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Sensation auf der Tour : „Ich glaube, ich träume“

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Emotionaler Moment: Pogacar gelingt mit dem Sieg der 20. Etappe eine Sensation auf der Tour de France. Bild: AFP

Was für eine Dramatik! Tadej Pogacar erkämpft sich am vorletzten Tag der Tour de France im Bergzeitfahren das Gelbe Trikot von seinem Landsmann Primoz Roglic. Mit erst 21 Jahren steht der Debütant vor dem Gesamtsieg.

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          Der junge Slowene Tadej Pogacar hat völlig überraschend im Bergzeitfahren am vorletzten Tag der Tour de France seinem bislang so souveränen Landsmann Primoz Roglic das Gelbe Trikot abgenommen und steht unmittelbar vor dem Gesamtsieg. Der 21-Jährige gewann am Samstag nach einer furiosen Fahrt den Kampf gegen die Uhr über 36,2 Kilometer von Lure nach La Planche des Belles Filles und ließ Roglic 1:56 Minuten hinter sich.

          Pogacar geht nun mit einem Vorsprung von 59 Sekunden auf die letzte Etappe nach Paris, wo das Gelbe Trikot traditionsgemäß nicht mehr angegriffen wird. „Ich glaube, ich träume. Ich weiß nicht, wann ich das kapieren werde“, sagte Pogacar, der nach seiner Triumphfahrt völlig platt, aber überglücklich war.

          Erinnerungen an Tour-Finale 1989

          Damit wurden Erinnerungen an das spannende Tour-Finale 1989 wach, als Greg Lemond im abschließenden Einzelzeitfahren noch Laurent Fignon abfing und mit acht Sekunden Vorsprung den Toursieg holte.

          Wer hätte das gedacht? Roglic war der große Favorit, hatte er in seiner Karriere doch schon vier Zeitfahren bei großen Rundfahrten gewonnen. Doch der sonst so coole Ex-Skispringer verlor offenbar die Nerven. Kilometer für Kilometer büßte er Zeit ein, am Schlussanstieg ging dann nichts mehr. Im Ziel sackte Roglic zu Boden, sein großer Traum war geplatzt.

          Erste Teilnahme an der Tour

          Pogacar benötigte für die 36,2 Kilometer mit der heftigen Kletterpartie nur 55:55 Minuten und war damit sogar 1:21 Minuten schneller als Roglics Teamkollege Tom Dumoulin und dem Australier Richie Porte, der noch auf den dritten Gesamtrang vorrückte. Es war zugleich der dritte Etappensieg des Youngsters bei der Tour 2020. Dabei war es seine erste Teilnahme an der Frankreich-Rundfahrt.

          Verdient im Gelben Trikot: Pogacar feiert seinen Sieg.
          Verdient im Gelben Trikot: Pogacar feiert seinen Sieg. : Bild: Reuters

          Schon im vergangenen Jahr hatte Pogacar bei der Vuelta mit drei Etappensiegen und Gesamtrang drei verblüfft. Damals triumphierte noch Roglic. „Ich muss die Arbeit zu Ende bringen“, hatte Roglic vor dem Bergzeitfahren noch gesagt.

          Bester Deutscher war im Kampf gegen die Uhr Maximilian Schachmann, der 3:59 Minuten zurück auf einen starken 17. Platz fuhr. „Ich bin nach Gefühl gefahren. Am Ende lief es gar nicht so schlecht“, sagte Schachmann, der bereits Kräfte für die WM in einer Woche sparen wollte.

          Es wurde richtig spannend

          Schon nach wenigen Kilometern hatte Roglic zwölf Sekunden auf seinen jungen Rivalen verloren. Nach 20 Kilometern war der Rückstand auf 28 Sekunden angewachsen. Und das im flachen Teil der Strecke, auf dem Roglic klar favorisiert war. Am Schlussanstieg kannte Pogacar dann kein Halten mehr.

          Tour de France

          Damit gewinnt Pogacar auch noch das Bergtrikot und natürlich das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Das Grüne Trikot ist dem Iren Sam Bennett bei 55 Zählern Vorsprung auf Ex-Weltmeister Peter Sagan kaum mehr zu nehmen. Damit endet eine Ära, sieben Mal hatte der Bora-hansgrohe-Kapitän in den letzten acht Jahren das Maillot Vert getragen. Einzige Unterbrechung war seine Disqualifikation 2017.

          Die 21. und letzte Etappe startet am Sonntag in Mantes-la-Jolie und endet nach 122 Kilometer auf den Champs Élysées. Dort dürfte es wieder zu einem Massensprint kommen. Wegen der steigenden Corona-Infektionszahlen sind aber nur 5000 Zuschauer im Zielbereich erlaubt.

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