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Transferstreit : Die Chronologie des Konfliktes zwischen EU und den Fußballverbänden

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          15. Dezember 1995: Bosman-Urteil. Bei Vertragsende dürfen in der EU keine Ablösesummen mehr verlangt werden. EU-Ausländer müssen Inländern gleichgestellt werden.

          Dezember 1998: Der italienische Verein Perugia weigert sich, an die Grasshopper Zürich in der Schweiz eine Transfersumme für den Spieler Massimo Lombardo zu zahlen. Perugia klagt gegen die Ablöseforderung. Die europäische Kommission nimmt sich des Falls an und lässt die Fifa wissen, dass das Transfersystem mit der europäischen Gesetzgebung nicht im Einklang stehe, und dies in den Punkten Konkurrenz, Nicht-Diskriminierung und Freizügigkeit.

          Juni 1999: Fifa-Präsident Joseph Blatter wird in Brüssel von der Kommission angehört.

          04. Mai 2000: Erstes offizielles Treffen in Brüssel zwischen der EU-Kommission, der Fifa und der Uefa, um den Versuch zu unternehmen, den Konflikt zu lösen.

          31. August 2000: Erstes Arbeitstreffen zwischen Fifa, Uefa, der Spielergewerkschaft FIFPRO und den nationalen Ligen, die als Vertreter des Profifußballs gelten.

          07. September 2000: Viviane Reding, europäische Kommissarin für Kultur und Sport, kündigt an, dass die Fußball-Behörden bis zum 31. Oktober Lösungs-Vorschläge zu unterbreiten haben. 04. Oktober 2000: Fifa und Uefa richten eine gemeinsame Arbeitsgruppe ein („Task Force“).

          13. Oktober 2000: Die Spielergewerkschaft FIFPRO wird von der Europäischen Kommission angehört. Sie beklagt bei dem Treffen die „Unbeweglichkeit und Heuchelei“ der offiziellen Fußball-Instanzen.

          31.Oktober 2000: Die EU-Kommission erhält die offiziellen Vorschläge der Fifa und Uefa zur Reform des Transferwesens.

          28. November 2000: Viviane Reding erklärt in einem offiziellen Kommuniqu: „Die Gesetze stehen über dem Relement einer privaten Organisation, und das gilt auch für die Fifa, die sich verhält wie ein Kartell. Das muss ein Ende haben.“

          30. November 2000: Uefa-Generaldirektor Gerhard Aigner wirft der EU vor, „viel zu engstirnige Gedanken über individuelle Freiheitsrechte“ zu haben. Aigner: „Totale individuelle Freiheit ist nur im Theater gut.“

          15. Januar 2001: Meinungsverschiedenheiten zwischen Fifa und Uefa. Der Weltfußballverband will mit der Spielergewerkschaft diskutieren, die Europäische Fußball-Union über die Ligen mit den Vereinen.

          16. Januar 2001: Ein Pressesprecher des EU-Wettbewerbs-Kommissars Mario Monti erklärt, dass die Fifa der wesentliche Ansprechpartner der EU-Kommission in Transfer-Fragen bleibe.

          30. Januar 2001: Die „G14“, selbsternannte Interessenvertretung der reichsten und mächtigsten Klubs in Europa, verlangt von der Fifa, in der Rolle der Arbeitgeber an den Verhandlungen beteiligt zu werden.

          10. Februar 2001: Bayern Münchens „Vize“ Karl-Heinz Rummenigge, Vize-Präsident der „G14“ und ihr Sprecher, droht mit dem Gang vor den Kadi, falls die Europäische Kommission das Transfer-System in einer Art und Weise reformiere, die von den Top-Vereinen nicht mehr akzeptiert werden könne. Rummenigge wörtlich: „Nicht nur die Spieler haben ein Recht zu klagen.“

          14. Februar 2001: Die EU-Kommission, die Fifa und die Uefa kommen überein, das Fußballer in Zukunft Verträge über mindestens ein Jahr unterschreiben müssen, die maximale Vertragsdauer aber nur fünf Jahre betragen darf. Es wird über „verhältnismäßige“ Strafen bei einseitigem Vertragsbruch durch den Spieler oder den Verein gesprochen.

          16. Februar 2001: Marathon-Sitzung zwischen den EU-Experten und der Fifa. Das Meeting wird ergebnislos abgebrochen. Der Weltfußballverband lässt später erklären, man könne jetzt „an die Endredaktion der Bestimmungen für ein neues Transfersystem“ gehen.

          27. Februar 2001: EU-Kommission und Fifa treffen eine „grundsätzliche Vereinbarung“. Laut einem EU-Sprecher „bleiben nur noch einige technische Details zu regeln. Dieses Mal stehen wir wirklich kurz vor einer Einigung.“

          05. März: Die Reform des Transfersystems wird bei einem Gipfeltreffen von EU, Fifa und Uefa in Brüssel verabschiedet. Die Fifa war durch Blatter vertreten, die Uefa durch ihren Chef Lennart Johansson. Die EU wurde repräsentiert durch die drei Kommissare Mario Monti (Wettbewerb), Viviane Reding (Sport) und Anna Diamantopoulou (Soziales).

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