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Unser täglich Buch zur Messe : Krampfhaft aufgekocht

Rieschs Buch: Eine aufgekochte Wiedergabe längst bekannter Einblicke in den alpinen Rennzirkus Bild: dpa

Nicht nur Loddar, auch aktive, erfolgreiche Sportler geraten in Versuchung, sich zu verkaufen, damit ihre Bücher hinterher auf dem Ramschtisch landen. Jüngstes Beispiel ist Maria Höfl-Riesch. Ihr Buch gleicht einer vergeblichen Suche nach Exzessen, Orgien und Skandalen.

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          “Orgien, Intrigen, Meuterei“ - wer anders als Lothar Matthäus in Kooperation mit „Bild“ hätte das Motto vorgeben können. Es ist der Fluch der Buchmesse, dass um die Jahreszeit, in der alles dunkler und trüber wird, auch ausgediente Sportstars zu Papier bringen, was dann Verlage auf verkäuflich trimmen. Loddar, der Peinliche, ist der König des Autobiographen-Trashs, aber auch aktive, erfolgreiche Sportler geraten leicht in Versuchung, sich zu verkaufen, um dann auf dem Ramschtisch zu landen. Jüngstes Beispiel ist Maria Höfl-Riesch, die Skiläuferin, der es nicht genügt, durch sportliche Klasse auf sich aufmerksam zu machen, immerhin ist sie Weltmeisterin, Olympiasiegerin und Weltcup-Gewinnerin, mehr geht nicht in ihrem Sport. Aber um sie herum ist es immer ein wenig zu still für ihren Geschmack, weil sich hierzulande kaum jemand für alpine Helden interessiert.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Der Drang in die Glamourwelt ist jedoch groß, und noch größer ist er geworden, seit Maria Riesch Beckenbauer-Manager Marcus Höfl geheiratet hat, da lief es gleich ein bisschen besser, aber immer nur „Bunte“ und Sportler-Gala, das ist auf Dauer doch auch ziemlich fad. Was tun? Ein Buch schreiben! Und ein bisschen was auspacken, ein bisschen was ausziehen, ein bisschen was hinausposaunen. Nun ist das Leben von Maria Höfl-Riesch sportlich ein Ereignis, doch supercoole Auftritte, wie sie die amerikanische Kollegin Julia Mancuso oder der große Abfahrer Bode Miller, die Rockstars der Szene, vormachen, hat sie nicht zu bieten. Aber macht ja nichts.

          Überzeugt im alpinen Rennzirkus sonst durch Leistung: Maria Höfl-Riesch Bilderstrecke

          Wird alles einmal durchgerührt und aufgekocht, und schon liest man dies: „Mir ist nicht bekannt, wer das Wort in Umlauf gebracht hat, aber es kursiert immer mal wieder: Pornozirkus - als Abwandlung von Skizirkus.“ Gratulation, kann man da nur sagen, schon ist die Steilkurve vom Gähnen zur Ekstase gelungen, der Pornodreh, wenn man so will. Weiter im Text: „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass in jedem Hotel, in dem wir absteigen, wilde Orgien zelebriert würden.“ Schade. „Aber es ist auch nicht so, dass jeder, der allein eincheckt, dann auch die Nächte allein verbringt.“ Tja, so ist dieses Buch. Eine krampfhafte, vergebliche Suche nach Exzessen, Orgien und Skandalen. Frisierte Langeweile.

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