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Tour de France : Ein Rennen auf Biegen und Brechen

  • -Aktualisiert am

Tour de France: Das berühmteste Radrennen der Welt steht vor seiner Rückkehr. Doch es wird viele Änderungen geben. Bild: Picture-Alliance

Die Corona-Pandemie stellt den Radrennsport vor Herausforderungen. Die Tour de France passt sich der Krisensituation an. Was aber bedeutet das für Frankreich – und wer sind die Favoriten unter diesen Bedingungen?

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          Alles ganz normal auf den ersten Blick. Eine Tour de France wie geplant. Start in Nizza. 21 Etappen. Pyrenäen, Zentralmassiv, Alpen. Ein Kurs, wie gemalt für Bergfahrer, nur ein paar Tage für die schnellen Jungs, nur ein paar Sprintankünfte sind dabei. Finish auf den Champs-Elysées in Paris. Doch auf den zweiten Blick: alles anders. Die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Frankreich-Rundfahrt am kommenden Samstag, dem 29. August, mit zwei Monaten Verspätung startet. Es wird eine Tour im Ausnahmezustand.

          Dass sie auf Biegen und Brechen durchgezogen werden soll, trotz steigender Infektionszahlen in Frankreich, ist nationalen, und – vor allem – wirtschaftlichen Interessen geschuldet. Für Frankreich ist „Le Tour“ ein identitätsstiftendes Symbol. Für die World-Tour-Teams, die Champions League des Radsports mit ihren Millionenbudgets, ist sie mehr: eine Lebensversicherung. Ohne die Frankreich-Rundfahrt stünden etliche Mannschaften vor der Pleite. Dreiviertel der Medienaufmerksamkeit, so die Faustregel, bekommen sie durch die Tour. Sie ist, was zählt, für Teams und Sponsoren. Alle wollen sich zeigen, alle wollen ins Rampenlicht, alle gehen auf Jagd nach Siegen und Schlagzeilen.

          Wie schnell und gut werden die Profis in diesem von Corona gezeichneten Jahr durch Frankreich radeln? Wird, weil die Räder monatelang stillstanden, mit aufgestauter Energie noch nervöser, noch aggressiver gefahren werden? „Die Tour ist immer gefährlich, in diesem Jahr vielleicht noch mehr“, sagt Lennard Kämna, Profi in Diensten der deutschen Equipe Bora-hansgrohe: „Aber eigentlich kann ich es mir kaum vorstellen, dass man es noch toppen kann, dass es noch krasser wird.“ Weil bei keinem Rennen so viel auf dem Spiel steht und so viele Rennfahrer in Topform an den Start gehen, wird um jede Position im Peloton besonders gerungen.

          Viele Verletzungen

          Angesichts der vielen, heftigen, verletzungsintensiven Stürze in den Tour-Vorbereitungsrennen wird Sturz-Prophylaxe ein großes Thema sein. Wer vorn fährt – und das wollen alle –, erhöht die Wahrscheinlichkeit, Karambolagen zu entgehen. Die Kapitäne, die sich dem Kampf um das Gesamtklassement verschrieben haben, wollen in der Ebene vor Ungemach geschützt werden. Es sind nicht unbedingt die höchsten Gipfel in Serie zu bewältigen, aber viele, viele Anstiege. Die Tour ist so orchestriert, dass die Spannung über 3470 Kilometer bis zum Schluss hoch bleiben soll. Die Entscheidung fällt wohl bei der vorletzten Etappe, dem einzigen Zeitfahren. Es geht die steilen Rampen hinauf nach La Planche des Belles Filles, dem Hausberg des französischen Sieganwärters Thibaut Pinot.

          Die Grande Nation lechzt seit 35 Jahren nach einem der Ihren auf dem obersten Podestplatz in Paris. Doch der Weg geht nur an Titelverteidiger Egan Bernal vorbei. Der 23-jährige Kolumbianer führt das vom Budget her konkurrenzlose und mit starken Helfern auf das Klassement-Ziel zugeschnittene Team Ineos an, nachdem die einstigen britischen Tour-Sieger Chris Froome und Geraint Thomas aus dem Aufgebot gestrichen wurden. Die Zeiten, als Ineos (ehemals Sky) mit klinischer Präzision das Rennen bestimmte und die Widerstandskräfte der Konkurrenz erodieren ließ, sollten aber vorbei sein.

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