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Übersteiger : Die Erben Rastellis

Der FAZ.NET-Übersteiger zur Fußball-Bundesliga Bild: FAZ.NET

Sein Name ist Mythos. „Rastelli“ steht für Perfektion im Umgang mit dem Ball. Selbst Uli Hoeneß strahlt, wenn er diesen Namen ausspricht.

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          Sein Name ist Mythos. „Rastelli“ steht für formvollendeten Umgang mit Bällen. Selbst Uli Hoeneß strahlt, wenn er diesen Namen ausspricht.

          Ronaldo, Romario und Raul sind nur Randfiguren gegen Rastelli. Sie alle könnten sich glücklich schätzen, mit ihm verglichen zu werden. Ausgerechnet Thorsten Fink kam zuletzt in diesen seltenen Genuss. „Er hat gespielt wie Rastelli in seiner besten Zeit“, schwärmte Hoeness nach dem Spiel gegen Arsenal London über den sonst so unauffälligen Mittelfeldspieler.

          Wo spielte Rastelli?

          „Ja, der Rastelli“, das war einer. Aber wo hat der eigentlich gespielt? Bei Real Madrid, Juventus Turin oder barfuß an der Copacabana? Und warum haben ihn die Bayern nicht gekauft? Rastelli, der Inbegriff menschlicher Ballfertigkeit, wurde nie Weltmeister und hat auch den Europapokal der Landesmeister nicht gewonnen. Er hat überhaupt nie auf dem Spielberichtsbogen eines Fußballvereins gestanden. Enrico Rastelli war Jongleur.

          Akrobat Fink beim Üben
          Akrobat Fink beim Üben : Bild: AP

          Der Jongleur! Eigentlich verbietet es sich, Thorsten Fink mit ihm zu vergleichen. Rastelli balancierte bis zu zwölf Bälle gleichzeitig mit allen Körperteilen. Er konnte Bälle auf dem Kopf hüpfen lassen und gleichzeitig Seilspringen. Kann Stefan Effenberg Seilspringen?

          Die Attraktion aller Zeiten

          Der 1896 in Russland im Wohnwagen eines Wanderzirkus geborene Sprössling einer italienischen Artistenfamilie mit langer Ahnenreihe avancierte schon bei seinem ersten öffentlichen Auftritt zur Attraktion. Anno 1922 gab der schmale Italiener im Zelt von „Galetti“ sein Debüt, und schon nach seiner ersten Zirkusnacht galt er als Sensation.

          Er zauberte mit Keulen, Tellern und Bällen, narrte Fliehkraft und physikalische Gesetze und war binnen weniger Monate ein Erdenbegriff, obwohl blitzschnelle Kommunikation damals fehlte. Gelegentlich trat er im Fußballdress auf, balancierte und jonglierte Bälle in einmaliger Vielfalt und Akuratesse, als seien sie mit seinem Körper verbunden. Also wie Michael Tarnat in seinen besten Zeiten.

          Kaum Nachfolger in Sicht

          Enrico Rastelli starb an seinem übermäßigen Ehrgeiz. Würde das einem Bayern-Spieler passieren? Der leukämiekranke Artist überforderte seinen ausgelaugten Körper, ignorierte SOS-Signale und brach schließlich zusammen. Enrico Rastelli starb am 13. Dezember 1931, ist also schon fast siebzig Jahre tot.

          Dennoch ist sein Name noch heute Synonym. Oft klingt es fast beleidigend. Klappert ein Kaufhaus-Jongleur mit drei Keulen, nennt man ihn Rastelli, trifft eine Fußball-Fachkraft 90 Minuten lang Ball statt Gegners Beine, ebenso.

          Wirkliche Nachfolger sind rar. In Artistenkreisen gilt Francis Brunn als sein einziger stilistisch legitimer Nachfolger. Doch der ist mittlerweile auch schon achzig. Bleibt Anthony Gatto, 28 Jahre jung, Amerikaner. Gatto kann neun Bälle gleichzeitig 208 Mal hochhalten. Er hält Jonglier- Weltrekorde mit Bällen, Ringen Fackeln und Keulen und gewann im vergangenen Jahr “den goldenen Clown“ beim Zirkusfestival von Monte Carlo. Vielleicht sollte Uli Hoeneß mal anrufen.

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