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Froomes Leistungsdaten : „Nichts außergewöhnliches“

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Chris Froome in der Bergen: „Nichts Außergewöhnliches“ Bild: Reuters

Nach den Dopinganschuldigungen gegen Spitzenreiter Christopher Froome veröffentlicht der britische Radrennstall Sky die Leistungsdaten des Kapitäns bei der Tour de France.

          Der britische Radrennstall Sky ist nach den Dopinganschuldigungen gegen Spitzenreiter Christopher Froome in die Offensive gegangen und hat Leistungsdaten seines Kapitäns bei der Tour de France veröffentlicht. Dabei wies Froomes Trainer Tim Kerrison am Dienstag die im französischen Fernsehen genannten Daten zur Leistung des Briten bei seinem Sieg am Schlussanstieg in La Pierre-Saint-Martin als falsch zurück.

          Froome habe auf den 15,3 Kilometern eine durchschnittliche Leistung von 5,78 Watt pro Kilogramm Körpergewicht erbracht. Der Pariser Sportphysiologe Pierre Sallet hatte in der TV-Sendung „Stade 2“ Werte von 7,04 W/kg beim 30-Jährigen errechnet.  und damit Parallelen zu den des Dopings überführten Lance Armstrong und Jan Ullrich gezogen. „Alle Athleten, die in der Vergangenheit über 7,0 geschafft haben, waren in Dopingaffären verstrickt“, hatte Sallet gesagt und gefordert: „Froome ist in einer Position, aus der er uns Informationen zu seinem physiologischen Profil geben sollte, die seine Leistung glaubwürdig machen.“

          Tour de France

          Dies tat Sky nun. „Es gibt nichts Außergewöhnliches. Die Daten bewegen sich im Rahmen der letzten vier Jahre“, sagte Kerrison, der auch weitere Daten wie Herz- und Trittfrequenz zur Schau stellte. Teamchef Brailsford hofft, dass durch die Veröffentlichung die Zweifel zerstreut werden. „Was das französische Fernsehen gemacht hat, war richtig schlecht. Wir wollten Fakten schaffen.“

          Sallet war bei seiner Analyse von einem Körpergewicht Froomes von 71 Kilogramm ausgegangen, laut Kerrison bringe der 1,86 Meter große Kletterspezialist aber nur 67,5 Kilo auf die Waage.

          Der Mann im Gelben Trikot: „Chris ist sehr besonders“

          Sallet hatte bereits Anfang Mai mit einer klinischen Studie für Aufsehen gesorgt, als er nachgewiesen hatte, dass Doping mit Mikro-Dosierungen verblüffende Leistungssteigerungen bewirken kann und kaum nachweisbar ist. Unter Kontrolle von Sportärzten waren damals acht Probanden 29 Tage lang Blut- und Hormondopingmittel in kleinsten Dosierungen verabreicht worden. Es wurden zum Teil Leistungssteigerungen von über sechs Prozent registriert. Inzwischen hat der Radsport-Weltverband UCI reagiert und Nachtkontrollen eingeführt. In Frankreich sind diese Tests zwischen 23.00 und 6.00 Uhr aber rechtlich noch nicht abgesichert.

          Alle Daten der britischen Anti-Doping-Agentur übergeben

          Froome betonte, dass es unangebracht sei, pauschale Doping-Andeutungen zu machen. „Die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht mehr der Wilde Westen wie vor zehn oder fünfzehn Jahren. Es gibt sicher noch Fahrer, die das Risiko eingehen, aber das ist die Minderheit. Es ist genau andersherum wie vor zehn Jahren“, monierte der Sky-Kapitän die Verdachtsberichterstattung in Frankreich. Sie sei auch Schuld für die Urin-Attacke gegen ihn auf der 14. Etappe gewesen.

          Brailsford geht die ganze Diskussion zu weit. „Es ist nicht richtig, was hier passiert. Chris ist sehr besonders. Er hat eine besondere Physiologie“, sagte der Waliser. Sein Team sei in der gleichen Situation wie 2013, als ähnliche Fragen gestellt worden. Man habe damals alle Daten der britischen Anti-Doping-Agentur übergeben. Froome hatte sich zuletzt schon bereiterklärt, nach der Tour unabhängige Leistungstests zu durchlaufen.

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