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Turnfest : Hambüchen siegt im Mehrkampf

  • -Aktualisiert am

Hambüchen mit Medaille: Giengers Rekordserie aus den 70er Jahren kopiert Bild: dpa

Fabian Hambüchen ist zum fünften Mal nacheinander deutscher Mehrkampf-Meister geworden. „Dieser Titel ist mir besonders wichtig. Im Mehrkampf wollte ich es unbedingt packen“, sagte der Turnfest-Botschafter. Es war ein Mehrkampf, der dem Männerturnen gut tut.

          Sicher, stabil - „er hat den Wettkampf für sich eingenordet“. Was Andreas Hirsch, der Cheftrainer der deutschen Turner, in seiner ganz eigenen Ausdrucksweise so nennt, liest sich in der Ergebnisliste der deutschen Meisterschaft so: Fabian Hambüchen 90,900 Punkte, Marcel Nguyen 86,800, Philipp Boy 86,300. Hambüchen musste eben nur „sicher und stabil“ turnen, wie er sagte, um jederzeit Herr der Lage zu sein, um zum fünften Mal nacheinander deutscher Mehrkampfmeister zu werden und mit Rekordhalter Eberhard Gienger gleichzuziehen. Seine Sammlung deutscher Meistertitel insgesamt stieg in den Gerätefinals am Donnerstagnachmittag mit den Siegen an Barren und Ringen auf 23.

          Er hatte gewusst, es würde eine schwierige Woche für ihn werden beim deutschen Turnfest - als „Lokalmatador“, wie ihn der Hallensprecher wiederholt ankündigte, mit Showauftritten, der Champions Trophy, den Meisterschaften und Verpflichtungen für Sponsoren und Verband. Hambüchen zog sich in jeder freien Minute zurück nach Hause, nach Wetzlar. Und er hat Klasse genug, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Hambüchens Stärke liegt auch darin, den Verlauf des Wettkampfs abzuwarten - am Ende gewinnt er ohnehin.

          Die Wetten auf Hambüchens erste Mehrkampf-Niederlage laufen

          Schon laufen Wetten, wann es endlich einem deutschen Konkurrenten gelingen könnte, ihn in einem Mehrkampf zu besiegen. Nguyen, wie Hambüchen und Boy 21 Jahre alt, fühlte sich plötzlich bei der Champions Trophy am Montag nah dran - und musste dann doch einsehen, dass er der Hilfe Hambüchens - sprich: dessen Fehlern - bedarf, um ihn zu überholen. Nguyen absolvierte seine bisher besten Mehrkämpfe in Frankfurt. Der junge Mann aus Unterhaching hat seinen Grundwehrdienst bei der Bundeswehr hinter sich und ist von München in den Stützpunkt nach Stuttgart gewechselt zu Trainer Valeri Belenki. Er merkt endlich, dass er tatsächlich dort ankommen kann, wo die Trainer ihn schon lange sehen, er entwickelt Ehrgeiz.

          Hambüchen am Boden: „Im Mehrkampf wollte ich es unbedingt packen”

          „Er hatte sich bisher seine Situation nie so vor Augen geführt“, sagt Hirsch. Nguyen, der als außerordentliches Bewegungstalent gilt, hat seine Stärke im Barren-Turnen mit dem in der Welt bisher einzigartigen Tsukahara-Abgang, am Donnerstag wurde er im Gerätefinale Zweiter. Er wird - so die Einschätzung Hirschs - in absehbarer Zeit einen Sprung mit dem international hochklassigen Schwierigkeitsgrad 7,0 bieten. Noch ist seine Reck-Übung nicht schwierig genug, „und er hat erkannt, dass er Pferd-Turnen lernen muss“, so Hirsch.

          Boys Ehrgeiz ist groß, die Ansprüche an sich auch

          Auch Philipp Boy aus Cottbus, bei der Europameisterschaft im April Mehrkampf-Vierter, glaubt sich in der Lage, irgendwann den Jackpot zu knacken. „Er hat gedacht, mit der Plazierung von der EM ist für ihn alles geritzt“, sagt Hirsch, „aber dem ist nicht so“. Immerhin erreichte er in Frankfurt ein Teilziel: Er gewann, vor Nguyen, seinen ersten deutschen Meistertitel am Boden - weil Hambüchen patzte und nur auf Rang drei kam. Bei der Champions Trophy hatte Boy noch einen „Kopfschüttel-Wettkampf“ geturnt, wie Rosemarie Napp ihn nannte, die für den Spitzensport zuständige Vizepräsidentin des Deutschen Turner-Bundes. Es lief einfach nicht für ihn, und anstatt gegen Hambüchen zu kämpfen, war Boy mit sich beschäftigt.

          Immer wieder scheitert er, wenn er das Ziel zu hoch setzt. Bei der Mehrkampf-Meisterschaft riss zu allem Überfluss bei der Reck-Übung das die Hand schützende Lederriemchen und ließ ihn abstürzen. Boys Ehrgeiz ist groß, seine Erwartungen an sich sind entsprechend. Und auf einmal sieht er nicht nur Hambüchen vor sich, sondern auch noch Nguyen. „Jetzt hat er ein Problem“, sagt Hirsch. Es zu lösen, könnte Boy helfen, erwachsen zu werden. Und dem deutschen Männerturnen kann dieser Mehrkampf nur guttun.

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