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TV-Rechte : „ran“ bleibt an der Bundesliga dran

  • Aktualisiert am

Bleibt „ran” der Bundesliga erhalten? Bild: dpa

Auch wenn Sat.1 weiterhin Bundesliga-Sender bleiben will, wird die Liga finanzielle Abschläge hinnehmen müssen. Nur die DFL-Manager wollen das nicht wahrhaben.

          Die deutschen Fußball-Fans müssen womöglich doch nicht auf die Bundesliga-Show „ran“ verzichten: Trotz aller Ausstiegs-Szenarien steht Sat.1 angeblich vor einer Verlängerung seines zum Saisonende auslaufenden TV-Vertrages.

          Nach Angaben der Zeitschrift Sport-Bild ist ein weiteres Bundesliga-Engagament bereits beschlossene Sache. Der TV-Sender soll danach sogar einen Drei-Jahres-Vertrag bis 2006 anstreben und dafür 65 bis 70 Millionen Euro jährlich zahlen wollen - also knapp 15 Prozent weniger als die zuletzt gezahlten 80 Millionen Euro pro Saison.

          Finanzierungslücken

          Im Falle eines Ausstiegs von Sat1 und wegen eines Defizits von 30 Millionen Euro für die laufende Saison prüft auch Rechte-Inhaber Infront Sports Media AG den Ausstieg und erwägt, eine entsprechende Vertragsklausel wahrzunehmen. Denn das Geschäft mit dem Bundesligafußball rechne sich weder für den Free-TV-Sender noch für den Nachfolger der KirchSport AG.

          Sat1 soll jährlich ein Minus von 30 Millionen Euro mit „ran“ machen. Deshalb wolle Sat.1 auch nur noch 50 statt 80 Millionen Euro an Infront bezahlen. Die Schweizer wiederum hätten dann eine noch größere Finanzierungslücke: Infront muss der Deutschen Fußball-Liga jeweils 290 Millionen Euro für die Bundesliga-Rechte diese und die kommende Saison überweisen. An Honoraren nimmt das Unternehmen nur rund 260 Millionen Euro ein, wovon Premiere (148 Millionen), Sat.1 (80) sowie ARD und ZDF (19) die größten Summen für die Erst- oder Zweitverwertung zahlen.

          Drohgebärden

          Doch ähnlich wie vor einem Jahr will die Liga den gesunkenen Marktwert ihres Produkt nicht wahrhaben. „Das Gerede von der Krise ist Unsinn. Mittelfristig bekommen wir mehr Geld“, gab Bayern-Manager Uli Hoeneß während des Geburtstages seines Bruders Dieter selbstbewusst von sich. Auch Kollege Michael Meier von Borussia Dortmund ist selbstsicher, „dass wir die vereinbarten Gelder voll erhalten.“

          Leverkusens Manager Reiner Calmund will auf keinen Fall weitere Preissenkungen für die TV-Rechte hinnehmen und baut daher erneut eine altbekannte Droh-Kulisse auf. „Langsam ist das Maß voll. Wir lassen uns unser wertvolles Produkt nicht kaputtreden“, sagte der Bayer-Geschäftsführer: „Wenn das so weitergeht, dann machen wir die Übertragung selbst. Das ist innerhalb von fünf Tagen realisierbar. Wir holen uns Leute vom DSF, dann haben wir die Plattform und lösen das Problem in Eigenregie.“

          Pokerpartien

          Doch das scheint wenig realistisch und auch nicht nötig zu sein. Schließlich würden damit fast 100 Millionen weniger TV-Gelder verteilt werden, die sich auch nicht durch direkte Werbeeinahmen kompensieren ließen. Auch würden sinkende Quoten beim Spartensender DSF im Verhältnis zu den Sat1-Zahlen die Werthaltigkeit des Free-TV Produkts „Bundesliga“ senken.

          Deshalb glaubt der Vorstandschef der Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, an eine Verlängerung der Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Partner. „Weil Sat.1 die Option auf die Verlängerung bis 2004 noch nicht gezogen hat, müssen nicht alle hektisch werden. Das sind eben Pokerpartien. Aber 2004 sehe ich alles verbessert.“

          Auch an einen möglichen Ausstieg der Rechte-Firma Infront Sports & Media AG mit Geschäftsführer Günter Netzer glaubt Rummenigge nicht. Hauptinvestor Robert Louis-Dreyfus sei „so ausgeschlafen, dass er genau weiß, was er tut. Ohne etwas schönzureden, bin ich überzeugt, dass sowohl die Bundesliga als auch die Weltmeisterschaft ein Geschäft wird“.

          Fristverlängerung

          Infront soll gegenüber Sat 1 bereits auf eine noch mit der alten Kirch Media vereinbarten Steigerung des Rechte-Honorars von bisher 80 auf 84 Millionen Euro verzichtet haben. Zuvor hatte die Rechte-Agentur dem TV-Kanal bereits eine Fristverlängerung gewährt.

          Bis März muss sich Sat.1 nun entscheiden, ob eine Option zur Vertragsverlängerung für ein weiteres Jahr eingelöst werden soll. Bis dahin muss Sat.1 ein Angebot für die Erstausstrahlungsrechte im Free-TV abgeben. Spätestens im April könnte ansonsten auch Infront die Option wahrnehmen, die Bundesliga-Rechte an die insolvente KirchMedia zurückgeben. In diesem Falle geriete die Bundesliga erneut in akute Finanznot. Ob entsprechende Bankbürgschaften diese voll kompensieren könnten bleibt fraglich.

          Gedankenspiele

          Offiziell will Sat 1 nicht über einen längeren Zeitraum verhandeln. „Wir haben erst einmal eine Option für das nächste Jahr. Dann schauen wir weiter“, sagte Sprecherin Kristina Faßler. Gedankenspiele die Rechte am Samstag zu teilen, um fünf Spiele bei „ran“ in Sat.1 und zwei in der „Sportschau“ der ARD zu zeigen, haben sowohl der Privatsender als auch die Öffentlich-rechtlichen dementiert. Um einen weiter sinkenden Marktanteil zu verhinderm, braucht Sat1 die Bundesliga prinzipiell.

          Viel wird aber auch von der Entscheidung des Bauer-Verlags abhängen, der die Anteile der insolventen Kirch Media bei der ProSiebenSat1 Media AG übernehmen soll. Bauer hat sich bezüglich eines Engagements im Sportbereich bisher sehr zurückgehalten und setzt eher auf

          Steigt die Liga beim DSF ein?

          Die Option, beim DSF einzusteigen, hat die Bundesliga ohnehin. Dies war Teil des neuen Vereinbarung mit Kirch Media im letzten Sommer. Bis Ende Januar soll eine Entscheidung fallen, ob sich die Liga mit 25,1 Prozent an dem Spartenkanal beteiligt. Abhängig ist dies von der Entscheidung, welcher Investor den Sportsender kurzfristig übernimmt. Im Gespräch sind dort neben ESPN, auch EM-TV, Karstadt-Quelle oder ein Management Buyout durch DSF-Geschäftsführer Steffen Ziffzer.

          Ein möglicher Einstieg der DFL bei DSF müsste aber nicht zwingend in Konkurrenz zu Sat.1 stehen, es könnte auch eine Ergänzung sein. Viele Vereine fürchten bei einem TV-Engagement allerdings ein unkalkulierbares finanzielles Abenteuer.

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