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Sieg bei der Tour de France : Planet Pogacar

  • -Aktualisiert am

Der Meister: Tadej Pogacar Bild: EPA

Ein Versprechen für die Zukunft, eine Erinnerung an die Vergangenheit: Der slowenische Radstar Tadej Pogacar und sein zweiter Sieg bei der Tour de France.

          4 Min.

          Er ist ein Versprechen für die Zukunft. Tadej Pogacar ist gerade einmal 22 Jahre alt. Ein Alter, in dem Radprofis gewöhnlich von einem Start bei der Tour de France träumen, als Lehrling. Pogacar aber fährt nun schon zum zweiten Mal in Gelb nach Paris. Zwei Siege beim größten Radrennen der Welt in diesem Alter! Und dies mit einem gewaltigen Vorsprung von mehr als fünf Minuten, wie soll das weitergehen?

          Eddy Merckx, der seine erste Tour de France mit 24 Jahren fuhr, Bernard Hinault, Miguel Indurain und Jacques Anquetil gewannen die Frankreich-Rundfahrt je fünfmal. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um Pogacar schon in drei Jahren in den Kreis dieser Champions aufsteigen zu sehen. Mit den Eindrücken dieser Tour im Hinterkopf ist die Frage, wer ihn in den nächsten Jahren überhaupt schlagen soll.

          Erdrückende Überlegenheit

          Vielleicht der Kolumbianer Egan Bernal, 24 Jahre alt, der die Tour 2019 gewann, mit diesem Sieg aber überfordert war und in dieser Saison nur noch ein Mann für den Giro d‘Italia war. Immerhin: Er gewann die Italien-Rundfahrt, vielleicht ein neuer Anfang für ihn. Oder Jonas Vingegaard, auch erst 22 Jahre alt, Zweiter hinter Pogacar diesmal, ein Newcomer aus Dänemark. Oder noch einmal ein Routinier? Einer der Alten? Da kommt fast nur noch Pogacars Landsmann Primoz Roglic in Frage, aber ob der 31 Jahre alte ehemalige Skispringer, im vergangenen Jahr von Pogacar im letzten Zeitfahren schwer geschlagen und diesmal wegen einer Sturzverletzung ausgestiegen, dazu noch einmal Kraft und Überzeugung aufbringen wird, ist ungewiss.

          Ein Newcomer: Jonas Vingegaard
          Ein Newcomer: Jonas Vingegaard : Bild: Roth

          Pogacars Überlegenheit ist erdrückend. Sein Vorsprung markiert einen Klassenunterschied zur Konkurrenz, auch zum Zweitplazierten Vingegaard. Das Gelbe Trikot holte sich der Slowene in den Alpen mit zwei Attacken am Col de Romme und am Col de la Colombière. Er siegte auch im ersten Zeitfahren. In Gelb gewann er in den Pyrenäen zwei extrem schwere Bergetappen in Folge, eine hinauf zum Col du Portet, die andere nach Luz Ardiden, das hat zum letzten Mal der große Bernard Hinault 1979 geschafft.

          Neben dem Gelben Trikot sicherte sich Pogacar auch das gepunktete und das weiße, mit denen die Tour den besten Bergfahrer und den besten Jungprofi dekoriert. In seinem Alter hat nur der Franzose François Faber, Jahrgang 1887, mehr Tour- Etappen gewonnen als er. Überhaupt gewinnt Pogacar seit seinem ersten Tour-Sieg quasi jedes Rennen, bei dem er startet, allein elf in dieser Saison. Sein Siegeshunger ist so groß wie seine Klasse. Er sei der neue „Kannibale“, heißt es. Im Radsport ist das ein Ehrentitel, der einst Merckx verliehen wurde, dem Mann mit den 525 Siegen in Straßenrennen. Es ist keine Frage: Pogacar ist ein Versprechen für die Zukunft. Aber er ist auch anderes.

          „Der Verdacht ist verdient“

          Er ist eine Erinnerung an die Vergangenheit. „Er ist ein lebendes, atmendes, Rad fahrendes Testament für das Wunder des Lebens.“ Das schrieb USA Today 2002 über Lance Armstrong nach dessen viertem Tour-Sieg. Heute weiß man: alles nur Schall und Rauch. Doping. Armstrong gewann die Tour sieben Mal, und keiner seiner Siege ist heute mehr als eine Peinlichkeit. Nun kurbelt also wieder ein Fahrer mit einer ebenso vollkommenen Überlegenheit durchs Peloton, das neue Wunder des Radsports. Man darf, man muss es mit Zweifeln behaften.

          Als Pogacar im Anstieg zum Col de Romme die Bestmarke um 29 Sekunden verbesserte, nannte ihn der französische Dopinganalytiker Antoine Vayer „Pogastrong“. Die von ihm ermittelten Wattzahlen seien vergleichbar mit jenen von Armstrong, erklärte er. Zweifel nähren auch die Tatsache, dass Pogacars Team UAE eine Reihe von Leuten in wichtigen Funktionen hat, die eine Vergangenheit in der Dopingszene aufweisen. Sportdirektor ist Neil Stephens. Der Australier war selbst Radprofi, fuhr für das dopingverseuchte Festina-Team und räumte 1998 ein, mit EPO gedopt zu haben, ungewollt natürlich, er habe es für ein Vitaminpräparat gehalten.

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