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Uefa-Cup : CD Alaves: Auswärts starkes „Pink Team“

  • Aktualisiert am

Jordi Cruyff, Stütze von Alaves Bild: dpa

Kurzporträt: CD Alaves

          2 Min.

          Der CD Alaves fristete die allergrößte Zeit seiner 77-jährigen Geschichte ein Aschenbrödel-Dasein und kickte in unteren Ligen.

          Vor 15 Jahren war der Club wegen desolater Finanzen am Grünen Tisch zum Zwangsabstieg in die Regionalliga verurteilt worden. Nur dank der Hilfe von Athletic Bilbao konnte verhindert werden, dass der Verein ganz aufgelöst werden musste. Seither ging es langsam, aber beständig bergauf. „Wer Hunger leidet, sollte nicht am nächsten Tag Kaviar essen“, beschreibt Vereinspräsident Gonzalo Anton seine Strategie. „Bei uns geht alles Schritt für Schritt. Wir verfallen auch nicht in Euphorie, die man vielleicht hätte erwarten können.“

          Fan-Namen auf's Trikot gedruckt

          Dass er sich zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Primera Division für den UEFA-Cup qualifizierte, wurde in Spanien bereits als Sensation gefeiert worden. Mit dem Erreichen des Halbfinales hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Nun überrascht der Außenseiter aus dem Baskenland ganz Fußball-Europa, und nicht allein mit seinen Erfolgen.

          Der Club verblüffte auch Fans und Gegner damit, dass er im UEFA-Cup auf sein traditionelles blau-weißes Dress verzichtete und als erstes spanisches Team in rosafarbenen Trikots antrat. Dies brachte Alaves den Spitznamen „Pink Team“ ein. Eine Besonderheit der Trikots: Jeder der 13.200 Dauerkarteninhaber hat seinen Platz auf dem Leibchen. Die Namen aller treuen Fans sind in winziger Schrift auf's Trikot gedruckt.

          Ausgemusterte Spieler blühen auf

          Das Geheimnis des Erfolges besteht darin, dass der Club Spielern eine Chance gab, die in anderen Vereinen ausgemustert worden waren. Dazu gehört Jordi Cruyff, der weder beim FC Barcelona noch bei Manchester United auf einen grünen Zweig kam. Beim CD Alaves erkämpfte der Sohn des Ex-Weltstars Johan Cruyff sich einen Stammplatz. Torjäger Javi Moreno hatte vor zwei Jahren die Fußballschuhe an den Nagel hängen wollen. Nun führt er mit 18 Treffern Spaniens Torschützenliste an, noch vor den großen Stars Rivaldo (17) und Raul (16). Zusammen mit dem eisenharten Abwehrrecken Oscar Tellez wurde Javi Moreno kürzlich in die Nationalelf berufen.

          Einen großen Anteil am Aufstieg des CD Alaves hat auch Trainer Jose Manuel Esnal. „Mane“, wie man ihn in Spanien nennt, galt immer als ein „klassischer Zweitliga-Coach“, bis er Alaves 1998 in die erste Liga führte. Er ist ein eher reservierter Typ, der nicht mehr sagt als unbedingt nötig. Der 51-Jährige gilt zwar nicht als „Schleifer“, aber er verfolgt eine klare Linie. Man spricht gar vom „estilo Mane“ (Mane-Stil). Danach hat die mannschaftliche Geschlossenheit absoluten Vorrang. Die Spieler müssen viel laufen und den Gegner früh angreifen. Zudem gilt die Devise: Jeder Gegner ist schlagbar.

          Auswärts starkes Team aus Alava

          Das hat das Team mt seiner kompakten Abwehr insbesondere in Uefa-Cup-Auswärtsspielen unter Beweis gestellt. Auf dem Weg ins Halbfinale schaltete Alaves Lilleström SK (2:2/3:1), Rosenborg Trondheim (1:1/3:1), Inter Mailand (3:3/2:0) und Rayo Vallecano (3:0/1:2) aus. Als Inter Mailand im Hinspiel des Achtelfinales ein 3:3 bei CD Alaves erreicht hatte, schien dies das Aus der Basken zu sein. Aber dann gelang dem „Pink Team“ ein 2:0-Sieg im San-Siro-Stadion.

          Mit seinen Erfolgen im UEFA-Pokal dürfte die Mannschaft dazu beitragen, eine Frage von Fußballfans außerhalb Spaniens zu beantworten: Wo liegt eigentlich Alaves? Einen Ort dieses Namens findet sich nämlich in keinem Atlas. Die Lösung lautet: Alaves ist das Adjektiv von Alava und bedeutet „aus Alava“. Dahinter verbirgt sich wiederum die Provinz um die Stadt Vitoria (200.000 Einwohner). Vitoria ist die Hauptstadt des spanischen Baskenlands, steht allerdings im Schatten der Metropolen Bilbao und San Sebastian.

          Große Aufmerksamkeit weckt das Spiel im Baskenland übrigens nicht. Das knapp 20.000 Zuschauer fassende Stadion Mendizorroza wird aller voraussicht nach nicht ausverkauft sein, obwohl rund 1.000 Fans aus der Pfalz die weite Reise antreten werden. Zu sehr wird das Spiel in den spanischen Medien vom zweiten Uefa-Cup-Halbfinale zwischen dem FC Liverpool und dem FC Barcelona überlagert.

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