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Tour de France : Martin verpasst Gelbes Trikot um fünf Sekunden

  • -Aktualisiert am

„Ich muss damit leben, dass die Hitze mich abgetötet hat“: Tony Martin Bild: dpa

Der Kurs schien maßgeschneidert für Tony Martin. Trotzdem verpasst der Deutsche beim Auftakt der Tour de France das Gelbe Trikot knapp. Für Aufregung sorgt das skandalumwitterte Team Astana.

          Die Straßen, die Tony Martin am Samstag in Utrecht passierte, hatten klingende Namen. Sie hießen Weg Tot de Wetenschap oder Archimedeslaan. Martin kannte sie gut, er hatte die Strecke genau inspiziert, er wollte mit allen Ecken vertraut sein. Aber es wurde dann doch keine Fahrt ins Glück für ihn. Martin, der den Samstag, die Ouvertüre der 102. Tour de France, zum Tag des Jahres für sich erklärt hatte, fand seinen Meister in einem Australier.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Rohan Dennis, früherer Stundenweltrekordhalter, bewältigte den 13,8 Kilometer langen Parcours in 14,56 Minuten. Martin war als Zweiter fünf Sekunden langsamer. Wieder ein gescheiterter Versuch also, die Tour, das größte Spektakel des Radsports, mit einem Coup zu beginnen. Dabei schien der Kurs wie maßgeschneidert für ihn, der Zeitfahrspezialist Martin hatte große Anstrengungen unternommen, um seine Sehnsucht nach dem Gelben Trikot zu stillen.

          Aber die Tour zeigte ihm in Utrecht die kalte Schulter. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Martin. Er haderte mit dem Wetter, mit der extremen Hitze, mit der er nicht so gut zurechtgekommen war, vor allem im zweiten Teil des Rennens, als er eine gewisse Erschöpfung spürte. „Das“, sagte er, „hat heute eine sehr große Rolle gespielt.“ Vielleicht aber hätte er bei einer längeren Distanz doch bessere Chancen gehabt.

          Rohan Dennis aus Australien war einen Hauch schneller als der Deutsche

          Martin war immerhin eine Sekunde schneller als der Schweizer Fabian Cancellara, der sich ebenfalls große Hoffnungen auf Gelb gemacht hatte. Zumal er sich nach schwierigen Wochen und Monaten wieder in Form fühlte. „Ich musste am Schlauchboot die ganze Zeit Löcher flicken“, sagte der Berner blumig über seine Misere. Aber an das rasante Tempo von Dennis kam auch Cancellara nicht heran. Der Italiener Vincenzo Nibali, der die Tour im Vorjahr mit erstaunlicher Leichtigkeit gewonnen hatte, landete am Samstag auf Platz 22, mit einem Rückstand von mehr als 40 Sekunden auf Dennis.

          Nibali hatte unruhige Zeiten erlebt vor dieser Tour, das Team Astana hatte sich wegen mehrerer Doping-Fälle verantworten müssen und war letztlich nur knapp um einen Lizenzentzug herumgekommen. Das Gerede um die skandalumwitterten Kasachen und ihren Teamchef Alexander Winokurow hält an, dafür sorgte bei der Ouvertüre der Tour der Fall Lars Boom. Er war wegen eines niedrigen Cortisol-Wertes aufgefallen, durfte aber dann doch starten. Das hatte auch der Internationale Radsportverband bestätigt.

          Das Team Astana hatte zwar kurzfristig den Italiener Alessandro Vanotti in die Niederlande reisen lassen, doch eine Nachnominierung war nicht mehr möglich. Pikant: Die kasachische Equipe gehört der Vereinigung für einen glaubwürdigen Radsport (MPCC) an, sie hätte den Niederländer Boom nach den Bestimmungen der MPCC eigentlich acht Tage suspendieren müssen, obwohl der aktuelle Cortisol-Spiegel von Boom nicht zwingend ein Indiz für ein Doping-Vergehen sein muss.

          „Ich habe keine verrückten Dinge getan“, behauptete Boom, der als wichtiger Helfer von Nibali gilt. Und Winokurow sagte lapidar: „Die Regeln der MPCC haben keinen rechtlichen Wert.“ Es ist die Frage, was er und sein Rennstall überhaupt in dieser Gruppe zu suchen haben. Martin, sehr engagiert im Kampf gegen Doping, ist mit seiner belgischen Equipe Etixx-Quick Step nicht in der MPCC vertreten.

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