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Triathlon : Die Hessen kommen - alles zu spät für Roth?

  • -Aktualisiert am

Wechselzone in Roth: künftig verwaist? Bild: dpa

In Roth soll es auch im nächsten Jahr hochklassigen Triathlon geben. Veranstalter Detlef Kühnel braucht dafür keinen Ironman-Status.

          Man hört es gern in Roth, wenn die Sieger die Veranstaltung loben. Was für ein Publikum, was für eine Begeisterung. Aber am Sonntag, da haben die Moderatoren der Pressekonferenz den Bogen leicht überspannt mit ihren Fragen, auf die die Athleten nur mit einem leidenschaftlichen Bekenntnis zu diesem Triathlon antworten konnten. Nervig war das.

          Es war eben eine große Werbung in eigener Sache, bei diesem 14. und letzten Ironman Europe in Roth. Triathlon in der fränkischen Provinz wird deswegen nicht auslaufen, man wird sich neu sortieren - und dann wird er gestartet, der Angriff auf die World Triathlon Corporation (WTC).

          Das Verhältnis zwischen dem amerikanischen Ironman-Lizenzgeber und Detlef Kühnel, dem Veranstalter von Roth, war schon seit einigen Jahren nicht das beste. Nun sind die Geschäftsbeziehungen komplett eingestellt worden. „Die wollten uns von langer Hand los werden“, sagt Kühnel.

          WTC will mehr Geld und Kontrolle

          Die WTC hat ein Generalkonzept für ihr aufgeblähtes Wettkampfprogramm mit 20 Ironman-Rennen erstellt, dem sich Kühnel nicht unterwerfen will. Künftig darf er beispielsweise nur noch maximal 1800 Teilnehmer zulassen, in der Regel starteten in Roth 2500 Triathleten über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Die Qualifikationsplätze für die Weltmeisterschaft auf Hawaii wurden ihm von 120 auf 100 gekürzt.

          Außerdem bedient die WTC die Geldmaschine Ironman mit steigender Kraft. Er möge doch einfach 250 Dollar Startgeld nehmen, so Kühnel, habe ihm WTC-Chef Lew Friedland aufgefordert. Das wären etwas über 500 Mark pro Athlet. Schon heute werden beim Rennen von Zürich 590 Mark Teilnahmegebühr verlangt - ein Roth-Start war zuletzt noch für 460 Mark zu haben. „Das wird nicht mehr lange gut gehen“, sagt Kühnel voraus. „Wer heute in Hawaii antreten will, gehört zu einem Klub der Elitären.“

          Deutsche Meisterschaft in Roth?

          Mit einem Wohltäter darf man den gewieften Franken aber nicht verwechseln. Am Geschäft Triathlon will er auch künftig gut verdienen. Die Rechte an seiner Veranstaltung hat er bereits an seinen Adlatus Herbert Walchshöfer verkauft, der das federführend organisieren soll, was geplant ist. „Es soll im nächsten Jahr Triathlonfestspiele in Roth geben“, kündigt Kühnel an.

          Er selbst bleibt dabei im Hintergrund und kümmert sich um Sponsoren und das Prozedere der Anmeldungen für das große Neue: eine Woche im Sommer rund um den Ausdauerdreikampf mit einem vorzüglich dotierten Rennen über die Ultradistanz als Höhepunkt.

          Ob daran auch die Sieger vom Sonntag teilnehmen, wird sich zeigen. Lothar Leder (8:10:38 Stunden) und Nina Kraft (9:24:29) haben den Wettbewerb diesmal gewonnen - wie dieser künftig aussehen wird, hat Kühnel schon einmal mit Klaus Müller-Ott, dem Präsidenten der Deutschen Triathlon-Union (DTU) besprochen. Roth soll Meisterschaftsstatus bekommen, dafür lässt Kühnel sogar das eingeschlafene Verhältnis zum nationalen Verband aufleben und zeigt sich auch finanziell erkenntlich.

          Frankfurt will Ironman

          Kühnel kennt trotzdem seine Position als deutscher Triathlonkrösus, „denn bei Veranstaltungen hat die DTU nicht gerade ein glückliches Händchen gehabt. Die werden mir schon zuhören.“ Meisterschaftsehren, sehr gutes Preisgeld und viel Rahmenprogramm in Verbindung mit touristischer Ausrichtung - so will Detlef Kühnel den Triathlon-Standort Roth konkurrenzfähig halten.

          Denn dass es auch im nächsten Jahr einen deutschen Ironman geben wird, davon ist auszugehen. Immer weniger zweifeln daran, dass dieses Rennen in Frankfurt ausgetragen wird. Schließlich will das Rhein-Main-Gebiet im Jahr 2012 die Olympischen Spiele austragen, dafür macht das hessische Innenministerium schon jetzt viel Geld locker, um hochklassige Sportveranstaltungen in die Region zu holen.

          Protektion von ganz oben?

          Wer genau dieses Rennen organisiert, ist noch unklar. Immer wieder fällt der Name Kurt Denk, Veranstalter von Triathlon-Reisen aus Maintal bei Frankfurt, der zusammen mit Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch in der Jungen Union war und daher Schützenhilfe von „ganz oben“ bekommen soll. Auch der Name des Renndirektors des Ironman Frankfurt wird bereits kolportiert: Thorsten Frahm gilt als Kandidat, bisher war er PR-Mann einer Firma für Radtechnik.

          „Aber meines Wissens ist diese Veranstaltung noch gar nicht bei der DTU beantragt“, sagt Detlef Kühnel und wirkt wegen der hessischen Emporkömmlinge nicht sehr beunruhigt. Mit seinen beiden Hauptsponsoren, Quelle und die Deutsche Post, habe er Verträge „über das nächste Jahr hinaus“, und er selbst sei ohnehin am Puls des Triathlonvolkes.

          Kühnel kennt eben seinen Marktwert, der Landkreis Roth steht geschlossen hinter ihm - und dafür möchte der dann auch einmal im Jahr öffentlich gelobt werden.

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