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Tour de France : Dopingverdacht bei den Quintanas

  • Aktualisiert am

Nairo Quintana und sein jüngerer Bruder Dayer (r.) bei der Tour de France 2020 Bild: EPA

Droht der diesjährigen Tour de France der erste Dopingskandal? Die Staatsanwaltschaft in Marseille hat einer Nachrichtenagentur zufolge Ermittlungen bestätigt. Offenbar hat es sogar Festnahmen im Umfeld eines kolumbianischen Fahrers gegeben.

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          Bei der diesjährigen Tour de France hatte es zuletzt schon Spekulationen um Doping gegeben, nun scheint sich tatsächlich ein erster Fall anzudeuten. Die Staatsanwaltschaft von Marseille bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Montag, dass eine vorläufige Untersuchung wegen eines Dopingverdachts eingeleitet worden sei. Ermittelt werde, so Staatsanwältin Dominique Laurens, wegen der Verschreibung einer verbotenen Substanz sowie der Hilfe bei und der Anstiftung zu der Einnahme eben dieser.

          Zwei Personen „aus dem nahen Umfeld“ eines Fahrers seien bereits in Gewahrsam genommen worden, Namen wurden zunächst nicht genannt. Laut übereinstimmenden Medienberichten aus Frankreich soll es sich jedoch um das Team Arkéa-Samsic und um Dayer Quintana, Bruder des kolumbianischen Radstars Nairo Quintana, handeln. Er selbst wurde aber nicht verhaftet. „Le Parisien“ berichtet, dass es sich bei den beiden Personen in Gewahrsam um einen Teamarzt und einen Physiotherapeuten handelt.

          Es seien zahlreiche Gesundheitsprodukte entdeckt worden, darunter Medikamente und in dem Zusammenhang auch Hinweise auf Doping, zitierte die französische Nachrichtenagentur AFP am Montagabend die Staatsanwaltschaft. Berichten zufolge hatte es vergangenen Mittwoch eine entsprechende Durchsuchung gegeben, die sich gegen mehrere Fahrer des Teams richtete. Sie habe in der Nähe des Wintersportorts Méribel in den französischen Alpen stattgefunden, berichtete die französische Sportzeitung „L’Équipe“. Der Teamchef des französischen Teams, Emmanuel Hubert, bestätigte das gegenüber der Sportzeitung. Demnach sei die Aktion nicht gegen das gesamte Team gerichtet, die Polizei habe sich Quintanas Zimmer, das seines Bruders Dayer und ihres kolumbianischen Landsmanns Winner Anacona angeschaut. Auch Teamfahrzeuge seien durchsucht worden. Dafür gab es von den Behörden zunächst keine Bestätigung. Laut Hubert fand der Polizeieinsatz nicht in Zusammenarbeit mit der französischen Anti-Dopingagentur AFLD statt. Staatsanwältin Laurens sagte, es handele sich um einen insgesamt „kleinen Teil“ des betroffenen Rennstalls.

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          Das Team mit Sitz in Rennes war in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und hatte sich spätestens mit den Verpflichtungen von Nairo Quintana und zuvor bereits Warren Barguil (Frankreich) ambitioniert gezeigt. Nairo Quintana und sein Bruder Dayer hatten die Tour trotz der Razzia fortgesetzt. Bei Vorermittlungen wird zunächst nur geprüft, ob an den Vorwürfen etwas dran ist.

          Am Sonntag erreichte das Feld Paris, der Kolumbianer landete mit mehr als einer Stunde Rückstand auf Sieger Tadej Pogačar auf Gesamtrang 17. Der mittlerweile 22 Jahre alte Slowene vom Team UAE Team Emirates ist wegen hoher Wattzahlen, die er etwa auf der 20. Etappe beim Einzelzeitfahren hinauf zur Planche des Belles Filles erreichte, selbst der Doping-Kritik ausgesetzt, konkrete Verdachtsmomente fehlen aber. Unter den slowenischen Akteuren hatte es zuletzt mehrere Doping-Fälle im Radsport gegeben, und es gibt eine slowenische Verbindung zum deutschen Doping-Arzt Mark. S. Pogačar selbst sagt: „Ich habe eine reine Weste.“ Allerdings ist sein Entdecker Andrej Hauptman im Jahr 2000 wegen zu hoher Blutwerte nicht zur Tour zugelassen worden.

          Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie sollen zudem nur halb so viele Tests wie im Vorjahreszeitraum durchgeführt worden sein, teilte die Anti-Doping-Kommission des Radsports (CADF) mit. Das Normalniveau sei erst kürzlich wieder erreicht worden. Der Niederländer Tom Dumoulin, angetreten die Tour zu gewinnen und letztlich Edelhelfer vom Zweitplazierten Primož Roglič beim Team Jumbo-Visma, klagte daher schon vor der Tour, er sei „seit Monaten nicht mehr getestet worden“. Auch die Franzosen Romain Bardet („es ist eine Ewigkeit her“) und schon im April Thibaut Pinot („seit Oktober 2019 kein Test“) äußerten Sorge. Bardets Teamkollege Nans Peters fragte gar: „Haben Betrüger im Moment freie Hand?“

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