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US-Olympiasieger : Viel Ruhm, wenig Reichtum

  • -Aktualisiert am

Ausnahme Marion Jones: Gold in Sydney, Geld zu Hause Bild: DPA Sportreport

Aus Olympia-Gold mach Geld. Diese einfache Rechnung ging dieses Jahr für die von der Werbewirtschaft einst verwöhnten US-Sportler nicht auf.

          Alle Welt schwärmt von den Olympischen Spielen in Sydney, nur die amerikanische Werbe-Wirtschaft kann sich für ihre Helden beim Fest in Australien nicht begeistern. Ungeachtet der Sportart wurden in der Vergangenheit in den USA die Medaillengewinner mit Werbeverträgen ausgestattet, nur in diesem Jahr nicht.

          Die beiden Sportler des Jahres, die das amerikanische Nationale Olympische Komitee (USOC), die amerikanischen Medien und Sportler wählten, stehen stellvertretend für die unterschiedlichen Ausgangspositionen. Auf der einen Seite Marion Jones für die wenigen, die das Gold versilbern können, auf der anderen Rulon Gardener, dem fast nur die Ehre blieb.

          Marion Jones: Gewinnerin schon vor Olympia

          Marion Jones wurde schon vor den Spielen als „weiblicher Carl Lewis" verkauft und war der Liebling der Medien. Und auch wenn es für die Leichtathletin „nur" zu drei Goldmedaillen über 100 m, 200 m und in der 4 x 400-m-Staffel und zwei Mal Bronze mit der 4 x 100-m-Staffel und Weitsprung reichte: Ihre bereits vorhandene Popularität konnte in den Vereinigten Staaten selbst vom Doping-Skandal um ihren Ehemann, den Kugelstoßer C.J Hunter, nur wenig angekratzt werden.

          Der Superstar gehört zu den wenigen Olympiasiegern, die neben dem Ruhm auch Reichtum von fünften Kontinent mit nach Hause bringen konnten. Allerdings nicht allein wegen Olympia, sondern weil sie schon vorher immer in den Medien präsent war und in der amerikanischen Öffentlichkeit für jedermann ein fester Begriff.

          Keine Stimmung für Gewinner

          Anders beim Ringer Rudlon Gardener, dessen olympische Geschichte normalerweise ein Garant für Verträge in der Marketing-Hochburg USA wäre. Ein Super-Schwergewichts-Ringer, der zu Hause auf der Farm seiner Eltern in Wyoming hilft, hatte überraschend den russischen Bären Alexander Karelin gefällt. Der dreifache Olympiasieger hatte seit 1985 keinen Kampf mehr verloren. Mehr als Ehrung in seiner Heimat Afton und ein Angebot der World Wrestling Federation als Profi im Catcher-Zirkus hat es ihm nicht gebracht.

          Für die amerikanischen Werbeexperten ist das keine Überraschung, denn in den Vereinigten Staaten herrscht keine Stimmung für Goldmedaillengewinner. Die meisten Sieger haben zu wenig Charisma, die niedrigen Einschaltquoten im Fernsehen sowie die schlechte Lage in der New Economy, das waren zu viele negative Faktoren auf einmal. Während Jones Popularität nicht einmal von den Dopinggerüchten um ihren Ehemann berührt wurde, kostete die meisten anderen das schlechte Image der Spiele viel Geld.

          Zu viele Skandale

          Denn nach Meinung von Nova Lanktree vom „Lanktree Sports Celebrity Network“ ist in Australien zu viel über Betrügereien, Skandale und Drogen gesprochen worden. „Das kommt bei amerikanischen Konsumenten nicht gut an“, sagte die Sport-Vermarkterin. Dazu kommt die Dauerkrise der New Economy. Den finanziell angeschlagenen Internetfirmen, die ständig neue Hiobsbotschaften von der Wall Street befürchten müssen, fehlt das Geld, um einen Olympiasieger als Werbeträger zu verpflichten.

          Nicht zuletzt war es die schlechte Fernsehpolitik des NBC, die den Sportlern die Chance raubte, ihre Erfolge zu Markte zu tragen. Die zeitversetzte Übertragung bescherte dem übertragenden TV-Sender die schlechtesten Einschaltquoten seit 16 Jahren. Weil die meisten Entscheidungen in Sydney wegen der Zeitverschiebung in den USA in den quotenschwachen Morgenstunden gefallen sind, verzichtete NBC auf Livebilder und sendete zeitversetzt in der Primetime am Abend.

          Auf Grund der geringen Wahrnehmung und mangelnden Präsenz wurden die „unbekannten" Olympiasieger keine Zugpferde der Werbewirtschaft. Die Konkurrenz für sie ist übermächtig, neben den uramerikanischen Sportarten Basketball, Baseball und Eishockey haben auch Golf, Frauen-Fußball und der Auto-Rennsport an Popularität gewonnen. Basketball-Rentner Michael Jordan ist als Werbeträger immer noch gefragt, mit Mia Hamm haben die Fußballerinnen eine Heldin. Tour de France-Gewinner Lance Armstrong, der nach einer Krebserkrankung wieder zum Sieger wurde, verkörpert die amerikanische „Jeder kann es schaffen“-Philosophie wie kein anderen.

          Da passt es auch ins Bild, dass die einflussreiche Zeitschrift „Sports Illustrated“ den Golfstar Tiger Woods und die Tennisspielerin Venus Williams zu ihren Sportlern des Jahres kürte. Venus Willams ist zwar ebenfalls eine Goldgewinnerin von Sydney. Doch Olympia spielt im Tennissport noch immer eine untergeordnete Rolle, gewählt wurde sie wegen ihrer weiteren Erfolge.

          Sie alle nagen große Stücke vom Werbekuchen ab. Da bleiben für die Helden eines Spektakels, das nur alle vier Jahre stattfindet, nur ein Paar Krümel übrig.

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