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Triathlon-Tagebuch : Inselrundfahrt und Flucht vor dem Rummel

  • -Aktualisiert am

Training unter Palmen: Nicole und Lothar Leder Bild: dpa

Zum zehnten Mal startet Lothar Leder an diesem Samstag beim Ironman auf Hawaii. Seine Vorbereitung auf den Wettkampf beschreibt er exklusiv für FAZ.NET.

          Man merkt, dass dieser Tage einiges anders ist in den Vereinigten Staaten. Das strahlt sogar hinüber nach Hawaii, zum Ironman. Die Stimmung ist längst nicht so gut wie in all den Jahren zuvor, zwar nicht so sehr bei den Athleten, vor allem aber im Ort und bei den Organisatoren.

          Viel weniger amerikanische Helfer sind diesmal nach Big Island gekommen, viele hatten Angst vorm Fliegen. Genau wie die Touristen. Denn der Fremdenverkehr hier in Kailua Kona, ohne den in diesem Ort nichts läuft, ist regelrecht zusammen gebrochen. Wir Triathleten haben den Hotels und Restaurants noch halbwegs das Oktober-Geschäft gerettet.

          Alles läuft, radelt, schwimmt

          Was mich richtig stört, ist der Patriotismus der Amerikaner, der ist in diesem Jahr logischerweise noch heftiger als sonst. Am Mittwoch, bei der üblichen Nationenparade vor dem Rennen, wurden heftig die amerikanischen Fahnen geschwungen, vorneweg fuhr ein Feuerwehrauto, das wohl an die verunglückten Kollegen in New York erinnern sollte. Mich stößt so ein Rummel eher ab, das ist ziemlich dick aufgetragen und hat im Sport nichts zu suchen.

          Überhaupt der Rummel. In Kailua Kona benehmen sich die Triathleten so wie immer; alles läuft, radelt, schwimmt. Und man redet auch nur über Triathlon, über Trainingskilometer und über die richtige Verpflegung im Rennen. Und man redet natürlich auch über die Taktik im Rennen, über Favoriten, über mögliche Partnerschaften, die eingegangen werden, um andere Gegner in Schach zu halten.

          Abschalten im Aloha Café

          Ich halte mich aus allem raus, das nervt. Meine üblichen Fernsehtermine habe ich hinter mich gebracht, die paar Zeitungsinterviews auch. Zur Pressekonferenz vor dem Rennen wurde ich von Veranstalter nicht eingeladen, aber das macht überhaupt nichts. Die traditionelle Pasta Party am Donnerstag habe ich geschwänzt, ich will mit niemandem über Triathlon reden.

          Wie gut, dass meine Frau und ich mit Freunden angereist sind, die mit unserem Sport nichts zu tun haben, folglich hat man deswegen auch mal andere Themen. Am Donnerstag haben es Nicole und ich gar nicht mehr in Kona ausgehalten und sind ein paar Kilometer raus gefahren ins Aloha Café. Insider kennen dieses Restaurant in einem alten Kino, prima Essen gibt es hier, kaum Triathleten und kein Ironman-Feeling. Auch die Insel haben wir uns angesehen, abschalten ist für uns vor diesem Rennen ganz wichtig.

          Taktikgedanken vor dem großen Wettkampf

          Wie das Rennen nun ablaufen wird, darüber mache ich mir schon Gedanken. Das Wetter wird so sein wie im vorigen Jahr: ziemlich warm und sehr windig. Gute Radfahrer haben damit Vorteile, und deswegen bin ich mir sicher, dass auf dem Queen K-Highway ganz hart gefahren wird. Deutsche werden das Tempo bestimmen, Thomas Hellriegel, Jürgen Zäck und Normann Stadler.

          Und was mache ich? Abwarten. Auf keinen Fall mitfahren mit diesem Trio, schlimmstenfalls bin ich eben die meiste Zeit allein unterwegs. Wenn ich nicht mehr als fünf Minuten auf die Spitze verliere, dann bin ich gut dabei. Denn später haben dann die guten Läufer ihre Vorteile. Ziemlich flach ist die neue Strecke, flach und schnell. Und deswegen wird es auch ein Wahnsinnstempo geben, und dafür werde ich schon sorgen. Richtig schnell loslaufen werde ich nach dem Radwechsel, habe ich mir vorgenommen.

          Top Drei ist das Ziel

          Ich spüre eine ziemliche Aggressivität in mir, ich bin regelrecht heiß auf dieses Rennen. Früher war ich immer noch recht flatterig vor dem Wettkampf, spät angereist, Interviews, viel Plaudern - das gibt es in diesem Jahr nicht mehr. Ich habe eine extreme Konzentration bei mir ausgemacht, von Nervosität keine Spur. Mir hat jemand gesagt, dass ich sehr gereift wirke in diesem Jahr, das Training wirke durchdachter und der Umgang mit dem Sport allgemein auch.

          Das kann schon stimmen. Natürlich lastet vor dem Rennen auch Druck auf mir, aber vor dem Ironman in Roth war der größer. Dort haben alle von mir erwartet, dass sich souverän gewinne. Mit dieser Anforderung muss ich jetzt nicht leben. Wenn ich wieder unter die ersten Drei komme, dann bin ich zufrieden. Richtig schlimm für mich wäre es, wenn es bei mir nicht einmal zu den Top Ten reichen würde, das wäre eine ziemliche Enttäuschung. Aber auf Hawaii muss man auf alles gefasst sein.

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