https://www.faz.net/-gtl-863ca

Tour-Sieger Chris Froome : Auf einmal irdisch

Primus inter pares: Chris Froome (Mitte) ist der Konkurrenz wie Nairo Quintana (r.) nicht so einteilt, wie es lange schien Bild: AP

Christopher Froome schleppt sich mit letzter Kraft zum Sieg. Doch der Brite weiß auch, was ihm schon bei der nächsten Tour de France blühen könnte: Der Kolumbianer Nairo Quintana verkörpert die Zukunft.

          4 Min.

          Am Ende war Christopher Froome kein Phantom mehr, kein Phänomen. Er war schlichtweg eine sehr irdische Erscheinung. Er war angreifbar, verletzlich, und er litt. Die letzten 110 Kilometer, die bei der 102. Tour de France durch eine Berglandschaft führten, hinauf nach Alpe d’Huez, hatten den Mann in Gelb an seine Grenzen gebracht. Er sei, sagte Froome drastisch, tausend Tode gestorben.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Es hatte nicht den Anschein, als würde sein zweiter Triumph beim prestigeträchtigsten Radrennen der Welt wirklich in Gefahr geraten. Aber Froome brauchte auf einer legendären Passage der Tour Hilfe, mehr denn je bei dieser Rundfahrt. Musste sich schleppen lassen von Gefährten wie Wouter Poels oder Richie Porte, er benötigte sie als Zugmaschinen auf dem Weg zum Gipfel in fast 1900 Metern Höhe. Zu dem Punkt, der die Erlösung für ihn bedeutete. Geschafft, endlich, die Krönung. Immerhin noch mit einem Vorsprung von einer Minute und zwölf Sekunden vor Nairo Quintana, nach mehr als 3200 Kilometern durch die Niederlande, Belgien und Frankreich.

          Entspannte letzte Etappe

          Und Froome konnte sich wie ein Sonntagsfahrer, ganz entspannt, der allerletzten Etappe widmen, der Fahrt nach Paris und der Ehrenrunde auf den Champs-Elysées. Den letzten Tagessieg holte sich André Greipel. Der gebürtige Rostocker verwies am Sonntag auf der 21. Etappe beim Massensprint auf den Champs Élysées den Franzosen Bryan Coquard und Alexander Kristoff aus Norwegen auf die Plätze zwei und drei. Es war bereits Greipels vierter Etappensieg bei der diesjährigen Tour.

          In Bedrängnis: Froome spürt Quintana am Hinterrad
          In Bedrängnis: Froome spürt Quintana am Hinterrad : Bild: AFP

          Der Brite Froome, Kapitän des Teams Sky, ist 30 Jahre alt. Es ist ein Alter, in dem ein Radrennfahrer mit all seiner Erfahrung zu erstklassigen Darbietungen fähig ist. Doch es scheint nicht so, dass Froome ohne weiteres auch künftig die beherrschende Figur im Radsport, vor allem bei der Tour, sein könnte. Ein Verfolger zumindest, Quintana, ist ihm nun sehr nahe gekommen. Mehr noch: Der Kolumbianer, fünf Jahre jünger als sein britischer Rivale und auch diesmal der beste Jungprofi bei der Tour, könnte der Mann der Zukunft sein.

          Das Weiße Trikot täuscht: Quintana ist mehr als der beste Nachwuchsfahrer der Tour de France
          Das Weiße Trikot täuscht: Quintana ist mehr als der beste Nachwuchsfahrer der Tour de France : Bild: AFP

          Was in ihm steckt, hatte Quintana bereits vor zwei Jahren gezeigt, als er ebenfalls Tour-Zweiter geworden war, hinter Froome. Im Jahr darauf verzichtete der Profi vom Team Movistar auf die Frankreich-Rundfahrt – und gewann den Giro d’Italia. Er hatte sich nun Hoffnungen gemacht, sich auch zum Tour-Patron aufschwingen zu können, doch seine Attacken kamen zu spät.

          Der Rückstand war zu groß

          So sehr sich Quintana auch am Samstag mühte, so beherzt seine Schlussoffensive beim Anstieg nach Alpe d’Huez war: Er konnte nicht mehr gut machen, was zuvor schief gelaufen war. Quintana war ein Opfer der schwierigen Bedingungen schon bei der Tour-Ouvertüre geworden, er hatte an der niederländischen Nordsee-Küste, bei Wind und Regen, den letztlich entscheidenden Rückstand auf Froome hinnehmen müssen. Auch wenn der Brite später, in den Pyrenäen, noch einmal seine ganze Stärke demonstrierte. Darauf war seine Strategie bei dieser Tour ausgerichtet; es war eine erfolgreiche Taktik.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Schulklasse in Bayern

          „Für mich unbegreiflich“ : Krankenhausgesellschaft kritisiert RKI

          Im Streit um eine mögliche Abkehr von der Sieben-Tage-Inzidenz als Hauptrichtwert in der Corona-Politik bemängelt die Deutsche Krankenhausgesellschaft das Verhalten des RKI. Es könne nicht sein, dass das Institut auf allen Daten sitze, aber keine neuen Vorschläge mache.
          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.