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Übersteiger : Der FC Bayern und die berechenbare Bundesliga

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Der FAZ.NET-Übersteiger zur Fußball-Bundesliga Bild: FAZ.NET

Der Liga droht die Langeweile. Schon nach einem Drittel der Spieltage geht dem FC Bayern die nationale Konkurrenz aus. Der Übersteiger.

          2 Min.

          In der Bundesliga werden gern und oft Bilanzen gezogen und Zwischenergebnisse markiert. Doch der Titel „Herbstmeister“ ist genauso unwichtig und wertlos wie das Prädikat „beste Rückrundenmannschaft“.

          Was zählt, ist allein das Tabellenbild nach dem 34. Spieltag. Wer das bezweifelt, mag sich an die Nachspielzeiten in Hamburg und Gelsenkirchen im vergangenen Mai erinnern. Niemand hätte ein solches Finale prognostizieren können, zu keinem Zeitpunkt.

          Eine Prognose ist möglich

          Wie viel wert kann da eine Resümee nach einem Drittel der Spielzeit sein? Ist es im Oktober nach elf von 34 Runden möglich, eine sinnvolle Prognose auf den Titelträger im kommenden Mai zu stellen?

          Es ist möglich, denn der deutsche Meister 2001/2002 wird Bayern München heißen. Der Überraschungseffekt des 1. FC Kaiserslautern ist leider schon verflogen. Einzig Ernst zu nehmender Gegner ist derzeit Bayer Leverkusen. Doch das Werksteam, auch das ist bekannt, ist ein ewiger Zweiter. Das einzige, was man machen könne, sei eine Kerze aufstellen und beten, dass die Bayern verlieren, meine Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller.

          Besorgniserregende Schwäche der Gegner

          Es gibt wohl keine weniger riskante Vorhersage, als auf die Münchener zu setzen. Die Münchener trotzen wie kein anderes Team dem Verletzungspech, dem Druck und der Mehrfachbelastung. Kein anderer Verein könnte die Zahl verletzter Stammspieler verkraften, die Ottmar Hitzfeld Woche für Woche mit Spielern aus der zweiten Reihe ersetzt. Wie soll dieser Mannschaft im Saisonverlauf jemals die Luft ausgehen? Schwächelt ein Spieler, kann Ottmar Hitzfeld ihn sofort durch einen fast gleichwertigen Star ersetzen.

          Kein anderes Team hat eine derart mit Nationalspielern gespickte Ersatzbank wie der Champions-League-Sieger. Keinem anderen Team ist es gelungen, das seit Jahren schlüssige Erfolgsrezept zu kopieren. Es ist nicht die kontinuierliche Überlegenheit der Münchner, die erschreckt und die Liga ein wenig langweilig und berechenbar macht - es ist die besorgniserregende Schwäche der Gegner, die der Bundesliga die Spannung nimmt.

          Ein einziger sichtbarer Fehler

          Am Geld allein liegt es nicht. Diese Ausrede können sich die Manager von reichen Teams wie Schalke 04, Bayer Leverkusen oder vor allem Borussia Dortmund sparen. Uli Hoeneß kauft nicht teuer ein, sondern geschickt, mit viel Fach- und Menschenkenntnis. Für seine Personalpolitik wird der Verein in ganz Europa bewundert. Den nach dem Börsengang finanzkräftigen Dortmundern gelangen ein paar Coups auf dem Transfermarkt, ein Klasseteam haben sie noch lange nicht.

          Die Münchner und ihre geschickt aufgebaute Fassade wirken so perfekt, dass sich jedermann diebisch über die Trikot-Posse vom Wochenende freut. Der FC Bayern vergisst seine Auswärtstrikots, siegt in weißen Trainingshemden. Der bisher einzige sichtbare Fehler in dieser Saison.

          Manager zum Nachhilfeunterricht

          Allein ein frühes Aus in der Champions League - für das es nach der souveränen Vorrunde allerdings keinerlei Anzeichen gibt - könnte den Rekordmeister wohl so schwer treffen, dass er zumindest für einen Moment ins Grübeln geriete.

          Auf diesen Augenblick müssen die anderen warten und in der Zwischenzeit endlich einmal genau hinschauen, ihre Manager zum Nachhilfeunterricht schicken und die Millionen aus Bundesliga und Champions League richtig investieren. Damit niemand in der Saison 2002/2003 schon nach einem Drittel der Spielzeit den Meister vorhersagen kann.

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