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US Open : Die Irrungen und Wirrungen der Sabine Lisicki

  • -Aktualisiert am

Nicht schon wieder: Sabine Lisicki verabschiedet sich in Runde eins von den US Open. Bild: Imago

Ein Jahr zum Vergessen für Sabine Lisicki – und das nicht nur nach dem Aus in Runde eins der US Open. Auch auf das Auftauchen ihres ehemaligen Freundes Oliver Pocher in New York war sie nicht vorbereitet.

          Die Behauptung, Sabine Lisicki habe in der ersten Runde der US Open gegen Julia Putintsewa verloren, trifft es nicht ganz. Sie scheiterte vor allem an sich selbst. An ungelösten Problemen, neuen Verwirrungen, an Altlasten und Unsicherheit. An einer Gemengelage, die geradeaus zur Frage führt, wie sich der Fahrstuhl stoppen lässt, der seit einem Jahr Richtung Keller rauscht. Fest steht einstweilen nur, dass sie nach dem letzten Grand-Slam-Turnier dieses Jahres nicht mehr zu den besten hundert Spielerinnen der Weltrangliste gehören wird.

          Vor zwölf Monaten hatte Sabine Lisicki in New York noch als Einzige der deutschen Mannschaft die vierte Runde erreicht, doch sie war dabei schon am Knie verletzt und fiel danach in den restlichen Wochen des Jahres wegen dieser Verletzung aus. Im Januar in Australien kehrte sie zurück, und rückblickend betrachtet findet sie, das sei ein Fehler gewesen. „Ich habe zu früh angefangen, weil ich unbedingt zu den Olympischen Spielen nach Rio wollte. Wir haben das als Team entschieden. Ich war nicht vorbereitet und habe trotzdem gespielt, und dann kann das nicht gutgehen.“

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          In den Wochen danach gewann sie nur ein einziges Mal mehr als zwei Spiele bei einem Turnier, aber dafür gab es auch andere Gründe als fehlende Sicherheit oder Trainingsrückstand. Im März wurde die Trennung von ihrem Freund Oliver Pocher publik, der sie offenbar hintergangen hatte, zwei Monate später gab sie nach einem Jahr der Zusammenarbeit die Trennung von ihrem Trainer Christopher Kas bekannt, und es war nicht schwer zu erkennen, dass es ihr ziemlich mies ging.

          Sie suchte und fand einen neuen Trainer, den Spanier Salvador Navarro, mit ihm erreichte sie die dritte Runde im geliebten Wimbledon, doch Anfang August endete auch diese Episode nach nur drei Monaten. Sabine Lisicki findet, er habe sie nicht so oft betreut, wie sie sich das vorgestellt habe, und das Training sei nicht kontinuierlich gewesen. „Ich brauche aber kontinuierliches Training. Ich bin voll drin, aber das muss auch der Trainer sein. Für ihn hatte die Familie Priorität.“ Nach Barcelona ziehen wollte sie nicht, Navarro wollte so oft wie möglich in Barcelona sein, und so endete die Zusammenarbeit, bevor sie richtig begonnen hatte.

          Also landete sie wieder in Bradenton/Florida in der Akademie von Nick Bollettieri. „Die kennen mich da seit zwölf Jahren“, sagt Lisicki, „und irgendwas haben wir ja damals auch richtig gemacht, sonst hätte ich nicht im Wimbledonfinale gespielt und wäre auch nicht Nummer 12 gewesen. Wir haben sehr, sehr viel gearbeitet, aber es ist einfach traurig, dass sich das noch nicht auszahlt. Das braucht einfach noch ein bisschen Zeit.“

          Wieder einen neuen Trainer zu suchen, mag sie sich im Moment nicht vorstellen; sie sagt, es müsse Ruhe einkehren in diesem schwierigen Jahr. Aber das ist meist leichter gesagt als getan. Sabine Lisicki war ziemlich entsetzt, als sie feststellte, dass ihr ehemaliger Freund dieser Tage in New York bei den US Open per Akkreditierung quasi offiziell zum Team ihres ehemaligen Trainers gehört, der seit einigen Wochen eine andere deutsche Spielerin betreut, Mona Barthel. Oliver Pocher auf den Trainingsplätzen, im Spielerzentrum, im Restaurant zu sehen, darauf war sie nicht vorbereitet; diese Geschichte ist zumindest eine Provokation der beiden ehemaligen Partner, eigentlich aber eher eine Unverschämtheit.

          Lisicki ist motivierter denn je

          Wie es nun weitergehen soll? Lisicki versichert, sie habe immer noch ihre Träume und Ziele, sie sei motivierter denn je und sei sehr entschlossen, wieder zurückzukommen. Für den Rest des Jahres stehen diverse Turnierstarts vor allem in Asien auf dem Programm, und da sie aus dem Herbst des vergangenen Jahres wegen der Verletzung keine Punkte zu verteidigen hat, wird sich auch bald eine Chance bieten, unter die besten hundert der Weltrangliste zurückzukehren.

          Einstweilen freut sie die Tatsache, verletzungsfrei spielen zu können, aber die Freude wurde zu vielen Prüfungen unterzogen. Wie würde sie dieses Jahr beschreiben? Zum Vergessen? Zum Lernen? „Alles“, sagt Sabine Lisicki, „alles zusammen. Welche schlechten Worte fallen mir noch ein?“ Sie ist entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen, aber im Moment sieht es so aus, als lägen die Linien ihres Lebens so quer und durcheinander auf dem Tisch wie Mikadostäbchen; wenn man eines berührt, wackeln alle.

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