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Faustball : Wie Volleyball - nur „attraktiver und schneller“

  • -Aktualisiert am

Aufschlag Deutschland: Kolja Meyer wird zur spielentscheidenden Figur Bild: Wonge Bergmann

Deutschland gegen Österreich, das ewige Länderduell, ganz gleich in welcher Sportart. Diesmal im Faustball. Was das ist? Ein Teamspiel wie Volleyball, wobei das Feld größer ist und die Bälle härter kommen.

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          Das Warten dauerte einunddreißig Minuten. Für fünf Uhr abends hatten die deutschen Faustballer am Dienstag ihr Länderspiel im Rahmen des Turnfests groß angekündigt und ordentlich dafür getrommelt. Deutschland gegen Österreich, das ewige Länderduell, ganz gleich in welcher Sportart. Mit der Pünktlichkeit hatten sie es dann aber nicht so - bei einunddreißig Minuten Verspätung, bis endlich angepfiffen wurde. Vielleicht war es die Vorfreude, die vor 800 Zuschauern ausgekostet werden sollte. Und zwar in vollen Zügen.

          Das Spiel hatten die Faustballer als ihr Highlight während der Turnfestwoche deklariert und in eine schier übergroße Sportparkanlage nach Neu-Isenburg vergeben, die eigentlich das Stadion der heimischen Sechstligafußballspieler ist - und die früher mal richtig modern war, nach wie vor aber zumindest gepflegt daherkommt. Und so ließen sich die Spieler unten auf dem Feld etwas mehr Zeit als üblich fürs Einschlagen in der Abenddämmerung, so fand der Stadionsprecher seinen Spaß an der ausführlichen Vorstellung aller Akteure. Vorname, Name, Position, Verein, und hinterher gab es für jeden Einzelnen den Applaus der achthundert, auch für die Österreicher. Schließlich verhalfen die deutschen Funktionäre ihrem zurückgetretenen Angreifer Ole Hermanns noch zu einem gebührenden Abschied, für zehn Jahre Nationalmannschaft und neununddreißig Länderspiele gab es ein paar nette Worte vom Bundestrainer und vom Präsidenten.

          Die Sportart gilt als altbacken

          Es war ein Höhepunkt für die Faustballer, keine Frage, aber die richtig große Bühne dann auch wieder nicht, weil sie eben doch fast wieder nur unter sich waren. Achthundert Zuschauer zwar, aber der Großteil davon stand selbst im 1500 Spieler starken Faustball-Teilnehmerfeld dieser Woche. Und auch die Idee eines Länderspiels während des Turnfests war so neu nicht. „Wir hatten das vor vier Jahren in Berlin ähnlich gemacht“, sagt Peter Sievers, Vorsitzender des Technischen Faustball-Komitees im Deutschen Turnerbund (DTB). Damals spielte die deutsche Auswahl gegen die Schweiz, die ebenso wie Österreich zur Weltspitze zählt und als Länderspiele gelegentlich sogar im Fernsehen übertragen werden.

          In Deutschland dagegen hatte Faustball früher mal viele Anhänger, heute ist die Zahl übersichtlich, die Sportart gilt als altbacken. „Sie weist viele Gemeinsamkeiten mit dem erfolgreicheren Volleyball auf“, sagt Sievers, dabei sei Faustball „attraktiver und schneller“. Das Spielfeld ist größer - und die Bälle kommen härter, weil eben gefaustet und nicht gepritscht wird. Allerdings rumort es auch hier an der Basis. Unter der Woche hatte ein anonym gebliebener Anhänger mit Flyern zu einer Protestaktion gegen den DTB aufgerufen und sich über zu wenig Unterstützung für die Faustballer beklagt. „Völliger Unsinn“, sagt Sievers, „als ich das Papier in die Hand gedrückt bekommen habe, ist es gleich in den Müll gewandert.“ Man stehe in regem Kontakt mit dem DTB, „und wir haben ein gutes Verhältnis“.

          In diesem Zusammenhang vielleicht ganz gut, dass die österreichischen Fernsehleute diesmal auf ihr Kommen verzichtet haben - obwohl das Spiel durchaus ansehnlich ist. Es geht hin und her, Österreich führt zunächst verdient, bis die deutsche Mannschaft immer stärker aufkommt. Mit 5:2 Sätzen gewinnen die Gastgeber am Ende, Schlagmann Kolja Meyer wird zur spielentscheidenden Figur, die Menge ist zufrieden, nach knapp anderthalb Stunden ist die Partie vorbei - und für die Insider ist der Sieg eine nicht zu kleine Überraschung. Was bleibt, ist vor allem die Hoffnung auf eine größere öffentliche Wahrnehmung. „Die hätte sich unser Sport verdient“, sagt Sievers.

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