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Tour de France und Corona : Kann das wirklich gutgehen?

  • -Aktualisiert am

In Zeiten von Corona: Kann die Tour de France für die Sicherheit von Teilnehmern und Zuschauern sorgen? Bild: dpa

Trotz Corona findet die Tour de France statt. Viele Vorkehrungen sollen Zuschauer und Teilnehmer schützen. Doch es bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Die Chancen, dass alles halbwegs reibungslos vonstattengeht, sind gering.

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          Die Tour und das Virus. Ein Spiel mit dem Feuer. Kann das gut gehen? Fast 3500 Kilometer will die Frankreich-Rundfahrt in den nächsten drei Wochen überstehen. Mit Millionen Menschen an den Straßen und in den Start- und Zielorten. Die Chancen, dass diese Tour halbwegs reibungslos vonstattengeht, sind gering. Woran kann das Projekt scheitern, das von existentieller Bedeutung ist für viele der 22 teilnehmenden Teams, der Champions League des Radsports? Es kann daran scheitern, dass es zur Farce wird, wenn eine Equipe nach der anderen vom Rennen ausgeschlossen werden sollte. Zwei Corona-Infektionen oder schwere Verdachtsfälle pro Team reichen, um alle nach Hause zu schicken.

          Es muss nicht einmal Fahrer treffen, jeder der 30 Personen umfassenden „Race Bubble“ eines Teams kann Anlass für den Ausschluss sein. Kann man 22 mal 30 Personen, darunter 176 Rennfahrer, über drei Wochen so weit von der Außenwelt abschirmen, dass nichts passiert, dass keiner das Virus irgendwo aufschnappt? Möglich. Aber was, wenn es einen Fahrer erwischt? Einen von 176, die Tag für Tag stundenlang in Zentimeterabständen nebeneinander her radeln und bisweilen, das bringt der Beruf so mit sich, tiefer ein- und ausatmen. Kann das gutgehen? Die Antwort auf diese für den professionellen Straßenradsport so wichtige Frage ist nichts als das Prinzip Hoffnung. Ist das genug, um ein Rennen dieser Größenordnung auf eine dreiwöchige Fahrt am Rande des Abgrunds zu schicken?

          Und wie ist es mit den Zuschauern? Was die Profis betrifft und alle um sie herum im Tour-Tross, so fahren die Organisatoren eine harte Linie. Alles ist verboten, nur das nicht, was unumgänglich ist, natürlich können die Fahrer unterwegs nicht mit Maske fahren, solche Dinge. Bei den Zuschauern sieht es anders aus. Da machen die Veranstalter Kompromisse, über die man sich nur wundern kann in einer Zeit, da die Infektionszahlen in Frankreich wieder deutlich steigen.

          5000 Zuschauer in Start- und Zielbereichen? Hundert Fahrzeuge in der Kirmestruppe, die zur Belustigung des Streckenpublikums jeder Etappe vorausfährt und mit Millionen Werbegeschenken um sich wirft? Ein fast 3500 Kilometer langer Karnevalsumzug in Zeiten von Corona? Kann das gutgehen? Nein, sagt der Pharmakologe Fritz Sörgel, Leiter des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg. Sörgel nennt eine Tour de France zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Zuschauern am Straßenrand „unverantwortlich“.

          Es sei nicht möglich, die Hygienebedingungen einzuhalten, außerdem verschlechtere sich die Situation in Frankreich täglich. In einem Fußballstadion habe man noch ein gewisses Maß an Übersicht und Kontrolle, an Straßenrändern aber könne man „nicht pandemiegerecht organisieren“, sagte Sörgel der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Tour, auch im Fahrerlager will man von solchen Warnungen nichts hören. Die „Race Bubble“, die Blase, die sie umhüllt, werde ihnen schon genug Schutz bieten, ein stabiler Kokon, der das Virus fernhält. Man kann sich diese Blase aber auch anders vorstellen. Wie einen hauchdünnen Luftballon, der oft schneller platzt, als einem das lieb ist.

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