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Triathlon-Tagebuch : Eine Woche voller Glück

  • -Aktualisiert am

Das Triathlon-Trainings-Tagebuch Bild: FAZ.NET

Mit Lothar Leder zum Ironman in Roth: Der frischgebackene deutsche Triathlonmeister führt Tagebuch und beschreibt die letzten Wochen vor dem Saisonhöhepunkt.

          Was ein Meistertitel alles bewirken kann. Wie beflügelt war ich in dieser Woche, das pure Glück. Ich habe es eben allen wieder einmal gezeigt, am vorigen Sonntag.

          Zum dritten Mal bin ich Deutscher Meister über die kurze Distanz geworden, ohne wirkliche spezielle Vorbereitung, und trotz meines zu hohen Alters, wie mir die Deutsche Triathlon Union Anfang dieses Jahres geschrieben hat, als man mir mitgeteilt hatte, dass ich keinem Kader angehören werde.

          Unterschätzt

          Tja, aber nach dem Frankfurter Rennen hätte Bundestrainer Ralf Ebli schon ganz gerne gehabt, dass ich ebenfalls bei der Europameisterschaft in Karlsbad in einer Woche starte.

          Beflügelt: der deutsche Meister Lothar Leder

          Auch ich habe ich habe eigentlich Lust darauf, denn die Strecke ist etwas für richtige Triathleten. Ein kerniger Anstieg auf dem Radkurs, ein kerniger Anstieg auf der Laufstrecke. Da geht mit Windschattenfahren auf dem Rad nicht viel, da zählt nur das Leistungsvermögen des Einzelnen.

          Roth rückt näher

          Ich hätte mir schon zugetraut, in Karlsbad unter die besten Zehn zu kommen. Aber ich habe meine Rennverpflichtungen schon früh im Jahr abgemacht, am kommenden Sonntag geht es nach Bonn, eine Woche später starte ich in Bremen.

          Und der Höhepunkt in Roth rückt ohnehin immer näher. So langsam kann ich mich auch mental darauf einstellen.

          Rummel nach der Meisterschaft

          Am vergangenen Sonntag herrschte bei mir noch völliges Durcheinander. Das Mobiltelefon hat pausenlos geklingelt, direkt nach dem Rennen hatte ich eine eineinhalbstündige Fotosession für einen meiner Sponsoren, danach ging es gleich ins Fernsehstudio des Hessischen Rundfunks.

          Erst spät am Abend habe ich dann gemerkt, dass ich die ganze Zeit nichts gegessen habe und auch nicht nach dem Rennen ausgelaufen bin. Ich war völlig am Ende.

          Nachwehen und Müdigkeit

          Auch am Montag. Das Handy hat wieder den ganzen Tag gebimmelt, lauter Gratulanten. Mir hat der Kopf gebrummt, dicke Beine hatte ich auch. Training? Nur ein bisschen, und das war wirklich kein Spaß. Ich habe mich erst einmal um mein Rad gekümmert, das ich für die Anforderungen in Roth umgebaut habe.

          Ab jetzt gilt wieder: Klassische Position adé, hallo Zeitfahrposition. Das Training ist mir in dieser Woche ziemlich schwergefallen, denn das Meisterschaftsrennen von Frankfurt war doch härter für mich als gedacht. Denn diese Tempohärte, die man heute für die Kurzdistanz benötigt, habe ich im Moment nicht.

          Mental beflügelt

          Besonders gut habe ich noch nicht regeneriert. Trotzdem war ich mental wie beflügelt, am Mittwoch bin ich 100 Kilometer geradelt, und das ziemlich schnell. Eigentlich ist das gefährlich. Immerhin habe ich mich dann doch ein bisschen bremsen können und war mit ein paar Mal mit meiner Frau Nicole unterwegs, die ja ebenfalls in Roth starten wird.

          Mit dem Wettkampf am Sonntag komme ich in dieser Woche auf 25 Trainingsstunden, das verteilt sich auf 10 Kilometer Schwimmen, 50 Laufen und 500 Rad fahren. Eigentlich brauche ich dringend ein paar Massagen, vor lauter Terminen bin ich noch gar nicht dazu gekommen, etwas zu organisieren.

          Einsamer Endspurt

          Heute, Freitag, fahren wir nach Bonn, dort ist eine Pressekonferenz - Sonntag ist das Rennen. Und dann geht sie wirklich los, die unmittelbare Ironman-Vorbereitung.

          Mein wichtigster Trainingspartner auf dem Rad fällt leider weg. Denn der Radprofi Holger Loew muss sich dieser Tage operieren lassen, eine eingeklemmte Arterie bereitet ihm seit Monaten böse Schmerzen im Bein.

          Für mich wird es daher einsam bei meinen Fahrten durch den Odenwald. Aber wer Deutscher Meister geworden ist, sollte auch dafür die mentale Kraft besitzen.

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