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Pogacar gewinnt Königsetappe : Und dann der Donner bei der Tour de France

  • -Aktualisiert am

Glück des Erschöpften: Der Slowene Tadej Pogacar holt sich am Col du Portet den Tagessieg und dürfte nun kaum noch zu bremsen sein. Bild: Reuters

Die Königsetappe der Tour de France zwingt die Radprofis in ein ultrasteiles Finale. Tadej Pogačar sprengt die Gruppe der Favoriten und hat den Gesamtsieg vor Augen.

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          War’s das? Daran gibt es kaum Zweifel. Die 17. Etappe der Tour de France hat in aller Deutlichkeit gezeigt, dass der Sieger vom vergangenen Jahr, der Slowene Tadej Pogačar (Team UAE), so gut wie sicher auch bei der 108. Frankreich-Rundfahrt im Gelben Trikot in Paris ankommen wird. Chris Froome, der viermalige Tour-Sieger, hatte schon vor Etappenstart nichts anderes erwartet.

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          „Wenn er auf seinem Rad bleibt, ist es vorbei. Ich denke, er hat es in der Tasche.“ Am Mittwoch durfte sich Froome in seiner Einschätzung bestätigt fühlen. Tatsächlich demonstrierte Pogačar auf der superschweren Pyrenäen-Etappe über 178,4 Kilometer von Muret zum Col du Portet ein weiteres Mal seine erdrückende Überlegenheit. Sein Vorsprung in der Gesamtwertung beträgt nun 5:39 Minuten vor dem Dänen Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma). Eine weitere Sekunde zurück liegt der Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos-Grenadiers).

          Den Etappensieg holte sich Pogačar im Dreikampf mit beiden. Zuvor hatte er die Gruppe der Favoriten im ultrasteilen Finale am Col du Portet mit einem Antritt acht Kilometer vor dem Gipfel gesprengt. Den beiden letzten Konkurrenten ließ er im Finish auf 2215 Meter Höhe keine Chance. Pogačar war eine Klasse für sich. Aber dahinter tat sich etwas in der Gesamtwertung. Der Kolumbianer Rigoberto Urán verlor Platz zwei an Vingegaard und musste auch Carapaz vorbeiziehen lassen. Wilco Kelderman vom deutschen Team Bora-hansgrohe kam als Sechster ins Ziel, diesen Platz behauptete er auch in der Gesamtwertung. Vier Etappen muss Pogačcar noch überstehen, nur drei werden hart gefahren.

          Mythischer Riese der Pyrenäen

          An diesem Donnerstag geht es, nicht ganz so heftig wie tags zuvor, noch einmal in den Bergen zur Sache, über den Tourmalet, einen der mythischen Riesen der Pyrenäen, hin zu einer weiteren Bergankunft. Am Freitag folgt eine Flachetappe als Geschenk für die Sprinter, keine Herausforderung für Pogačar, dann am Samstag ein Zeitfahren, eine seiner Paradedisziplinen. Die Fahrt nach Paris am Sonntag ist das übliche Schaulaufen mit abschließendem Sprint Royale auf den Champs-Elysées, so wie es die Tradition verlangt.

          Er erwarte den härtesten Tag bei dieser Tour, hatte Pogačar vor der Etappe gesagt. Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Schinderei begann bei Kilometer 120 am Col de Peyresourde, einem klassischen Pyrenäen-Anstieg der ersten Kategorie, 13,2 Kilometer lang und im Durchschnitt sieben Prozent steil. Ein lange, zehrende Kletterei und doch nur die erste, vergleichsweise kleine Stufe auf der steilen Treppe hinauf zum Etappensieg.

          Eine sechs Fahrer starke Ausreißergruppe fuhr mit acht Minuten Vorsprung vor dem Feld in diesen ersten Anstieg hinein. Die Klassementfahrer hielten sich dahinter im Feld bedeckt, an einem frühen Schlagabtausch zeigte keiner Interesse. Nach 140 Kilometern dann der zweite Anstieg, der Col de Val Louron-Azet, mit 7,4 Kilometer Länge kürzer, mit 8,3 Prozent durchschnittlicher Steigung aber steiler. Wieder ein Hindernis der ersten Kategorie. Die Franzosen Anthony Perez und Dorian Godon vorn, vier Minuten zurück ein weiterer Nichtangriffspakt der Favoriten. Pogačar hatte da noch zwei Helfer vor sich. Oben war es nur noch einer. Weiter Warten auf den Donnerschlag. Auf das große Feuerwerk.

          Bei Kilometer 159 schließlich der Start ins Finale dieser furchteinflößenden Etappe, ein Ungeheuer von Berg zum Abschluss, der Col du Portet. Er gilt den Radlern als härtester Anstieg der französischen Pyrenäen. 2018 stand er zum ersten Mal im Programm der Tour. Damals gewann der Kolumbianer Nairo Quintana, der diesmal mit den Besten nicht mithalten konnte.

          16 Kilometer geht es bergauf, 8,7 Prozent beträgt die Steigung im Schnitt. Es ist kein Anstieg der ersten Kategorie, für solche Prüfungen haben die Tour-Veranstalter eine eigene Klassifizierung: Hors Catégorie. Mehr geht nicht. Pogačar hatte jetzt noch einen Helfer. Vorn setzte sich Perez ab, ein letztes Aufbäumen ohne Hoffnung auf Happyend am französischen Nationalfeiertag, denn hinten drehten sie jetzt das Tempo hoch.

          Dann der Donnerschlag.

          Pogačar trat an, acht Kilometer vor dem Ziel zerlegte er die Gruppe in ihre Einzelteile, nur Vingegaard und Carapaz, bis dahin Dritter und Vierter der Gesamtwertung, konnten das Tempo mitgehen. Aber Pogačar ließ nicht locker. Carapaz versuchte es ein paar hundert Meter vor der Ziellinie noch einmal mit einem überraschenden Antritt, doch es war klar: Hier oben würde der Stärkste gewinnen, und das war nicht er, sondern der Mann in Gelb.

          Tour de France

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