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Radteam Bora-hansgrohe : „Wie ein Sechser im Lotto“

  • -Aktualisiert am

Will die Hoffnung auf einen Podiumsplatz nicht aufgeben: Emanuel Buchmann Bild: dpa

Verletzungen und Corona-Verdachtsfälle setzen Bora-hansgroh zu. Ein Podiumsplatz bei der Tour de France wird für das deutsche Vorzeigeteam unwahrscheinlich.

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          Emanuel Buchmann hatte dieses wohlige Gefühl, das einsetzt, wenn monatelanges Training wirkt. Wenn sich die Mühsal auszahlt, die er seit dem Winter auf sich genommen hat, um bei der Tour de France aufs Podium zu fahren. Der 27 Jahre alte Radprofi war bei der Dauphiné-Rundfahrt, einem traditionellen Tour-Testlauf mit stets prominenter Besetzung, bestens unterwegs. Buchmann betrachtete sich aufgrund seiner „richtig guten Form“ als den großen Tour-Favoriten ebenbürtig. Doch als er dort vor zehn Tagen bei einer Abfahrt in den Alpen hart auf dem Asphalt aufschlug, war im ersten Schreck sein Gedanke: „Die Tour ist gelaufen.“

          Am Montagabend verkündete Buchmanns Rennstall Bora-hansgrohe erleichtert, dass der Vorjahresvierte die an diesem Samstag beginnende 107. Auflage der Frankreich-Rundfahrt in Angriff nehmen kann. Trotz Prellungen, Blutergüssen und Schürfwunden an Rücken und Gesäß. „Das war ein herber Rückschlag, der mich ziemlich zurückgeworfen hat. Der Sturz ist bitter, aber mal schauen“, sagt Buchmann, „vielleicht geht ja alles gut aus, und ich erhole mich schnell.“

          Sorgen der Vorzeigemannschaft

          Was dringend geboten ist, denn die diesjährige Tour bietet keine Gelegenheit zum Einrollen, sondern führt das Peloton schon auf der zweiten Etappe in die Berge. Auch die am selben Wochenende ebenfalls hart gestürzten Mannschaftskollegen Maximilian Schachmann (Schlüsselbeinbruch) und Gregor Mühlberger (Handgelenksblessur) – beide sind als wichtige Helfer von Buchmann in den Bergen vorgesehen – haben von den Teamärzten die Freigabe für die Tour bekommen.

          Alles gut also bei der deutschen Vorzeigemannschaft? Nicht wirklich. Der Raublinger Rennstall wird gerade ziemlich durchgeschüttelt. Denn angesichts der Schwere der Verletzungen des Trios ist die Entscheidung, den Tour-Kader nicht zu verändern, durchaus mutig. Mühlberger hat es am wenigsten hart getroffen – der Österreicher konnte mit einer Spezialschiene schnell wieder ins Training einsteigen.

          Schlechte Nachrichten für das Team

          Mit Blick auf den Berliner Schachmann ist bei Bora-hansgrohe nur die Rede davon, „es zumindest zu versuchen“. Im Zentrum der französischen Ambitionen des Teams steht aber Buchmann, der unter Schmerzen in den vergangenen Tagen ein reduziertes Übungsprogramm absolviert hat. „Es ist nicht nur die Verletzung, die Energie und Regeneration gekostet hat“, sagt Teammanager Ralph Denk und dämpft die Erwartungen: „Das Training hat auch nicht stattgefunden, wie es geplant war. Wir müssen damit umgehen, dass wir kleinere Brötchen backen. Ein Podiumsplatz wäre mehr als ein Sechser im Lotto.“

          Eine weitere schlechte Nachricht erreichte Bora-hansgrohe am Dienstagvormittag. Einer ihrer Fahrer, die zum Eintagesrennen Bretagne Classic gereist sind, hatte einen positiven Corona-Test. Die Mannschaft ging folglich nicht an den Start, alle Mitglieder des Trosses, zu dem kein für die Tour de France vorgesehener Fahrer gehörte, hatten sich gemäß der behördlichen Vorgaben in Selbstisolation begeben. Am Abend kam dann die Meldung, dass der zweite Test des Fahrers negativ ausgefallen war. Falscher Alarm offenbar.

          Teamchef Denk sieht sich durch den Vorfall bestätigt. „Es ist bekannt, dass die PCR-Tests eine gewisse Fehlerquote haben“, wurde er in einer Teammitteilung zitiert. Er forderte eine Absicherung der Testergebnisse, etwa durch eine A- und B-Probe ähnlich dem System bei Doping-Kontrollen. „Haben wir das nicht, werden wir bald sehr ernste Probleme bekommen“, sagte er. „Wer will schon als seriöses Unternehmen in ein Lotteriespiel investieren.“

          Tour de France

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