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Tour de France : Nach Anfeuern ist niemandem zumute

  • -Aktualisiert am

Frühes Ende: Für John Degenkolb ist die Tour vorbei. Bild: dpa

Stille, Abstand, Disziplin: Die Tour de France rollt trotz Corona weiter. Doch die Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen.

          2 Min.

          Polizeimotorräder fahren mit blinkenden Lichtern dem Peloton voraus. Zuvor war die Werbekarawane vorbeigerollt. Sie ist reduziert in diesem Jahr, und jeder, der auf den bunten Reklamevehikeln zu sehen ist, der trägt auch eine Maske. Die überlebensgroße Radfahrerfigur, die auf dem Frontwagen des Getränkeherstellers Vittel montiert ist, bleibt immerhin maskenfrei. So viel Mut zur Groteske beim Auftakt der Pandemie-Edition der Tour de France hatte Großsponsor Vittel dann doch nicht.

          Maskenfrei sind auch die Radprofis unterwegs. Allerdings nur im Wettkampf. Zum Einschreiben rollen sie mit Maske vor, meist in den Teamfarben gehalten. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der erste Rennstall bekanntgibt, einen neuen Werbevertrag mit einem Sponsor ergattert zu haben, der ganz exklusiv sein Logo auf das Mund-Nasen-Textil drucken darf. Erleichterung war beim Start im Fahrerlager zu spüren, auch über zwei Absperrgitter hinweg. „Es ist gut, dass es endlich wieder losgeht“, sagte der Rheinländer Nils Politt. Maskenpflicht herrscht dies- und jenseits der Barrieren. Sie wird vom Sicherheitspersonal überwacht.

          Rund um die Teambusse war die Situation am Samstag anders. Einige Teamfahrzeuge verschwanden hinter etwa drei Meter hohen schwarzen Wänden, die wirkten wie ein in Plastik gegossenes Double der Berliner Mauer, wenige hundert Meter lang. Während einige Teamfahrzeuge komplett hinter dem schwarzen Vorhang standen, waren andere lediglich durch metallene Zaunelemente von einem Meter Höhe von den Zuschauern getrennt. Überraschend nahe konnten sich hier Publikum und Rennfahrer kommen.

          Vorsicht und Disziplin

          Vorsicht und Disziplin hielten beide Seiten aber auf Abstand. Seit Tagen war allen eingeschärft worden: keine Selfies, keine Autogramme, zwei Meter Abstand und immer Maske tragen. Wohl auch deshalb lehnte sich kein Fan über den Zaun. Fahrer und Betreuer blieben ihrerseits den Gittern fern. Die Distanz sorgte für ungewohnte Stille. Nach Anfeuern war niemandem zumute. Die aus früheren Jahren bekannten kolumbianischen Trommelgruppen hatten es vermutlich wegen der interkontinentalen Reisebeschränkungen gar nicht nach Frankreich geschafft.

          Die zehn Radprofis aus dem Andenland, unter ihnen Titelverteidiger Egan Bernal, kamen nur dank eines Sonderfluges nach Europa. „Wir müssen unserer Regierung danken. Sie hat sich gut um uns gekümmert. Wir konnten mit Ausnahmegenehmigungen trainieren. Und sie haben auch diesen Flug organisiert. Man darf aber auch nicht vergessen, dass die Pandemie in Lateinamerika und auch in Afrika und einigen Teilen Asiens viel schlimmer zuschlägt als in Europa. Vor allem die Menschen, die jeden Tag nur wenig Geld verdienen und jetzt ihren Berufen gar nicht nachgehen können, trifft es sehr hart“, erzählte Bernals Landsmann Esteban Chaves im Videochat. Kurzzeitig drang die globale Pandemie-Realität in die abgeschottete Radsportblase ein.

          Dann ging das Rennen los. Und die ganz eigene Dynamik dieses Sports drängte sich in den Vordergrund. Der unerwartet starke Regen machte die Straßen extrem glitschig. Viele Fahrer stürzten. Der Frankfurter John Degenkolb verpasste das Zeitlimit. „Ich bin tief enttäuscht, dass ich gleich am ersten Tag die Tour verlassen muss. Aber die Schmerzen im rechten Knie waren bei jedem Tritt so stark, dass ich das Zeitlimit nicht schaffte“, teilte er in einer Audiobotschaft mit. Auch sein Teamkollege Philippe Gilbert musste nach einer Sturzverletzung passen, ebenso der Spanier Rafael Valls.

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