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Rutsch bei der Tour de France : „Wir haben den Laden aufgemischt“

  • -Aktualisiert am

Hat alles gegeben: Jonas Rutsch startete bei seiner zweiten Tour de France. Bild: Picture Alliance

Der deutsche Radprofi Jonas Rutsch berichtet regelmäßig über seinen Start bei der Tour de France. Nach dem Finale erklärt er, warum er auf der Schlussetappe nochmal „alles in die Pfanne geschmissen“ hat.

          17 Min.

          Das Tagebuch von Jonas Rutsch von der Tour de France wird an dieser Stelle regelmäßig aktualisiert. Aufgezeichnet werden seine Berichte von Alex Westhoff und Michael Eder.

          Tag 25: Das Tour-Finale in Paris war noch mal ein guter Tag für mich, ein toller Abschluss. Ich habe auf den Champs-Élysées eine Ausreißergruppe initiiert, und das hat funktioniert. Richtig geplant hatte ich das nicht. Aber ein bisschen natürlich schon. Ich hatte ja schon vorher gesagt, dass wir in Paris noch mal richtig Rennen fahren werden. Das haben wir dann auch getan. Ich glaube, es wird dem ein oder anderen noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben, wie gut das geklappt hat. Und das war das Ziel.

          Die Chance, auf den Champs Élysées bei der Abschlussetappe aus einer Ausreißergruppe heraus ein Ergebnis zu fahren oder sogar zu gewinnen, ist sehr gering. Auf der anderen Seite ist es aber auch die einzige Chance, die sich meinem Team oder einem Fahrer wie mir geboten hat. Im Massensprint sind wir nicht so stark, wir haben keinen Sprinter, das heißt, wir hätten im Finale keine Chance gehabt. Dann muss man eben einen Weg finden, den Sprint zu umgehen. Und dafür habe ich alles in die Pfanne geschmissen, was ich habe. Ich habe die Gruppe initiiert und dann auch starke Mitstreiter gefunden, die auch absolut alles gegeben haben.

          Der „last man standing“ an meiner Seite war Max Schachmann. Zusammen haben wir den Laden noch mal aufgemischt und es denen hinten so schwer gemacht wie möglich. Es war brutal hart. Darauf muss man sich vorher mental einstellen, wenn man so was vorhat. Man muss sich drauf vorbereiten, dass es noch einmal eine Stunde oder anderthalb richtig wehtun wird. Dann fährst du die ganze Zeit am Limit. Es war quasi unser zweites Zeitfahren zum Tour-Abschluss.

          Das Feld hat uns erst eingeholt, kurz nachdem die Glocke für die letzte Runde geklingelt hat. Wir haben danach noch öfter gesagt bekommen, dass es hinten ganz schön geklemmt hat. Da war nicht mehr viel. Die sind hinten an der Spitze mit sechs Mann gefahren, und vorne waren wir am Anfang fünf, dann vier, dann drei und dann eben nur noch zwei. Ich glaube, einen Sprinter wie Dylan Groenewegen, der gewinnen wollte, haben wir neutralisiert. Der musste sein ganzes Team aufopfern, um uns zurückzuholen. Dann war am Ende des Tages keiner mehr übrig, um für ihn den Sprint zu forcieren.

          Aufmerksamkeit per Ausreißergruppe: Jonas Rutsch in Paris
          Aufmerksamkeit per Ausreißergruppe: Jonas Rutsch in Paris : Bild: Reuters

          Die Power für die Ausreißaktion kam bei mir aus dem Mentalen. Jeder Rennfahrer war vor dem Finale drei Wochen Rad gefahren. Keiner war mehr ultraheiß drauf, noch mal alles aus sich raus zu holen. Wenn man sich aber darauf einstellt, dass man noch mal alles aus sich rauskratzt, dann hilft das ungemein.

          Die Stimmung auf den Champs-Élysées und die Zuschauermassen, das ist natürlich eine ganz besondere Szenerie, auch die Emotionen, die da mitschwingen, aber in der Zeit, die du vorne bist, ist es einfach nur hart. Da kriegst du nicht viel von der Außenwelt mit. Hört sich blöd an, aber der schöne Teil hat dann eigentlich erst angefangen, nachdem wir eingeholt worden waren. Dann war der Fluchtversuch beendet und ich bin ganz entspannt die letzte Runde gefahren und konnte sie genießen, konnte alles aufsaugen, was da los war. Ich habe eine Cola aus dem Auto gekriegt und habe sie mir schmecken lassen. Noch ein Schulterklopfer, und dann sind wir ins Ziel gekommen.

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