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Triathlon-Tagebuch : Keine Zeit zum Feiern

  • -Aktualisiert am

Das Ziel nach dem Weg: Sieger Lothar Leder Bild: dpa

Fünf Wochen hat Lothar Leder exklusiv in FAZ.NET berichtet, wie er sich auf den Ironman Europe in Roth vorbereitet. Sein Trainingsprogramm war offenbar richtig: Leder hat gewonnen.

          Was für ein Tag! Mit Sicherheit war mein Sieg im Roth im vorigen Jahr viel härter erkämpft - dafür war es in diesem Jahr emotionaler. Dieser Jubel im Ziel. Dieser Applaus. Wahnsinn.

          Und dann wird meine Frau Nicole auch noch Dritte. Viel besser konnte dieser Sonntag für uns gar nicht laufen.

          Dieser Sieg war kein Spaziergang

          Hinterher wurde überall geschrieben, dass ich quasi im Spaziergang diesen Rennen gewonnen habe, aber das sah nur so aus. Denn Schwimmen und Rad fahren waren schon zwei ganz harte Brocken. Ich musste richtige ackern im Wasser, 500 Meter vor dem Ziel habe ich sogar den Anschluss verloren, meine Muskulatur hat dann übersäuert. Die Arme wurden schwer, die Beine auch - glücklicherweise hat sich das dann wieder reguliert.

          Laufen: 42,195 Kilometer

          Denn auf dem Rad haben wir richtig geballert. Volles Tempo, habe ich Andreas Niedrig immer angebrüllt. Und der hat auch gewusst, was zu tun ist. Wenn wir gleich zu Beginn attackieren, dann reißt das Feld sofort auseinander - und schon sind wir im psychologischen Vorteil.

          Regen bringt Segen

          Das Regenwetter hat mir gar nichts ausgemacht. Im Gegenteil, mich hat richtig aufgebaut, dass die anderen ständig darüber gejammert haben. Ich kann auch Thomas Hellriegel nicht verstehen, warum der bei Regen gleich derart hinter her hechelt, es gibt doch heute erstklassige Kleidung, die warm und trocken hält.

          Seis drum. Dieses Rennen war für mich der Lohn einer harten Vorbereitung über ein halbes Jahr, in dem ich alles richtig gemacht habe. Oh, was musste ich mir wieder anhören, als ich bei den Ironman-Rennen in Malaysia und Südkorea angetreten bin. Das sei zu viel, hieß es da immer. Und jetzt? Ich habe halt mein Training optimal dosiert. Lange, ruhige Einheiten - dann kurz und knackig. Als ich dann losgelaufen bin in Roth, das wusste ich, dass es kein Halten gibt.

          Wir machen kein Schaulaufen

          Gut, Andreas Niedrig und ich hatten eigentlich verabredet, ein paar Kilometer gemeinsam zu laufen. Sogar eine Stelle für eine gemeinsame Pinkelpause hatten wir verabredet. Na ja, ich bin dann doch weg gelaufen, wir machen ja keine Showveranstaltung mit Schaulaufen.

          Natürlich sah ich die ganze Zeit locker aus, ich hätte auch noch ein bisschen schneller gekonnt. Das Problem bei solchen einsamen Rennen ist aber, dass man vermeiden muss, überheblich zu werden. Vier, fünf Minuten Vorsprung hören sich viel an - wenn aber der Zweite mitbekommt, dass du nicht mehr konzentriert bist, dann schöpft er neue Kraft.

          Kurz, lang, heiß, kalt

          Denn Andreas Niedrig hatte schon vor, zu attackieren. Und so ganz ohne Anstrengungen war das nun auch wieder nicht für mich. Denn bei Kilometer 30 hat sich auch bei mir der Körper gemeldet. Der Rücken, die Beine - ein Marathon tut eben weh. Das wurde noch eine richtig harte Sache.

          Andreas Niedrig hat spät nach dem Rennen über mich gesagt, dass ich der derzeit beste deutsche Triathlet bin. So etwas wird man von mir nicht hören. Gemessen an der Papierform mag das ja vielleicht stimmen, aber ein Stephan Vuckovic ist genauso gut. Ich will lieber der kompletteste deutsche Triathlon sein. Die richtig Guten beherrschen ihr Metier bei allen Bedingungen: Kurz, lang, heiß, kalt.

          Antrittsgeld nehmen und dann aussteigen ist unsportlich

          Wenn Wettkampf ist, dann hat man sein Bestes zu geben. Über den Auftritt von Peter Reid in Roth bin ich ziemlich enttäuscht. Antrittsgeld mitnehmen und dann aussteigen - das ist keine Einstellung und widerspricht der Ethik des Sports. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal ausgestiegen bin, weil es mir nicht so gut ging. Auch Natascha Badmanns Auftritt in Roth war eine reine Unsportlichkeit. Auf der Strecke trainingshalber herumkaspern - das verhöhnt alle anderen Athleten. Vor allem die Frauen.

          Zum Feiern bin ich nach meinem Sieg gar nicht gekommen. Aber da muss man professionell sein. Gleich am selben Abend gings mit dem Auto nach Mainz ins Fernsehstudio des Südwestrundfunks. 350 Kilometer hin, 350 Kilometer zurück. Nicole war natürlich dabei. Gute Erholung nach so einem Rennen sieht aber anders aus.

          Medienpräsenz steigt gewaltig

          Montag war in Roth die offizielle Siegerehrung, dann gings ab nach Berlin, TV-Interview bei der Deutschen Welle. Alles? Keineswegs. Am Abend ist München die nächste Destination, TV-Auftritt im Bayerischen Rundfunk. Das muss man aber verkraften können, wir sind Profis.

          Unsere Medienpräsenz war gewaltig, und für Nicole hat sich ihr sensationelles Rennen ebenfalls gelohnt. Auch sie bekommt nun einen Sponsoringvertrag bei der Deutschen Post. Professor Gerd Schukies, der Chef der Unternehmenskommunikation, ist mittlerweile ein richtiger Fan von uns. Wir sind seine Ehrengäste bei Formel 1-Rennen, außerdem soll ich bei der Post als Referent für die Mitarbeitermotivation arbeiten.

          Vor Hawaii kommt erst der Urlaub

          Dafür ist aber noch ein bisschen Zeit. Noch summen Nicole und mir die Köpfe, schmerzen Rücken und Beine. Wir haben unsere Arbeit getan, erfolgreich. Ich wurde viel gefragt, was denn nun mit Hawaii sei. Das ist noch ein bisschen hin, Gedanken mache ich mir darüber nicht. Denn im Moment zählt nur eines: Urlaub.

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