https://www.faz.net/-gtl-2rcb

Triathlon : Ironman in Roth: Lothar Leder in einer anderen Dimension

  • -Aktualisiert am

Dritter Erfolg in Roth: Lothar Leder Bild: AP

Mit einem der eindrucksvollsten Siege, die es in Roth je gab, beweist Triathlet Lothar Leder, sein außergewöhnliches Niveau.

          Es war nach zwei Kilometern auf der Laufstrecke. Ob es denn Probleme gebe, wurde Lothar Leder gefragt. Die Antwort kam prompt und fiel knapp aus. „Nö.“ Dabei lächelte er spitzbübisch, so wie er das immer macht, wenn er sich seiner Sache ganz sicher ist. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt noch genau 40,195 Kilometer dieses Marathons zu laufen waren, wusste Leder, dass ihn an diesem Sonntag niemand schlagen würde.

          Als er dann nicht ganz drei Stunden später ins Ziel auf dem Festplatz in Roth trabte, da streckte er drei Finger in die Luft. „Seht her“, sollte diese Geste sagen ,“ich gewinne heute zum dritten Mal den Ironman Europe in Roth“.

          Imposanter, historischer Sieg

          Was dann folgte, war eine Mischung aus Jubelorkan und Rührstück. Ein Kniefall vor den Fans, die sich dafür mit „La Ola“ bedankten und einem großen Triathleten huldigten.

          Lothar Leders Sieg beim Ironman Roth 2001 war einer der imposantesten in der Geschichte dieses Rennens, nach 8:10:39 Stunden zerriss der Mann aus Darmstadt das blaue Zielband, genau acht Minuten später folgte ihm Andreas Niedrig (Oer-Erkenschwick) als Zweiter. Dritter wurde der Neuseeläner Cameron Brown (8:25:58).

          Einen größeren Abstand (elf Minuten) auf einen Zweitplatzierten gab hier es nur 1996 - ist es Zufall dass vor fünf Jahren ebenfalls Lothar Leder gewann? Mit 7:57:02 blieb er damals als erster Mensch unter acht Stunden über die Distanz 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Rad fahren und 42,195 Laufen.

          Familienglück: Nicole Leder Dritte

          Spielerisch sah es aus, was Leder da auf der Laufstrecke bot. Wie weit der Zweitplatzierte entfernt lag, war ihm spätestens ab Kilometer 16 gar nicht mehr so wichtig, vielmehr interessierte ihn der Zustand seiner Frau Nicole. Im Ziel lag sich das Ehepaar dann in den Armen - Dritte ist Nicole Leder geworden (9:30:13), und das nach einem Schwimmteil, „der für mich die Hölle war“.

          Auch das Rad fahren war anfangs eher lausig, nur der unglaubliche Endspurt beim Laufen bewies ihre Extraklasse - mit 3:01:46 rannte sie neuen Streckenrekord. Extraklasse bewies auch die Braunschweigerin Nina Kraft, die nach einem packendem Wettkampf zum ersten Mal in Roth gewann (9:24:29), Zweite wurde die Amerikanerin Gina Kehr (9:27:26).

          Badmann mit „Zirkusnummer“

          „Aber dass ich dieses Rennen wirklich gewinne, wusste ich erst auf der Zielgerade“, sagte Nina Kraft. In den Jubel mischte sich aber auch der Ärger über den PR-Auftritt der Schweizerin Natascha Badmann, die in Roth trainingshalber an den Start ging und in den Disziplinwechseln launige Interviews gab und dabei pausenlos den Veranstalter lobte.

          „Das war eine reine Zirkusnummer“, bezeichnete Nina Kraft den Auftritt der Hawaiisiegerin 2000.

          Niedrig: Lothar ist ein „Kampftier“

          Bei den Männer beherrschte der viereinhalb Stunden lange Zweikampf zwischen Leder und Niedrig das Rennen. Als Vierter beziehungsweise Zweiter waren sie dem Main-Donaukanal entstiegen - und spätestens nach 40 Radkilometer war das Rennen fast schon gelaufen.

          „Ich habe Andreas gesagt, dass wir ordentlich Druck machen müssen, um das Feld auseinander zu reissen“, war Leders Marschroute. Regelrecht angebrüllt habe ihm der spätere Sieger, sagte Niedrig. „Er ist eben Kampftier.“

          Und dann rauschten sie in trauter Zwietracht durchs Fränkische, man pushte sich gegenseitig - und niemand sprach mehr vom Hawaiisieger Peter Reid, der das Radfahren schon früh einstellte, um fix und heimlich in sein Hotel zu verschwinden.

          Reid steigt vom Rad, Pech für Stadler, Enttäuschung für Hellriegel

          Der Kanadier wollte eigentlich gar nicht in Roth starten, hatte aber schon im Dezember 2000 einen Vertrag für dieses Rennen unterschrieben - trat deswegen an und bot eine traurige Vorstellung.

          Noch trauriger erging es dem Pforzheimer Normann Stadler, immerhin Hawaii-Dritter des Vorjahres. Beim Schwimmen sei ihm von einem Konkurrenten schon nach 100 Meter derart heftig in den Bauch getreten worden, teilte sein Management mit, Stadler wurde ins Krankenhaus gebracht und mit Verdacht auf Milzriss untersucht.

          Thomas Hellriegel scheiterte bei seinem x-ten Anlauf, endlich in Roth zu gewinnen, wurde wieder einmal vom kühlen, regnerischen Wetter gebremst, am Ende zwar noch Fünfter (8:31:48), hat aber vier Jahre nach seinem Hawaiisieg wohl den Anschluss an die Weltspitze verloren.

          Hoffnung auf Hawai

          Die Weltspitze repräsentierte an diesem Sonntag Lothar Leder. Zwei Ironman hatte er in diesem Jahr bereits bestritten, wurde Zweiter in Malayia, Erster in Südafrika, gewann nebenbei die deutsche Meisterschaft über die Kurzdistanz, trainierte weniger, dafür intensiver und stürmte derart unwiderstehlich in Roth über die Strecke, dass selbst eine kurze Pause zum Wasserlassen kein Problem war.

          Zwangsläufig wurde ihm daher die Frage nach seinem überfälligen Sieg bei der Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii gestellt: „Das ist schwer. Es gibt viele Favoriten“, sagte er wie immer ausweichend. Das hatte er auch vor dem Ironman in Roth gesagt; aber das sei dann doch etwas geblufft gewesen, gestand Leder ein. Er weiß, dass er der im Moment der beste deutsche Triathlet ist, und er weiß, dass er in diesem Jahr auch auf Hawaii gewinnen kann. Ähnlich dominant dürfte ihm das dann aber nicht gelingen

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klopp beim FC Liverpool : Kurz vor der Königsweihe

          Jürgen Klopp hat mit Liverpool die Champions League gewonnen, die Fans aber sehnen seit beinahe dreißig Jahren die Meisterschaft herbei. Sie wollen nicht mehr warten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.