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Tour de France : Kittel gewinnt vierte Etappe

  • -Aktualisiert am

Sieger des Tages: Marcel Kittel (in blau) Bild: dpa

Marcel Kittel setzt sich auf der vierten Etappe der 103. Tour de France nach 237,5 Kilometern hauchdünn im Fotofinish vor dem Franzosen Bryan Coquard durch. Peter Sagan bleibt in Gelb.

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          Ein Tag, den Marcel Kittel gewiss nicht vergessen wird. Ein Tag, der eine Menge Substanz kostete, der enorme Spannung bot, an dem Kittel aber schließlich sein Glück machte bei der Tour de France. Ein Millimeter-Glück gewissermaßen, denn mit bloßem Auge war gar nicht zu erkennen, wer die vierte Etappe der 103. Tour in Limoges gewonnen hatte. Eine Entscheidung, die durch das Zielfoto getroffen werden musste nach einem aufsehenerregenden Duell zwischen Kittel und dem Franzosen Bryan Coquard. Nach einer Fahrt über 237,5 Kilometer von Saumur nach Limoges kam es auf Nuancen an auf den letzten Metern. Doch Kittel, der Hüne aus Thüringen, hatte am Dienstag letztlich einen klitzekleinen Vorsprung - ein traumhafter Moment für ihn, der in Limoges seinen neunten Tageserfolg überhaupt bei der Frankreich-Rundfahrt errang. „Das hat sich angefühlt wie hundertmal Weihnachten nacheinander“, beschrieb Kittel seine Befindlichkeiten.

          Rainer Seele
          (rse.), Sport

          Und es war eine Erlösung für den deutschen Radsport, dem in Limoges endlich ein großer Coup bei diesem Rennen gelang, nachdem Kittel und auch Andre Greipel zweimal von ihrem britischen Widersacher Mark Cavendish im Endspurt geschlagen worden waren, zum Teil ebenfalls nur um Haaresbreite.

          Greipel hatte diesmal mit seinem belgischen Team Lotto Soudal früh die Initiative ergriffen, er und seine Kollegen wollte das Peloton kontrollieren, und der Rostocker befand sich auch in einer aussichtsreichen Position. Er konnte daraus aber nichts machen, war nicht in der Lage, ganz nach vorne zu preschen und gab den Kampf somit auf. Sein Mitstreiter Marcel Sieberg sagte, dass Greipel „eingebaut“ gewesen sei, dass er also im Pulk feststeckte. „Da kann man noch so stark sein, da kommt man nicht mehr hinterher.“

          Sagan weiter in Gelb

          Kittel jedoch, der seit dieser Saison ebenfalls in Belgien unter Vertrag steht, bei der Formation Etixx-Quick Step, ließ sich nicht blockieren, er schoss mit seinem Rad an die Spitze, ein besonderer Kraftakt auf den letzten zwei hundert Metern. Auch wegen Coquard, der mächtig aufholte, der plötzlich immer näher kam, ebenfalls mit wuchtigem Tritt. Die beiden Rennfahrer berührten sich wenige Meter vor dem Zielstrich mit den Schultern, als seien sie auf gleicher Höhe. Doch Kittel war ein klein wenig flotter als der Franzose, hinter dem der Slowake Peter Sagan Dritter wurde; er behielt damit das Gelbe Trikot.

          „Ich wusste, dass es knapp war“, sagte der 28 Jahre alte Kittel. „Ich war mir des Sieges nicht sicher.“ Umso größer war die Erleichterung, als sein Triumph feststand. „Ich bin mega, mega happy. Ich habe die Emotionen aus mir herausgeschrien.“ Er sei stolz auf sein Team, das exzellent für ihn gearbeitet habe, sagte Kittel auch. „Es ist ein unheimlicher Druck von uns gefallen“, sagte sein deutscher Teamkollege Tony Martin, „diesmal haben wir es sicher besser gemacht als gestern.“ Und der Zeitfahrspezialist, der ein wichtiger Helfer von Kittel im Sprint ist, behauptete auch: „Von jetzt an geht es bergauf.“

          Der Brite Cavendish, der bereits 28 Tour-Etappen für sich entschieden hat, war zuletzt als großer Spielverderber für die Deutschen aufgetreten, die in den vergangenen Jahren so dominant waren, dass sich die Tour de France vorübergehend in Tour d’Allemagne umbenennen konnte. Sie waren deshalb mit großen Erwartungen auch zu dieser Tour gekommen - und Kittel wenigstens, der schon beim Giro d’Italia 2016 zwei Etappen gewonnen hatte, konnte sie jetzt einlösen nach Tagen der Enttäuschungen.

          Ein spezieller Augenblick für ihn nicht zuletzt, weil er 2015 bei der Tour de France gefehlt hatte. Kittel war nach einer Krankheit vom deutschen Team Giant-Alpecin nicht für die Tour nominiert worden. Ein verkorkstes Jahr für Kittel, die Zusammenarbeit mit dem Team endete zudem mit manchem Misston. Es sei nicht einfach gewesen, zurückzukommen, betonte der Thüringer nun. Doch er scheint nach seinem Wechsel nach Belgien von einem neuen Lebensgefühl getragen zu werden. Er zeigte das beim Giro und jetzt auch beim packenden Showdown in Limoges. Kittel ist wieder da - und wie!

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