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Triathlon-DM : Lothar Leder blufft sich zum Titel

  • -Aktualisiert am

Die Beste in Frankfurt: Wiecke Hoozgaad Bild: dpa

Lokalmatador Lothar Leder wird deutscher Meister im Triathlon, und kaum einer merkt´s - denn nur 1000 Zuschauer säumten die Rennstrecke in Frankfurt.

          Nach einem packenden Lauffinale gewann zwar der Neuseeländer Matthew Reed die internationale Wertung - aber Lothar Leder zeigte als Gesamtzweiter, dass er nach wie vor der kompletteste deutsche Triathlet ist. Der Olympiazweite Stephan Vuckovic kämpfte sich mit einer Blase am Fuß als Vierter ins Ziel.

          Auch bei den Frauen war die Beste eine Ausländerin: Wiecke Hoogzard aus den Niederlanden gewann souverän am Frankfurter Rebstockbad, Christiane Pilz holte sich ihren ersten nationalen Titel vor Vorjahressiegerin Joelle Franzmann.

          Reed holt sich Gesamtsieg

          Als sich alles etwas beruhigt hatte, wurde Lothar Leder ehrlich: „Vielleicht habe ich vorher doch ein bisschen geblufft.“ Dazu setzte er sein breites Grinsen auf, das er immer zeigt, wenn ihm etwas besonders gut gelungen ist.

          Siegertyp: Matthew Reed

          Natürlich hatte er geblufft und davon geredet, dass ihm wegen seiner derzeitigen Vorbereitung auf den Ironman in Roth die Spritzigkeit fehlt. Von wegen. Leder hat es wieder einmal allen gezeigt, fast allen streng genommen. Denn dass der Neuseeländer Matthew Reed eine Sekunde vor ihm war und sich nun internationaler deutscher Triathlonmeister über die Olympische Distanz nennen darf, hat den Mann aus Darmstadt gewurmt.

          Ein bisschen jedenfalls. Denn als Zweiter gewann Lothar Leder die nationale Wertung vor Andreas Raelert und vor Stephan Vuckovic, dem Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Sydney. Ein Paukenschlag. „Dass Lothar nichts drauf haben sollte, kann er seiner Großmutter erzählen. Wenn der irgendwo antritt, dann will er auch gewinnen“, sagte Stephan Vuckovic.

          „Ich bin hart angelaufen“

          So ist er eben, der 30-jährige Profi aus Darmstadt. Da unterbricht er mal eben für zwei Wochen seine Vorbereitung auf den Ironman in Roth, wo es am 8. Juli über die Distanzen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen geht - und beweist so nebenher, dass er nach wie vor der kompletteste deutsche Triathlet ist.

          1,5 Kilometer Schwimmen, 40 beim Radfahren und 10 Laufen waren in Frankfurt zu absolvieren - ein Sprint im Vergleich zur Ironmandistanz. Es reduzierte sich dann wieder auf eine Entscheidung beim Laufen, nachdem eine etwa zwölfköpfige Spitzengruppe zuvor einträchtig auf dem Rad zusammengefahren war.

          „Ich bin hart angelaufen“, sagt Lothar Leder, nur noch Vuckovic, Raelert, Reed, der hochgehandelte Schweizer Reto Hug und Maik Petzold und Daniel Unger vermochten zu folgen. Aber nicht lange. Denn die „jungen Wilden“ konnten nur diese eine Runde mithalten.

          Stein im (Hemm-) Schuh

          Es waren Leder und vor allem Raelert, die sich fast in einen Rausch liefen, vor allem der Olympiazwölfte aus Rostock fühlte derart beflügelt, „dass ich ständig an die Spitze gegangen bin“. Leder wohl auch, „denn wir beide haben ziemlich sinnlose Aktionen gemacht.“

          Nutznießer dieses Tatendrangs war der Neuseeländer Matthew Reed, der wieder einmal bewies, dass er ein famoser Spurter ist. 1:43:33 Stunden wurden für ihn im Ziel notiert, 1:43:34 für Leder, 1:43:56 für Raelert.

          Es war also nichts aus dem großen Zweikampf Vuckovic gegen Leder geworden. Nach 1:44:13 humpelte der Olympiazweite ins Ziel, zog gleich seinen Schuh aus und zeigte allen, warum er nicht schneller konnte. Ein Steinchen sorgte für eine böse Blase um linken Fuß, die Haut war aufgerissen, es tropfte Blut. War es das? „Ich glaube auch nicht, dass ich heute viel schneller gekonnt hätte“, sagte er ehrlich.

          Tür beim Verband ist immer offen

          Bundestrainer Ralf Ebli sprach davon, dass die Kaderathleten Petzold und Unger „zur nationalen Spitze aufgeschlossen haben“. Aber das hatten sie auch schon im vorigen Jahr, streng genommen war dieses Frankfurter Rennen ein Dämpfer für Unger (Gesamtsechster/1:44:18) und Petzold (Gesamtachter/1:44:55).

          Ebli weiter: „Lothar Leder ist eben ein alter Hase, und das zeigt er eben in solchen Rennen.“ Und dann sagte der Bundestrainer noch etwas Bemerkenswertes: „Für ihn ist die Tür beim Verband immer offen.“

          Wiecke Hoozgaad siegte bei den Frauen

          Es war aber auch ein Schritt zum großen Saisonziel: der Weltmeisterschaft am 22. Juli in der kanadischen Stadt Edmonton. Gleiches gilt für die Frauen. Das hat Christiane Pilz schon einmal deutlich gemacht: „Ich muss eine Wettkampfpause machen, weil ich bei der WM fit sein will.“

          In Frankfurt ist die ehemalige Seglerin zum ersten Mal nationale deutsche Meisterin geworden (1:56:49), vor Joelle Franzmann (1:57:36) - genau anders herum war der Einlauf im vorigen Jahr. Muskelprobleme habe sie in den Beinen gehabt, sagte Joelle Franzmann später. „Ich kenne das Gefühl, so langsam gewöhnt man sich daran.“

          Freilich gewann auch in diesem Rennen eine Ausländerin den internationalen Titel: die Niederländerin Wiecke Hoogzaad (1:55:30) .

          Öde Rennstrecke

          Der Höhepunkt dieser Meisterschaft war natürlich das famose Männerrennen, trotzdem ist der DTU zu raten, ernsthaft das Konzept dieses Wettbewerbs zu überdenken. Immerhin kamen zu dieser Veranstaltung am Frankfurter Rebstockgelände ein paar mehr Zuschauer als in den beiden Vorjahren, etwa 1000 mögen es gewesen sein.

          Doch weit außerhalb der Stadt will einfach keine Stimmung aufkommen. Gäbe es keine in die Veranstaltung integrierte Breitensportrennen - es wäre nicht viel los gewesen auf der weiten Anlage direkt am Autobahnzubringer. Trotz Hüpfburg, trotz Spielmannszug.

          Und die öde Radstrecke durchs seelenlose Messegelände mag ohnehin kein Athlet. „Einfach anspruchslos“, nannte Joelle Franzmann die vierzig ebenen Kilometer. Sie wird sich bis auf weiteres damit abfinden müssen, denn auch im nächsten Jahr werden diese Meisterschaften in Frankfurt ausgetragen.

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