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Tour de France 2020 : Ineos verzichtet auf frühere Sieger Froome und Thomas

  • -Aktualisiert am

Nehmen dieses Jahr andere Rennen in Angriff: Die früheren Tour-Sieger Geraint Thomas (l.) und Christopher Froome Bild: Reuters

Das Team Ineos-Grenadier gibt sein Aufgebot für die Tour de France bekannt. Nicht dabei sind die früheren Gewinner Chris Froome und Geraint Thomas. Statt mit einer Dreierspitze geht die Star-Equipe nun mit einer klaren Nummer eins ins Rennen.

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          Wohl dem, der in seiner Mannschaft drei aktive Tour-de-France-Sieger hat, die es gemeinsam auf sechs Triumphfahrten auf den Pariser Champs-Élysées bringen. Wohl dem, der zehn Tage vor dem Grand Départ 2020 zwei davon ausbooten kann und dennoch Favorit bleibt. Das serienmäßig in Frankreich erfolgreiche Team Ineos wird ohne den Engländer Chris Froome und den Waliser Geraint Thomas ins Rennen gehen. Das britische Team entledigt sich für die wichtigste Rundfahrt der Radsportwelt also seiner britischen Spitzenkräfte. Der 23 Jahre junge Vorjahressieger Egan Bernal aus Kolumbien soll als alleiniger Kapitän das Gelbe Trikot ins Visier nehmen und dem Rennstall den achten Triumph in neun Jahren bescheren.

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          Das von Ineos am Mittwochvormittag bekanntgegebene Tour-Aufgebot war ein personeller Paukenschlag mit Ansage. Denn beim am Sonntag beendeten traditionellen Tour-Vorbereitungsrennen Critérium du Dauphiné war arg deutlich geworden, dass sowohl der 33 Jahre alte Thomas (Tour-Sieger 2018) als auch der vor einem Jahr bei einem Sturz schwer verletzte Froome (viermaliger Tour-Gewinner) bei weitem nicht in bester Verfassung sind. Zumindest nicht so adäquat in Form, dass sie bereit schienen, das Renngeschehen beim vom Start weg fordernden Profil der Tour mit zu prägen. Bei der auf fünf Tage verkürzten Dauphiné-Rundfahrt hatte Thomas am Ende knapp eine Stunde Rückstand auf den Gesamtsieger, Froome häufte gar enorme anderthalb Stunden an.

          Unklar ist, ob intern nun hektisch umgeplant worden ist oder ob die Zeichen aufgrund der Daten und Eindrücke aus den Trainingslagern zuvor schon eine Weile so standen. Ineos-Manager- und Hirn Dave Brailsford ließ in der Teammitteilung durchblicken, dass die „Analyse der aktuellsten Informationen“ eine Rolle spielte. „Wir haben genau analysiert, wie wir die Tour de France in diesem Jahr gewinnen können, und wir haben ein leidenschaftliches Team, das durch ein gemeinsames Ziel vereint und bereit ist, die Arbeit zu erledigen.“

          Und so wirkte die Entscheidung nicht nur sportlich plausibel, sondern löste auch das Trilemma auf, in dem der Rennstall zu stecken schien. Denn mit drei Tour-Siegern, drei Alphatieren, drei großen Egos in einer achtköpfigen Équipe eine Tour de France anzugehen, wirkte wie ein Wagnis mit unkalkulierbaren Folgen für den Teamfrieden. Und so wird es die Konkurrenz im Tour-Gesamtklassement nicht eben als gute Nachricht auffassen, dass Ineos seine britischen Stars – Thomas soll sich nun dem Giro d’Italia widmen, der im neuen Jahr zu Israel als Start-up-Nation wechselnde Froome die Vuelta a España fahren – daheim lässt.

          Reibereien und Eifersüchteleien schienen programmiert zu sein, was den in Frankreich stets schnurrenden Ineos-Motor hätte ins Stocken bringen können. Nachdem das hochalimentierte Team schon im Vorjahr trotz seines Doppelsieges durch Bernal und Thomas nicht unverwundbar war, zeigten sich Kontrahenten wie die zuletzt bärenstarke niederländische Mannschaft Jumbo-Visma optimistisch wie selten, die französische Gelb-Serie von Ineos in diesem Jahr durchbrechen zu können. Zumal Bernal, Thomas und Froome zuvor monatelang beteuert hatten, dass die Tour ihr einziges großes Saisonziel sei und sie natürlich den Gesamtsieg anstreben. Gerangel um die Machtfrage im Team hatte es beim vormaligen Team Sky einst schon zwischen Bradley Wiggins und Froome, sowie zwischen Thomas und Froome und Bernal und Thomas gegeben.

          Aus einer Dreierspitze als vages Zweckbündnis ist also eine Beförderung des Kolumbianers Bernal geworden. Die Rückkehr zu einem Modell mit einem klaren Kapitän bezeichnete Brailsford als „leicht veränderten Ansatz“. Weniger Theater, mehr Sicherheit in den strategischen Rennentscheidungen also. Die Abwesenheit seiner zwei größten Binnenrivalen bezeichnete Bernal in einer ersten Reaktion in teameigenen Medien als „seltsam“.

          Der französische Spielraum wird für Ineos freilich enger, wenn der wegen einer Rückenblessur bei der Dauphiné ausgestiegene Bernal bei der Tour schwächeln sollte. Wie sich die sportlichen Machtverhältnisse intern zugunsten der südamerikanischen Teamfraktion verschoben haben, zeigt die Nominierung von Richard Carapaz. Der ecuadorianische Kletterkünstler gewann im Vorjahr überraschend den Giro und wechselte zu Jahresbeginn zu Ineos. Brailsford betrachtet Bernal und Carapaz als „Kombination“, die nach Gelb streben soll. Zumal diese beiden wieder auf ein sehr starkes Helferteam zählen können, das auf allen Tour-Terrains in der Lage sein sollte, das Rennen mit zu kontrollieren.

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