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Übersteiger : Das Rudelbildungsverbot

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Der Übersteiger - die FAZ.NET Fußball-Kolumne Bild: FEM

Was viele nicht wussten: wer Rudel bildet oder in gebildeten Rudeln schubst oder stößt, wird ausgestoßen. Dazu der FAZ.NET-Übersteiger.

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          „Dann müssen eben mal zwei oder drei Spieler gehen, auch wenn das anfangs ein Aufschrei geben wird“, hatte Volker Roth vor der Saison gesagt.

          Roth ist der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses und forderte schon seit längerem unmissverständlich „Rot“ für die Verursacher von Streitigkeiten zwischen mehreren Spielern, die sich zu einem Pulk zusammenrotten, Schubsen oder Treten - kurz: für „Rudelbildung.“

          Rudel: „zusammenlebende Individuen beim Schalenwild“

          „Da ich mich in der Tierwelt nicht auskenne, weiß ich nicht, was Rudelbildung bedeutet“, sagte Schalkes Manager Rudi Assauer treuherzig. Ihm kann geholfen werden. Ein Rudel besteht laut Lexikon des Deutschen Taschenbuch Verlages aus „mehreren zusammenlebenden Individuen beim Schalenwild oder beim Wolf“.

          Gustavo Varela und Marco Kurz gehören weder zur Sorte des Rot- oder Damwilds, noch spielen sie in Wolfsburg. Trotzdem mussten der „Löwe“ (Kurz) und der „Knappe“ (Varela) am neunten Spieltag für eine „Rudelbildung“ büßen. Sie waren die ersten für dieses neuartige Vergehen bestraften Sünder in der langen Liste der 796 bisher des Feldes verwiesenen Fußballspieler seit Gründung der Bundesliga im Jahre 1963.

          Der betroffene Trainer bellt

          Somit hatte es überraschend lange gedauert bis zum ersten von Roth frühzeitig vorhergesagten Aufschrei. Aber der Aufschrei über Schiri Strampes stramme Regelauslegung kam erwartungsgemäß - und von Seiten der Verlierer.

          Während Peter Pacult, Trainer der 3:0 siegreichen Münchner lapidar erklärte, „der Schiedsrichter hat entschieden“, jammerte sein Schalker Kollege Frank Neubarth mit der Argumentationswucht eines geblitzten Auto-Rasers: „Das ist schon x-mal vorgekommen und anders bewertet worden.“

          Nicht alle Kenner kennen die Regel

          Umfragen unter neutralen Experten blieben unergiebig. Rostocks Trainer Armin Veh bekannte, die Regel gar nicht zu kennen. DSF-Faktotum Udo Lattek will die Basare in den Strafräumen zwar nicht mehr sehen, aber „blind zwei Leute rauszugreifen“ sei auch nicht „Sinn der Sache“.

          Dem steht die klare Aussage des Augenzeugen Hartmut Strampe gegenüber: „Es war für mich klar, dass die beiden Spieler gehen“, sagte der Schiedsrichter später: „Die Begründung heißt Stoßen und Auslösen des Rudels.“

          Bundesliga-Spieler neigen zur „Rudelbildung“

          Das Rudelbildungsverbot begründete Roth auch mit Erfahrungen von der Fußball-WM: „Bei der WM fiel auf, dass bei Rudelbildungen rund um den Schiedsrichter meistens Spieler der deutschen Nationalmannschaft oder ausländische Akteure, die in der Bundesliga spielen, beteiligt waren", hatte WM-Schiedsrichter Markus Merk beobachtet.

          Roth und Merk folgerten, dass im Interesse aller Fußball-Fans solche Szenen verhindert werden müssten. Sie sind zwar seit jeher Usus beim Eishockey, erinnern aber auch an Fanausschreitungen auf der Tribüne.

          Was meint Mecker-Mario?

          Münchens Präsident Karl-Heinz Wildmoser begrüßt die strenge Linie: „Dank der Übersicht von Herrn Strampe ist das Spiel wieder in ruhige Bahnen gekommen.“ Der Oberlöwe kennt sich aus, denn auch Löwen bilden Rudel.

          Nicht überliefert ist, ob Mario Basler zu diesem Thema befragt wurde. Aber zumindest die Antwort ist bekannt: „Der Schiri müsste richtig auf die Fresse kriegen.“

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