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US Open : Tommy Haas: In der Form seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Starker Aufschlag, stark in Form: Tommy Haas Bild: dpa

Tommy Haas eilt bei den US Open weiter eindrucksvoll von Sieg zu Sieg: Im Achtelfinale trifft er nun am Dienstag auf den Australier Lleyton Hewitt.

          Souveräner kann man ein Match nicht beenden. Eiskalt mit einem Ass. Der fulminante Schlusspunkt passte zum Auftritt des Thomas Haas, der sich in der dritten Runde gegen den Tschechen Jiri Novak von seiner besten Seite zeigte.

          Nach einer Stunde und 39 Minuten war die Demonstration der Stärke vorbei und der Hamburger mit einem 6:3, 6:4, 6:2 in den elitären Kreis der 16 besten Tennisspieler bei den US Open eingezogen. Novak erklärte Haas nach der einseitigen Vorführung spontan „zum Geheimfavoriten". Und auch die vielgelobte deutsche Nummer eins weiß, dass ein Grand Slam-Turnier bei den Herren selten zuvor so offen war. „Rafter, Kuerten, Agassi, Sampras und sogar Roddick. Viele haben Chancen auf den Titel", meinte der 23-Jährige, der selbstbewusst anfügte: "Wenn ich mein Niveau erreiche, kann ich jeden schlagen."

          Gelingt der Durchbruch?

          Aber dies ist die große Frage: wird Haas im entscheidenden Moment bei einem Grand Slam-Turnier auftrumpfen, oder gibt es wiederum einen rätselhaften Einbruch? Selbst sein Achtelfinalgegner Lleyton Hewitt „kann nicht verstehen, warum Tommy nicht unter den Top Ten der Welt ist". Denn da gehört der Sonnyboy nach Meinung des Australiers auf jeden Fall hin. Rückblende: Auf dem Weg ins Halbfinale der Australian Open 1999 schlägt Haas den Kämpfer Hewitt in der zweiten Runde. Es ist die bislang beste Grand Slam-Platzierung des Hamburgers, der im Herbst des gleichen Jahres seine beste Weltranglistenposition (10.) erreicht.

          „In Melbourne dachte ich wie viele, dass dies sein großer Durchbruch ist", erklärte Hewitt in New York, „warum er es dann nicht geschafft hat, ist schon seltsam. Vielleicht spielten mentale Dinge oder Verletzungen eine Rolle."

          „Die besten Wochen meiner Laufbahn“

          Beides ist richtig. Vor allem vertraute der Topspieler nie der eigenen Stärke und die unzähligen Trainerwechsel der vergangenen Monate zeugen von einer gewissen Konzeptlosigkeit. Die Rückkehr zu Coach David „Red" Ayme überraschte, doch im vertrauten Umfeld der Tennis-Akademie von Nick Bollettieri in Florida schuf Haas die Voraussetzungen für einen phantastischen Sommer. Der Turniersieg in Long Island gegen Pete Sampras (USA) gab ihm „ungeheuren Auftrieb", die Demontage von Novak eingeschlossen verließ der deutsche Daviscupspieler achtmal in Folge den Hartplatz als Sieger.

          „Dies sind sicherlich die besten fünf, sechs Wochen meiner Karriere, ich habe über einen langen Zeitraum konstant gut gespielt", untermauerte Haas, der sein erstes Ziel mit dem Erreichen der dritten Runde in Flushing Meadows locker erreichte. Nun will der 23-Jährige nach den Sternen greifen, ohne sich dabei unter Druck setzen zu lassen: „Jetzt kommt mit Hewitt der erste dicke Brocken. Ich freue mich unheimlich auf das Match, denn derartige Achtelfinalauftritte sind das Salz in der Suppe.“

          Haas fürchtet Hewitt nicht

          Haas braucht sich vor Hewitt, der durch ein 6:1, 6:3, 6:4 über den Spanier Albert Portas die vierte Runde erreichte, keineswegs zu verstecken. Im direkten Vergleich steht es 3:3 und in diesem Jahr gewann jeder Spieler ein Duell. Haas bezwang die Nummer vier der Welt in Adelaide, anschließend revanchierte sich Hewitt bei den Australian Open.

          „Unsere Begegnungen sind immer eng. Ich muss schon mein bestes Tennis spielen, um ihn zu schlagen", lobte Hewitt die deutsche Nummer eins, die ein bislang enttäuschendes Grand Slam-Jahr (2. Runde Australien Open, 2. Runde French Open, 1. Runde Wimbledon) zu einem versöhnlichen Abschluss bringen will.

          Da Wimbledonsieger Goran Ivanisevic (Kroatien) in der dritten Runde mit 4:6, 6:7 (4:7), 6:7 (2:7) gegen den Spanier Albert Costa ausschied und sich am heutigen Montagnachmittag Andre Agassi (USA) und Roger Federer (Schweiz) sowie Patrick Rafter (Australien) und Pete Sampras (USA) in zwei hochklassigen Achtelfinal-Duellen gegenüberstehen, steigen die Chancen der Außenseiter. Der Sieger des deutsch-australischen Kräftevergleichs Haas kontra Hewitt trifft vermutlich im Viertelfinale auf den US-Teenager Andy Roddick. Keine unlösbare Aufgabe. Haas könnte nun in New York mit zweijähriger Verspätung tatsächlich den absoluten Durchbruch schaffen.

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