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US Open : Haas siegt im Nervenspiel

  • Aktualisiert am

Ärger ums Muskelshirt: Tommy Haas Bild: dpa

„Es hilft fürs Selbstvertrauen, dass ich in der Lage bin, ins Spiel zurückzukommen“, sagte Haas nach seinem Sieg gegen Sanchez.

          2 Min.

          Thomas Haas war nach seinem Einzug in die 2. Runde der US Open stehend k.o. Der 24-jährige Tennis-Profi mochte sich in der Pressekonferenz nach seinem 3:23 Stunden dauernden Fünf-Satz-Sieg gegen den Spanier David Sanchez aus Angst vor Wadenkrämpfen nicht hinsetzen.

          „Ich will nicht riskieren, vor allen hier hinzufallen“, scherzte der Hamburger. Gestrauchelt, aber nicht gefallen war der in Flushing Meadows an Nummer 3 gesetzte und als Geheimfavorit gehandelte Haas beim 7:6 (7:1), 3:6, 3:6, 6:4, 7:5 gegen den spanischen Nobody. Wenn es in dem Match gegen Sanchez irgendeinen Anhaltspunkt für seine Titel- Ambitionen gab, dann war es Haas' Nervenstärke. Im letzten Satz lag er mit 0:3 hinten, kämpfte sich zurück ins Spiel und verschmerzte beim Schlussakt sogar drei Doppelfehler in Serie, bevor er den vierten Matchball verwandeln konnte.

          Schmerzender Schlagarm

          „So was passiert nicht allzu oft“, gestand Haas kleinlaut und ließ seinen schmerzenden Schlagarm nicht als Entschuldigung gelten: „Es hilft aber fürs Selbstvertrauen, dass ich in der Lage bin, ins Spiel zurückzukommen.“ Wie er das tat, das raubte seinem Mentor Nick Bollettieri und Trainer David Ayme in der Box den letzten Nerv. Haare raufend wollten sie ihren Schützling mit lauten Rufen immer wieder wachrütteln. „Ich habe sie zwischendurch mal gebeten, etwas ruhiger zu sein“, berichtete Haas: „Mich hat das echt aufgeregt.“

          Es war nicht das erste Mal an diesem Tag, dass ihm die Zornesröte ins Gesicht stieg. Der Tag hatte schon schlecht begonnen. Beim Frühstück entdeckte Haas in der „New York Post“ eine Nacktaufnahme, die ihn hinter seiner Freundin Sandra Meyer-Wölden stehend, die Arme vor ihrer Brust verschränkt zeigt. Aufgenommen angeblich vor kurzem in Florida. „Das Foto ist zwei Jahre alt. Ich mag es sehr, aber ich war ein bisschen erstaunt, dass ich es vor meinem Erstrundenspiel hier in der Zeitung entdeckt habe“, wunderte sich Haas.

          Streit ums Textil

          Die Amerikaner waren offenbar so pikiert, dass sie ihm am Nachmittag nicht einmal gestatteten, gegen Sanchez im ärmellosen Hemd zu spielen. Die amerikanische Tennis-Vereinigung (USTA) winkte mit dem Grand-Slam-Regelbuch, das nach sauberer und „gebräuchlicher“ Tennis-Kleidung verlangt und nötigte Haas, sich umzuziehen. „Die Ärmel am T-Shirt stören mich. Ich zupfe dauernd daran herum“, sagte Haas in der Pressekonferenz nach dem Spiel, zu der er ironischerweise ganz im traditionellen Weiß erschienen war.

          „Außerdem: Wenn ich sehe, was die Frauen für Sachen tragen...“ Die ziehen die Aufmerksamkeit mit immer gewagteren Kreationen auf sich. So sorgte Serena Williams, die bei den French Open aufgetreten war wie Kameruns Fußballer, in New York mit einem hautengen schwarzen Einteiler für Aufruhr, weil der ihren Po mit Ach und Krach bedeckte.

          Die Herren hingegen langweilen das Publikum seit Jahren mit einheitlichen Schlabber-Shorts, umgedrehten Baseballkappen und Geschmacklosigkeiten wie bis auf halbe Wadenlänge gezerrten Socken. Trotzdem hat Haas die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sein Outfit genehmigt wird und er es noch bei den US Open tragen darf.

          Zwar denkt er noch nicht daran, in den engsten Kreis der von Titelverteidiger Lleyton Hewitt genannten Turnierfavoriten vorzustoßen, „doch in der nächsten Woche möchte ich schon noch dabei sein“. In Runde 2 wartet zunächst Karol Kucera. „Er ist immer gefährlich“, sagt Haas über den Slowaken, gegen den er die zwei bisherigen Vergleiche verloren hat.

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