https://www.faz.net/-gtl-8zm7s

Tour de France : Sturz von Richie Porte überschattet Königsetappe

  • -Aktualisiert am

Der Australier Richie Porte stürzte auf der 9. Etappe schwer. Bild: AP

Der Australier Porte stürzt bei der Abfahrt vom Mont du Chat schwer und prallt dabei gegen eine Felswand. Rigoberto Uran gewinnt die Königsetappe der Tour de France im Fotofinish.

          3 Min.

          Es war ein aufreibender Tag. Einer, der Frankreich aufwühlte, wegen der knappen Niederlage von Warren Barguil gegen den Kolumbianer Rigoberto Uran. Einer aber auch, der eine große Hoffnung zunichtemachte. Jene des Australiers Richie Porte, der bei der Tour angetreten war, um Christopher Froome herauszufordern. Am Sonntag aber musste Porte die Tour verlassen, schwer gezeichnet von einem heftigen Sturz während der Abfahrt vom letzten Berg des Tages, dem Mont du Chat. Porte wurde in einem Ambulanzwagen von der Strecke gebracht und in ein Krankenhaus in Chambery transportiert.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Porte war bei hohem Tempo vom Parcours abgekommen, rutschte danach quer über die Straße, prallte gegen eine Felswand und kollidierte dabei noch mit dem Iren Dan Martin. Porte blieb einige Zeit am Boden liegen, ehe ihn die Rettungskräfte auf eine Trage legten. Der Australier war bei Bewusstsein. Die Bilder von diesem fürchterlichen Unfall bewegten später auch Froome tief. Er litt mit Porte. „Schlimm, schlimm“, sagte der Brite, „es tut weh, so etwas zu sehen.“

          „Er hat am ganzen Körper blutende Wunden“

          Froome behielt sein Gelbes Trikot auf der neunten Etappe, mit jetzt 18 Sekunden Vorsprung vor dem Italiener Fabio Aru und 51 Sekunden vor dem Franzosen Romain Bardet. Froome musste dennoch am Sonntag einen Rückschlag hinnehmen. Vor Porte war bereits der Waliser Geraint Thomas zu Fall gekommen, er schied mit einem Schlüsselbeinbruch aus. Thomas war einer der wichtigsten Adjutanten von Froome. Thomas hatte das Zeitfahren zum Tour-Auftakt in Düsseldorf für sich entschieden und damit vor seinem Kapitän Gelb getragen.

          Auch der Pole Rafal Majka vom Team Bora-hansgrohe zog sich bei einem Crash Blessuren zu. Wie Porte kam er in eine Klinik. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er weiterfahren kann. Er hat am ganzen Körper blutende Wunden. So etwas habe ich selten gesehen“, sagte Teamsprecher Ralph Scherzer. Majka wurde von seinem deutschen Team als aussichtsreichster Kandidat für die Gesamtwertung gehandelt.

          Beim Schlusssprint jubelt zunächst Barguil (links) – doch das Fotofinish kürt Uran zum Sieger.
          Beim Schlusssprint jubelt zunächst Barguil (links) – doch das Fotofinish kürt Uran zum Sieger. : Bild: Reuters

          Zu den sportlichen Verlierern des Sonntags gehörten der Kolumbianer Nairo Quintana und der Spanier Alberto Contador, die deutlich zurückfielen bei diesem Abstecher in die Alpen, bei dem schwere Anstiege wie der Col de la Biche, der Grand Colombier und der Mont du Chat zu bewältigen waren. Froome, der am Sonntag Etappendritter wurde, wird nun vermutlich in erster Linie auf Aru achten müssen, der für Aufregung sorgte, als er eine Panne von Froome zu einer Attacke nutzte – was im Radsport als grobe Unsportlichkeit gilt. Als es zum Mont du Chat hinaufging, hatte Froome einen Schaden an seinem Rad, er musste sogar seine Rennmaschine wechseln. Just in diesem Moment griff Aru an. Allerdings kam er damit nicht weit: Andere Fahrer – und offenbar auch seine Equipe – bremsten den allzu forschen italienischen Meister vom Team Astana. Aru behauptete: „Ich habe nicht gesehen, dass Froome einen Defekt hatte.“ Froome war froh, diese heikle Situation überstanden zu haben – und dankte jenen, die keinen Profit aus einem Malheur schlagen wollten. In erster Linie seinem einstigen Kompagnon Porte, der zu diesem Zeitpunkt in der Gruppe um Aru fuhr und als Wortführer darauf pochte, Froome den Anschluss finden zu lassen.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Der Brite musste sich auf den letzten Kilometern mächtig anstrengen, schließlich war der Franzose Bardet enteilt, er war auf der Jagd nach dem Spitzenplatz im Gesamtklassement. Froome holte Bardet aber wieder ein. Die Galionsfigur des Teams Sky demonstrierte ihre Macht, sie sagte nach der Etappe aber auch: „Es war sehr hart.“ Ein äußerst turbulenter Tag, bis zum Finale nach 181,5 Kilometern. Barguil, beim deutschen Team Sunweb unter Vertrag, wähnte sich nach dem Spurt gegen Uran als Sieger, er war zu Tränen gerührt. Doch wenige Minuten später war Barguil ernüchtert: Das Zielfoto zeigte, dass Uran seinem Widersacher doch um wenige Millimeter voraus war.

          Tour de France

          Immerhin war Frankreichs Radsport am Tag zuvor obenauf gewesen. Durch Lilian Calmejane, Mitglied des Teams Direct Energie. Er setzte sich am Samstag als Solist durch und ließ sich dabei selbst von Krämpfen nicht stoppen. Ein kleiner Held, ganz nach dem Geschmack der Franzosen, die sich an frühere Darbietungen von Thomas Voeckler erinnert fühlten.

          Der Elsässer mit der Ausreißer-Mentalität ist immer noch dabei, er fährt ebenfalls für Direct Energie, will aber nach dieser Saison seine Laufbahn beenden. Calmejanes Coup war wenigstens wieder ein französisches Leuchtfeuer bei einem Rennen, da schon seit Jahrzehnten keinen französischen Hauptdarsteller mehr hervorgebracht hat. Seit 1985, als der Bretone Bernard Hinault die Tour gewann. Bis heute ist die Sehnsucht Frankreichs, dass endlich wieder ein einheimischer Fahrer bei der großen Schleife triumphiert, unerfüllt geblieben. Es wird wohl, das belegte der Auftritt von Froome am Sonntag, auch in diesem Sommer nicht reichen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          In der Kindheit sollte man lernen, mit Geld umzugehen – das Konzept Taschengeld kann dabei helfen.

          Die Vermögensfrage : Warum Kinder Taschengeld brauchen

          Jedes Kind hat im Laufe seiner Jugend den Wunsch, etwas zu kaufen, mit dem die Eltern nicht einverstanden sind. Dafür gibt es Taschengeld. Außerdem ist es eine sehr gute erste Möglichkeit, den Umgang mit Geld zu lernen.
          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.