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Razzia bei Bahrain Victorious : Polizei zurück bei der Tour

Erstaunliche Leistungen: Der italienische Sprinter Sonny Colbrelli von „Bahrain Victorious“ Bild: EPA

Da ist er wieder: der Doping-Verdacht. Bis zu 50 Personen durchsuchen das Team „Bahrain Victorious“ bei der Tour de France. In Marseille ermittelt die Staatsanwaltschaft.

          3 Min.

          Polizei-Razzien bei Profiteams im Radsport haben Tradition. Meistens geht es dabei um Doping. Und meistens entstehen daraus für den Radsport viel mehr Probleme, als sämtliche selbst installierten Anti-Doping-Programme jemals verursacht haben. Es scheint, als ginge es wieder einmal los: Am Mittwochabend erschien die Polizei im Hotel des Tour-de-France-Teams „Bahrain Victorious“ in der Nähe von Pau.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Eine Mannschaft von nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters zeitweise bis zu 50 Personen durchsuchte die Räume der Fahrer und den Mannschaftsbus. „Nichts Besonderes“, sagte der slowenische Teamchef Milan Erzen am nächsten Morgen dem Radsport-Portal „Cyclingnews“ beschwichtigend, „wir hatten Besuch von der Polizei, sie fragten nach den Trainings-Unterlagen der Fahrer, sie checkten den Bus, und das ist alles.“

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          Schon alles? Tatsächlich wurde niemand festgenommen. Die Fahrer von Victorious starteten am Donnerstag ordnungsgemäß zur schweren 18. Etappe in den Pyrenäen. In der Mixed Zone, wo die Fahrer üblicherweise mit Journalisten zusammentreffen, erschienen sie nicht, doch der slowenische Victorious-Profi Matej Mohoric erzählte Reportern: „Sie haben alle meine Sachen durchsucht und ich sagte, yeah, ich habe nichts zu verstecken und es ist mir egal.“ Die Polizisten hätten Telefone und persönliche Nachrichten überprüft. „Aber sie haben natürlich nichts gefunden.“ Der Einsatz soll laut Nachrichtenagenturen bis zwei Uhr morgens gedauert haben. Der spanische Rennstall Movistar, dessen Personal im selben Hotel übernachtete, war von der Polizei-Aktion nicht betroffen.

          Noch bevor die Profis im Fahrradsattel saßen, wurde bekannt, dass die Durchsuchungen auf ein vorläufiges Ermittlungsverfahren der französischen Staatsanwaltschaft zurückzuführen sind. Es geht, wie die Behörde in Marseille mitteilte, um ein Verfahren, das bereits am 3. Juli eröffnet worden ist wegen des Verdachts auf „Erwerb, Transport, Besitz und Import einer verbotenen Substanz oder Methode für den medizinisch nicht gerechtfertigten Gebrauch durch einen Athleten durch Mitglieder des Teams Bahrain Victorious“. Teamchef Milan Erzen sagte, man habe ihnen nicht mitgeteilt, was ihnen zur Last gelegt werde. „Der Vorgang hat sich auf die Erholung und den Essensplan unserer Fahrer ausgewirkt“, beschwerte sich der Technische Direktor des Teams, Vladimir Miholjevic. „Als professionelles Team hat das Wohl unserer Fahrer Top-Priorität.“

          Starker Kletterer: Wout Poels
          Starker Kletterer: Wout Poels : Bild: AFP

          Bestplatzierter Fahrer von „Bahrain Victorious“ in der Gesamtwertung ist der Spanier Peio Bilbao als Neunter. Kapitän Jack Haig war bereits in einem frühen Stadium der Tour mit einem Schlüsselbeinbruch ausgeschieden. Die weiteren sieben noch im Rennen verbliebenen Fahrer zeigen seitdem aber starke Leistungen, das Team führt das Mannschaftsklassement an. Matej Mohoric gelang auf der siebten Etappe sein erster Tagessieg, der Belgier Dylan Teuns gewann in den Alpen. Darüber hinaus liegt der Niederländer Wouter Poels in der Bergwertung auf Platz zwei, der Gesamtführende Tadej Pogacar überholte ihn am Donnerstag.

          Das mit Geld aus dem Königreich Bahrein finanzierte Team, vielfach als Projekt politischen „Whitewashings“ kritisiert, war bereits im Juni von französischen Medien mit Doping-Vorwürfen in Zusammenhang gebracht worden, doch es gab keine konkreten Nachweise. Laut einem Bericht der Zeitung Le Parisien hatten zwei Personen, darunter auch ein Teamchef, Bedenken geäußert wegen der auffälligen Leistungen des Rennstalls beim Giro d’Italia und beim Critérium du Dauphiné.

          Auch im Prozess um die „Operation Aderlass“ tauchte Erzens Namen auf. Dieses Verfahren war vor gut zwei Jahren in Gang gekommen, nachdem der frühere österreichische Ski-Langläufer Johannes Dürr den Erfurter Mediziner Mark Schmidt des Blutdopings beschuldigt hatte. Erzen bestritt allerdings, mit dem Arzt in Kontakt gewesen zu sein.

          Nicht nur für den Radsport, sondern in vielen Sportarten kursiert der Verdacht, dass unehrliche Athleten die Zeit, in der die Pandemie die Testprogramme nahezu außer Kraft gesetzt hatte, zum Doping genutzt haben könnten. Der Italiener Sonny Colbrelli von „Bahrain Victorious“, Dritter der Sprintwertung, hat eine andere Erklärung: Neider. „Wenn man gute Ergebnisse erzielt, dann passiert so etwas“, sagte er. Solche Razzien geschähen, wenn man intensive Höhentrainingslager durchführe, sich gut vorbereite und viel Geld ausgebe. „Wir zahlen den Preis für unsere Leistung.“ Oder geht es mal wieder um Leistung um jeden Preis?

          Tour de France

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