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Tour de France 2022 : Hätte, hätte, Fahrradkette

  • -Aktualisiert am

Hätte, hätte, Fahrradkette Bild: iStock

Die legendäre Tour de France schreibt zahlreiche Geschichten. Dabei geht es längst nicht immer nur um die aktuelle Etappe und die Sieger. FAZ.NET sammelt sie auch in diesem Jahr während des Radsport-Klassikers.

          12 Min.

          Kein Rotwein und Baguette, dafür Bananen: Die Kolumne „Hätte, hätte, Fahrradkette“ zur Tour de France 2022 wird an dieser Stelle regelmäßig aktualisiert.

          Trumps Tour

          Man kann über Donald Trump sagen, was man will. Aber ein großartiger Präsident ist er ja gewesen, aus seiner Sicht zumindest. Und also auch ein großartiger Geschäftsmann, sowieso. Was die Politik betrifft, so hat man ihn, er glaubt das immer noch, aus dem Amt hinausbetrogen. Aber man muss auch die Vorteile sehen. Seither hat Trump mehr Zeit für anderes.

          Doch immer nur Golf, das ist auch nicht das Wahre, wegen Rücken und so. Vielleicht erinnert er sich ans Radfahren. Ob Sie es glauben oder nicht: Trump hat auch schon in Radsport investiert. 1989 war es, als er die Tour de Trump finanzierte. 750.000 Dollar ließ er sich das kosten. Peanuts, aber immerhin. Dieses Rennen werde so groß wie die Tour de France, erklärte er gegenüber dem Fernsehsender NBC.

          Was verwunderte. Nur so groß wie die Tour de France? Nicht America First? Nicht größer als diese französische Winzlingsveranstaltung? Die Trump-Tour mit Zielankunft vor einem Trump-Hotel in Trump City, nein Korrektur, in Atlantic City, wurde tatsächlich riesengroß. Eine Million Zuschauer, meldete Trump, hätten das Finale gesehen. Dass Medien, die als seriös gelten, höchstens 10.000 Zuschauer gezählt hatten, nun ja Lügenpresse, schon damals.

          Ein Freund des Sports: Donald Trump
          Ein Freund des Sports: Donald Trump : Bild: EPA

          Sieger der Premierentour wurde der Norweger Dag Otto Lauritzen. Greg LeMond aus Lakewood, Kalifornien, der ein paar Wochen zuvor zum zweiten Mal die Tour de France gewonnen hatte, wirkte ein wenig untermotiviert und radelte auf Platz 27. 1990 gewann er noch einmal in Paris, und 1990 fand die Trump-Tour zum zweiten und letzten Mal statt. Sie war richtig groß geworden, ein richtig großer Reinfall. Seither kauft Trump lieber Golfplätze als Radrennen. Da haben die Franzosen aber Glück gehabt, muss man sagen, die Tour de France ist gerade noch mal so davon gekommen.

          Vermutlich Zauberei

          Hut ab vor den Fahrern der Tour de France. Nicht übel, was die leisten. Chapeau aber auch für die Fahrer der Lastwagen, der Tieflader, der Spezial-Trucks, der Riesenschiffe, die alle auch 21 Etappen absolvieren und tausende Tonnen durch Frankreich schleppen: Absperrgitter, Tribünen, Fernsehstudios, Container, Satellitenschüsseln und keine Ahnung, was noch alles.

          21 Zielorte, 21 Mal manövrieren sie ihre Ungetüme auf irgendwelche Parkplätze, Alleen oder sonst wohin, wo Platz für sie ist. Wobei Platz? Ist meist übertrieben. Oft auf minimaler Fläche parken sie nach einem unerfindlichen System, vermutlich Chaostheorie. Ein riesiges Labyrinth entsteht, darin Kabel überall, Kilometer von Kabeln, dick und dünn, kreuz und quer.

          Und wenn die Etappe rum ist, entwirrt sich das Chaos wie von Zauberhand, wird auf Millimetern ausgeparkt, und dann geht es weiter. Neuer Ort, neues Chaos. Am eindrucksvollsten, quasi der van Aert der Lastwagenszene, ist ein Ungetüm, aus dem ein unfassbar großer Videobildschirm gewachsen ist, gefühlt zehnmal so hoch wie der Truck. Beim Abbau ist er die große Attraktion. Zuschauer zuhauf. Dann fährt der riesige Schirm hydraulisch in den Truck, vermutlich gesteuert von David Copperfield, anders ist es nicht zu erklären. Am Ende klappt das Dach zu und der Fahrer gibt Gas. Applaus.

          Rote Laterne

          Haben Sie das gesehen? Wie die geschrien und gebrüllt haben im Ziel der 17. Etappe. Und dann der Applaus – für den Letzten des Tages, mutterseelenallein unterwegs. Gut, es waren die Teammitglieder, die mit ihrer Stimmgewalt Fabio Jakobsen die allerletzte Rampe hinauf schoben, zogen, ansaugten.

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