtenen Branchenprimus vor größere Probleme stellen kann. Im Schatten der großen deutschen Tennis-Aushängeschilder Alexander Zverev und Angelique Kerber, die beide an diesem Freitag ebenfalls ihre Drittrundenpartien in New York bestreiten, ist der 30-Jährige schließlich zu einem ernstzunehmenden Spitzenspieler gereift. In der Weltrangliste steht er derzeit auf Rang 29, so hoch wie noch nie. „Ein Meilenstein“ sei das gewesen, sagt er selbst. Und doch womöglich nicht das Ende auf seinem Weg in die Weltspitze.

          Djokovic ist gewarnt

          Denn nicht nur für den Vizepräsidenten des Deutschen Tennis-Bundes (DTB), Dirk Hordorff, ist seine eindrucksvolle Entwicklung längst nicht abgeschlossen. Struff sei „ein „Kandidat für die Top 10“, sagte Hordorff jüngst gegenüber dem „Münchner Merkur“ und der „tz“: „Von seinen Anlagen war er das schon immer. Inzwischen glaubt er aber an die eigene Stärke.“ Struff habe „eine eigene Identität“ auf dem Platz gefunden. Das mache ihn nun zu einem besseren Spieler. Aus dem soliden „Struffi“, der für die deutsche Davis-Cup-Mannschaft im Doppel wie im Einzel so manch wichtige Schlacht geschlagen hat, ist eine würdige Nummer zwei im deutschen Herrentennis geworden.

          Tatsächlich ist es vor allem das veränderte Selbstverständnis, das Struffs Transformation zum Topspieler ermöglicht hat. Über einen knüppelharten Aufschlag und eine krachende Vorhand verfügte der Warsteiner im Prinzip schon immer. Inzwischen traut er sich jedoch auch, diese Waffen konsequent für ein aggressives Angriffs-Tennis einzusetzen. Bei den US Open gab er in seinen ersten beiden Partien gegen den Spanier Pedro Martinez und den Amerikaner Michael Mmoh keinen Satz und sogar jeweils nur neun Spiele ab. Sein nächster Gegner Djokovic weiß jedenfalls längst, wer ihm da im Arthur-Ashe-Stadion herausfordern wird. „Ein gewaltiger Aufschläger“, sagte der Serbe. „Ich habe beim letzten Mal ein starkes Match gegen ihn gespielt. Aber die Bedingungen auf dem Centre Court sind andere. Es weht keine Brise, das sollte seinem Service zu Gute kommen.“

          Einen großen Anteil an Struffs Entwicklung hat sein Coach Carsten Arriens. Seit 2015 arbeitet er mit dem früheren Bundestrainer und Davis-Cup-Teamchef zusammen. Seitdem geht es im Grunde permanent bergauf mit seiner Karriere. „Der Trainerwechsel war sehr, sehr wichtig für mich“, sagt Struff rückblickend. „Carsten ist für mich eine wichtige Bezugsperson. Zum einen als Trainer, aber auch menschlich ist er Weltklasse.“ Arriens eröffnete Struff eine Perspektive, die seinem Spiel bislang gefehlt hatte. Viele „tiefergründige Gespräche“ habe er mit seinem Coach geführt, berichtet dieser. „Er hat es geschafft, mich nochmal richtig weiter zu bringen. Indem er die richtigen Dinge anspricht, indem er die richtigen Fragen stellt, indem er mich pusht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.“

          Struffs spielerischer Reifeprozess ging dadurch einher mit einem Reifeprozess abseits des Platzes. Im Frühjahr 2019 kam zudem Sohn Henri auf die Welt. Auch diese Veränderung hatte einen großen Einfluss auf ihn. Selbst, wenn er gegen Djokovic verlieren sollte, will Struff diesen Weg konsequent weiter verfolgen.. „Ich habe noch Ziele. Aber die behalte gerne bei mir“, sagt er. „Ich möchte nicht so gerne darauf festgenagelt werden, versuche einfach stetig und ständig an mir zu arbeiten.“ Knallige Kampfansagen sind eben seine Sache sich. Dafür ist Jan-Lennard Struff einfach nicht der Typ.

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