https://www.faz.net/-gtl-2sta

US Open : Andy Roddick als „Golden Boy"

  • -Aktualisiert am

Rebell mit schwarzen Socken: Andy Roddick Bild: AP

Der 19-Jährige sorgt in allen Belangen für frischen Wind in der US-Tennis-Szene und gilt als möglicher Nachfolger von Agassi und Sampras.

          Die Baseball-Kappe trägt Andy Roddick verkehrt herum. So wie ist eben gerade unter Teenagern hip ist. „Doch diese Socken", lästerte TV-Kommentator John McEnroe, „was sollen diese schwarzen Socken?" Wenn ein in die Jahre gekommener Tennis-Rebell die Kleiderordnung eines Newcomers moniert, dann muß das keineswegs schlechtes bedeuten.

          Roddick sorgt eben in allen Belangen für frischen Wind in der amerikanischen Tennis-Szene und gilt als möglicher Nachfolger von Andre Agassi und Pete Sampras. Und mal abgesehen von den Socken. Natürlich hat auch längst Oberkritiker McEnroe Gefallen an dem Jungen aus Omaha (Nebraska) gefunden. „Er hat das Zeug schon bald unter die Top 10, ja sogar Top 5 zu kommen", meinte Big Mac, „und dabei hat seine Profikarriere erst angefangen."

          Tennis-Schwergewicht mit 19

          Das Lob der Tennis-Legende kam zur besten TV-Sendezeit und war damit so etwas wie ein offizieller Ritterschlag. Es bedeutete auch, dass man die verzweifelte Suche nach dem nächsten US-Tennisstar bis auf weiteres einstellen kann. Andy Roddick, übernehmen Sie das Filzballgeschäft.

          Sein Aufstieg ist enorm und leicht festzumachen. Normalerweise sind die begehrten Abendmatches im Arthur-Ashe-Stadion für die Tennis-Schwergewichte reserviert. Doch der Teenager, der am Donnerstag seinen 19. Geburtstag feierte und sich selbst eine „enthaltsame US Open-Diät" auferlegte, durfte bereits bei beiden seiner live übertragenen Auftritte auf dem Center Court ran.

          Kreischende Mädchen wie im Pop-Konzert

          Am Freitagabend zog der Junge mit dem Kanonenaufschlag durch ein 6:2, 6:1, 5:7, 7:6 (7:4) gegen Jack Brasington in die dritte Runde ein. Roddick lernte dabei seine erste Lektion. „Man muss sein Spielniveau konstant hoch halten", sagte der US-Boy, „ich hatte das Glück auf meiner Seite, in vier Sätzen davon gekommen zu sein." Und die Stimmung auf dem Center Court? Roddick schwärmte mit großen Augen: „Das ist bestimmt der Platz mit der meisten Elektrizität der Welt."

          So war auch der erste Auftritt des Shooting-Stars mit Hoch-Spannung erwartet worden. Bei dem Ballyhoe um seine Person verstand es sich von selbst, dass das Stadion gut gefüllt war und Mädchen wie bei einem Pop-Konzert kreischten. Doch Roddick hatte seine Nerven im Erstrundenmatch gegen Slava Dosedel (Tschechien) erstaunlich gut im Griff.

          Mischung aus Boris Becker und John McEnroe

          „Es war ein großartiges Gefühl", sagte der an Nummer 18 gesetzte Amerikaner, „ich wollte zunächst nur ein paar Bälle ins Feld bringen und dann lief alles optimal. Es war wie ein Rausch." Neben der Baseball-Kappe hat Roddick nun auch ein zweites Markenzeichen: der charismatische Youngster donnert den Filzball mit Geschwindigkeiten ins Feld, die an einen „Pistol" Pete Sampras erinnern. Besser kann man im Tennis-Mekka der Nation nicht die Herzen der Fans gewinnen. „Er vereint einfach alles - Intensität, Motivation, Einstellung und Spielwitz", erklärt Daviscup-Coach Patrick McEnroe, der in Roddick „eine Mischung aus Boris Becker und meinem Bruder John" sieht.

          In seiner ersten Saison auf der ATP-Tour gelangen dem Florida lebende Überflieger bislang drei Turniersiege. Kein amerikanischer Teenager seit Sampras im Jahre 1990 war bislang erfolgreicher, wobei Sampras damals gleich noch sein erster US Open-Triumph gelang. „Es ist doch ganz logisch, dass die Leute hier in den USA nach einem neuen Champion Ausschau halten", erklärte der 30-Jährige Grand Slam-König, „Andre und ich werden schließlich nicht jünger."

          Wild und emotionsgeladen

          Da Agassi Vaterfreuden entgegensieht und wie Sampras den Hafen der Ehe ansteuert, herrscht bei Sponsoren und Sportartikelfirmen Alarmstufe eins. Es liegt auf der Hand, dass die beiden alternden Stars die Tennis-Karawane nicht mehr lange anführen können und das drohende Vakuum an Starpower schnell gefüllt werden muss. Um Werbung für den Generationswechsel zu machen, ließ der amerikanische Tennisverband (USTA) beim Arthur Ashe Kids' Day die Ikone Agassi gleich gegen Roddick in einem Showmatch antreten. „Da war ich wirklich nervös", meinte der Youngster brav.

          Ansonsten gibt er sich auf dem Platz eher wild und emotionsgeladen. Schon mit sieben Jahren träumte Roddick davon, einmal als Tennisprofi zu Ruhm und Ehre zu kommen. Damals imitierte er daheim die Schläge seiner Idole Connors, McEnroe und Agassi. "Ich war der König der Garage", meint Roddick mit einem Lachen. Nun wartet ein richtiger Tennis-Thron auf ihn.

          Weitere Themen

          Zverev als Matchwinner für Europa

          Laver-Cup : Zverev als Matchwinner für Europa

          Zverev bedankt sich bei Nadal und Federer für das Vertrauen, ihn als letzten Einzelspieler beim Laver-Cup für Europa gegen den Rest der Welt aufzustellen. „Das war ein unglaubliches Wochenende.“

          Topmeldungen

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.