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Radprofi Emanuel Buchmann : Auf dem Weg zum Schwergewicht

  • -Aktualisiert am

Mann für die Berge: Emanuel Buchmann zeigte in den Vogesen, was er kann. Bild: dpa

Emanuel Buchmann radelt nicht mehr unter dem Radar. Als erster Deutscher seit langer Zeit hat er sich dem Kampf um die Gesamtwertung der Tour verschrieben – und die Aussichten sind nicht schlecht.

          Eine radelnde Siegmaschine, ein Warlord auf dem Velo wird er nicht. Das passt nicht zu Emanuel Buchmann. Dessen in Interviews wohl meistverwendeter Satz lautet: „Am liebsten habe ich meine Ruhe.“ Er will doch nur Rad fahren. Und öffentlich nicht groß darüber reden müssen. Doch Buchmann ist aufgestiegen in die Hautevolee des internationalen Radsports, was das Interesse an ihm sprunghaft erhöht hat. Das hat er vor Beginn der Tour de France schon gemerkt. Schließlich ist der stille, ja fast schüchterne Oberschwabe als (Ko-)Kapitän des Teams Bora-hansgrohe, das mittlerweile zum Hochadel im Peloton zählt, in die Frankreich-Rundfahrt gestartet.

          Wer in den Monaten vor der Tour bei der Baskenland-Rundfahrt auftrumpft und Dritter des in der Szene bedeutenden Critérium du Dauphiné (nur 21 Sekunden hinter dem Sieger) wird, radelt nicht mehr unter dem Radar. Sondern wird einsortiert in die Riege jener Rennfahrer, denen ein Topergebnis bei der Ankunft auf den Champs Élysées zugetraut wird. Ein Platz unter den ersten zehn soll es werden, so die offizielle Zielsetzung. Aber Teamkollegen und Experten trauen Buchmann, der von allen nur „Emu“ gerufen wird, nach seinen Vorleistungen in diesem Jahr und den ersten Eindrücken bei der Tour weit mehr zu. Top Fünf, vielleicht könne er sogar in Richtung Podium schielen.

          Zehn Jahre nachdem der von Doping-Verdächtigungen entnervte Andreas Klöden als letzter Deutscher einen Top-10-Rang bei der Tour erreichte, ist Buchmann der Erste, der sich überhaupt dem Kampf um die Gesamtwertung verschrieben hat. Über das Fachpublikum hinaus ist in Deutschland, wo der Radsport nur während der drei Tour-Wochen besonders in den Fokus gerät, quasi unbemerkt geblieben, wie der 26-jährige Bergfahrer sich in der Weltspitze etabliert hat. Nun ist er da.

          Tour de France


          „Träumen kann man immer, aber das Ziel bleiben die Top 10“, sagt Buchmann nach seiner starken Leistung am Planche des Belles Filles. Am finalen, äußerst steilen Schlussanstieg der Bergetappe in den Vogesen hatte der Ravensburger am Donnerstag vergangener Woche bereits ein kraftvolles Zeichen in eigener Sache gesetzt. Als einer der Ersten aus der Gruppe der Favoriten rollte er über die Ziellinie.

          Gleichwohl noch ein wenig stärker liest sich das Signal, das Buchmann am Montag vor der ersten Ruhepause der Tour an die Konkurrenz in der Spitzengruppe schickte. Auf den 217,5 Kilometern der 10. Etappe von Saint-Flour und Albi verbesserte sich der Deutsche auf Platz fünf im Gesamtklassement, der Rückstand auf den Führenden Fan-Liebling Alaphilippe beträgt 1:45 Minuten. „Platz fünf hört sich sehr gut an. Momentan sieht es ganz gut aus“, befand der 26-Jährige nach der Etappe, schob jedoch gleich hinterher: „Ich will das nicht überbewerten. Jetzt kommen erst die richtigen Bergetappen“.

          Stiller Schwabe: keine Kampfansage von Buchmann, aber eine gute Position

          Auch wenn der Weg nach Paris noch viele Kilometer und anderthalb Wochen entfernt ist, könnte dies die Geburtsstunde einer neuen deutschen Rundfahrer-Spitzenkraft im Peloton gewesen sein. „Es ist schön, dass die Deutschen jetzt jemand haben, mit dem sie mitfiebern können. Aber ich konzentriere mich auf mein Rennen“, sagt Buchmann. „Wenn man gut drauf ist, dann läuft’s halt.“ Sein Förderer und Teammanager bei Bora-hansgrohe, Ralph Denk, erlebt, wie das Selbstvertrauen des 26-Jährigen – wo bisher noch reichlich Luft nach oben war – enorm gestiegen ist. „In und abseits der Rennen“, wie Denk sagt. „Mit dem Erfolg wächst das Rückgrat. Wir gehen davon aus, dass Emu in den Pyrenäen genauso stark fahren kann wie in den Vogesen.“

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