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Tour de France der Frauen : „Das ist schon Wahnsinn“

  • -Aktualisiert am

Lebenskilometer für das Gelbe Trikot: Annemiek van Vleuten Bild: AFP

Von Etappe zu Etappe wuchs die Begeisterung, die das Peloton bei der Tour de France Femmes auslöste. Die Siegerin ist begeistert. Das TV-Interesse ist größer als an der Fußball-Bundesliga der Frauen.

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          „Ich bin auf dem Weg zur Tour de France“, erzählt eine etwa 40-jährige Frau im Stadtzentrum von Troyes am Telefon, als sie den Boulevard Gambetta hinunterläuft. Offensichtlich spricht sie mit einer Freundin oder einem Freund. Doch viel wichtiger: Sie lässt dabei das Wort ‚Femmes’ weg. Dass nicht Männer, sondern Frauen in dieser Woche in Frankreich in den Sattel steigen, scheint keine Rolle zu spielen. Diese Szene beschreibt gut, wie selbstverständlich die seit 29 Jahren erste Tour de France der Frauen vom französischen Publikum aufgenommen worden ist. Für die Anwohner war klar: Man geht da hin.

          „In Paris sind wir schon davon ausgegangen, weil dort eben die Männer-Tour auch geendet hat. Aber dass es auch an den Tagen danach jetzt so weitergeht mit so vielen Zuschauern im Start- und Zielbereich und auch an der Strecke, das ist schon Wahnsinn. Das hätte ich mir so nicht erträumen lassen“, sagt Romy Kasper. Die 34-Jährige ist seit 15 Jahren Profi, doch erst in den vergangenen Saisons, seit der Einführung der WorldTour-Rennserie durch den Radsport-Weltverband UCI und eines Mindestgehalts, lohnt sich dieser Beruf auch finanziell. Sponsoren erkennen mehr und mehr, dass sich ein Investment lohnt. Und mit der Wiedereinführung der Tour de France für Frauen in diesem Jahr hat der Frauenradsport nun den nächsten großen Schritt vollzogen.

          Wachsende Begeisterung

          Acht Tage und 1033 Kilometer dauerte ihre Tour – und von Etappe zu Etappe wuchs die Begeisterung, die das Peloton auslöste. Das Zuschaueraufkommen gerade in den Start- und Zielorten kam dem bei der Tour der Männer näher, als viele erwartet hatten. Und selbst an den abgelegenen Vogesen-Anstiegen des Schlusswochenendes tummelten sich die Wohnmobile auch internationaler Zuschauer. Schriftzüge mit Frauennamen wurden auf die Straße gemalt.

          „Das alles übertrifft meine Erwartungen. In jedem Ort, durch den man durchkommt, spürt man, dass die Tour lebt. Das ist ein großartiger Start und ich denke, es wird sich in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln“, freute sich Annemiek van Vleuten vom spanischen Team Movistar, einem der zwölf Rennställe im Peloton, der seinem Männer-Team in den vergangenen Jahren eins für Frauen angliederte. Die Niederländerin wurde am Sonntag erste Gesamtsiegerin der neuen Tour de France Femmes.

          Als Topfavoritin gestartet, hatte die 39-Jährige an den ersten Tagen der Rundfahrt mit Magenproblemen zu kämpfen und büßte etwas mehr als eine Minute auf die Besten ein. Doch auf den entscheidenden Etappen in den Vogesen zum Abschluss der Woche war sie – wie so oft, wenn es bergauf geht – unschlagbar. „Ich war sehr nah dran, aufzugeben. Am zweiten Tag konnte ich noch nicht mal mehr meine Sachen in meinen Koffer packen“, erzählte sie. „Nach der Krankheit glaubte ich nicht mehr, dass ich hier jetzt im Gelben Trikot sitzen würde. Das hier ist ein kleines Wunder.“

          Gesammelte Lebenskilometer

          Auf wahrhaft wundersame Weise krallte sie sich am Samstag auf der Königsetappe den Tagessieg und die Gesamtführung. Van Vleuten attackierte 85 Kilometer vor dem Ziel im Anstieg zum Petit Ballon und fuhr über den Col du Platzerwasel sowie den Grand Ballon mehr als drei Minuten Vorsprung auf ihre erste Verfolgerin Demi Vollering sowie mehr als fünf Minuten auf ein weiteres Trio um die Polin Katarzyna Niewiadoma vom deutschen Team Canyon-SRAM heraus.

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