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US Open : Federer und Nadal kämpfen für Solidarität

  • -Aktualisiert am

Gegner auf dem Platz, vereint im Kampf um die Rechte der Außenseiter: Roger Federer (rechts) und Rafalel Nadal. Bild: AFP

Unzufrieden mit der Tennis-Politik: Roger Federer und Rafael Nadal machen im Spielerrat wieder gemeinsame Sache. Sie wollen mehr Geld für die Erstrundenverlierer und – Novak Djokovic auf die Finger schauen.

          3 Min.

          Es mag Zeiten mit Differenzen gegeben haben, und unterschiedliche Meinungen leisten sie sich bis heute immer wieder. Aber offensichtlich schätzen sich Roger Federer und Rafael Nadal so sehr, dass sie gemeinsame Sache machen, wenn es um das Wohl und das Wehe in ihrem Sport geht. Als sie vor ein paar Monaten darüber sprachen, ob sie in das Council, den Spielerrat der Männertennis-Organisation ATP, zurückkehren wollten und sollten, stand für beide schnell fest, dass daraus kein Alleingang werden würde. Vor seinem lockeren Dreisatzsieg (6:2, 6.2, 6:1) in der dritten Runde über den Briten Daniel Evans, mit dem er ins Achtelfinale einzog, berichtete Federer, wie er im Sommer mit Nadal schnell einig gewesen sei. „Wenn du es machst“, habe er gesagt, „dann mach ich es auch.“

          Im Prinzip hätten sie noch ein Jahr warten müssen bis zur neuen Besetzung des Gremiums, in dem die Spieler zehn Plätze besetzen, darunter sechs aus den Top 100 der Weltrangliste. Doch dann waren die Kollegen Robin Haase, Jamie Murray und Sergi Stachowsky, frustriert von den herrschenden Verhältnissen, zurückgetreten, und Federer, Nadal und der Österreicher Jürgen Melzer rückten Anfang August nach.

          In New York nahmen sie nun zum ersten Mal nach der Rückkehr an einer Sitzung teil, und Federer lässt wissen, es sei gut gelaufen. Von 2008 bis 2014 hatte er den Spielerrat schon als Präsident geleitet, bis 2012 mit dem Vizepräsidenten Rafael Nadal. Diverse Entwicklungen in diesem Jahr riefen beide nach einer Pause wieder auf den Plan. Die Querelen um die Kündigung des Vertrages des britischen ATP-Chefs Chris Kermode im März, an dessen Stelle der Präsident des Spielerrates, Novak Djokovic, am liebsten seinen guten Freund Justin Gimelstob gesehen hätte, schlugen Wellen. Und vieles, was sie da sahen und hörten, gefiel weder Nadal noch Federer.

          Auch anderen nicht wie Stan Wawrinka, der die Verhältnisse in einem offenen Brief als chaotisch beschrieb. „Dass es explosiv zugeht, ist ja klar“, sagt Federer, „aber wenn du außerhalb bist, dann bekommst du nicht alles mit – die Hälfte. Und um eine Meinung zu bilden, langt die Hälfte einfach nicht.“

          Mehr Geld für die Außenseiter

          Es gibt genügend Themen, die den Spielern auf den Nägeln brennen, von der Richtung der politischen Führung in Person des noch nicht feststehenden Nachfolgers für Kermode. Und vor allem der Kampf der Akteure jenseits der Top 100, die höheres Preisgeld für die ersten Runden fordern, um für das Leben auf der Tour nicht draufzahlen zu müssen. Federer meint, im Vergleich zu seinen Anfängen sei das Preisgeld für die Besten ziemlich schnell drastisch erhöht worden. „Wenn es weitere Erhöhungen gibt, dann sollte es nicht mehr an der Spitze passieren, da haben wir ein wirklich gutes Niveau erreicht. Ich weiß, dass es die Turniere nicht sehr sexy finden, mehr Geld an Qualifikanten der ersten oder zweiten Runde oder bei den Challengern auszuschütten. Aber es wäre schön, wenn auch die Spieler auf dieser Ebene überleben könnten und nicht nur ganz oben an der Spitze. Das kriegen wir hoffentlich in den nächsten fünf bis zehn Jahren hin.“

          Es geht, wie der in diesen Sachen sehr aktive Kanadier Vasek Pospisil fordert, vor allem um mehr Transparenz bei der Verteilung des Geldes. Dem Tennis gehe es so gut, sagt er, und doch seien nicht genug Spieler in der Lage, damit den Lebensunterhalt zu bestreiten. „Aber wir sind relativ machtlos im Dialog mit den Turnieren. Wir haben keine juristischen Repräsentanten, die sich ausschließlich um unsere Interessen kümmern. Wie kann es jemals Gerechtigkeit geben? Das ist Geschäft.“

          Rückkehr der Granden

          Ob man die Rückkehr der Granden aus Spanien und aus der Schweiz in den Spielerrat darüber hinaus auch so deuten soll, dass die dem Kollegen Djokovic ein wenig auf die Finger schauen wollen? Das wäre vermutlich nicht völlig aus der Luft gegriffen. Zur Zeit des größten Durcheinanders im März hatte Federer vergeblich versucht, einen Termin beim Serben zu bekommen. Jetzt sagt er, die neue Konstellation rücke alle enger zusammen und er hoffe, damit Fehler zu vermeiden. „Ich bin ja schon früher mit Novak und Rafa im Council gewesen, und es ist eigentlich alles sehr gutgegangen.“

          Und was nun die in langen Jahren, vielen Spielen und Begegnungen entstandene Gemeinsamkeit mit dem spanischen Lieblingsrivalen betrifft, da scheint alles zum Besten zu stehen. Ist der Kontakt vielleicht noch enger als früher? Federer sagt, es habe auch Zeiten gegeben, in denen der andere eine Meinung gehabt habe und er selbst eine andere, „aber heute können wir beide zurückschauen und denken, dass wir gute Fights gehabt haben und dass wir froh sind, uns so gut zu verstehen“. So gut, dass er auch zur Hochzeit des Kollegen am 18. Oktober eingeladen wird, wie zu hören ist? „Davon weiß ich nichts“, sagt er, amüsiert. Man solle doch bitte nicht alles glauben, was so zu lesen sei. Als Dementi oder Absage sollte man die Antwort aber vielleicht erst mal nicht verstehen.

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