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Tour de France : Das Tagebuch des Jonas Rutsch

  • -Aktualisiert am

Debütant Jonas Rutsch ist 23 Jahre alt, stammt aus Erbach und fährt für EF Education-Nippo. Bild: dpa

Debütant Jonas Rutsch ist 23 Jahre alt, stammt aus Erbach und fährt für EF Education-Nippo. An dieser Stelle berichtet er regelmäßig über die Tour de France und seine Erlebnisse dort.

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          Das Tagebuch von Jonas Rutsch von der Tour de France wird an dieser Stelle regelmäßig aktualisiert. Aufgezeichnet werden seine Berichte von Alex Westhoff.

          Tag 1: Nach der Teampräsentation lag ich abends im Hotelbett und habe gedacht: Jonas, das hast du nicht schlecht gemacht. Der Haufen Arbeit, der dahintersteckt, hat sich ausgezahlt. Nun wird es also wahr, meine erste Tour de France. Ich empfinde gerade eine Mischung aus Neugierde, Respekt und Vorfreude auf die kommenden drei Wochen. Ich bin am Mittwoch mit dem Zug angereist von meinem Wohnort Wiesbaden nach Brest, wo der Grand Départ der diesjährigen Tour stattfindet.

          Achteinhalb Stunden Zugfahrt – mir macht das nichts aus, weil ich dabei gut die Beine hochlegen, den Kopf freikriegen und viel schlafen kann. Seitdem ich nach der Tour de Suisse erfahren habe, dass mich mein Team EF Education-Nippo für die Frankreich-Rundfahrt nominiert, ist viel Schonung angesagt. Es ist im zweiten Profijahr meine erste dreiwöchige Rundfahrt.

          Die Anspannung hält sich bei mir wirklich noch in Grenzen. Das mag daran liegen, dass ich mich zu 100 Prozent gut vorbereitet fühle – es hätte mit den guten Ergebnissen zuletzt nirgends besser laufen können. Nun ja, dass ich mir bei der Tour de Suisse bei einem Sturz eine Rippe gebrochen habe, ist blöd. Aber das merke ich eigentlich nur, wenn ich tief gehen muss, also ungefähr ab Puls 160 beim Atmen. Das wird mich aber nicht davon abhalten, jeden Tag 150 Prozent meines Leistungsvermögens anzubieten, um das zu tun, was das Team von mir verlangt.

          Klar, es wird viel Neues und Unerwartetes auf mich einprasseln. Dass hier bei der Tour alles größer und schneller, intensiver und extremer ist als bei jedem anderen Radrennen, habe ich schon in den ersten Stunden hier registriert. Alle scheinen nur eine Herangehensweise zu kennen: All in. Die erfahrenen Tour-Teilnehmer, mit denen ich spreche, raten mir, es zu genießen und alles aufzusaugen.

          Tag 3: Meine größte Erkenntnis von den ersten Tour-Tagen ist: Man bekommt hier nichts, aber wirklich gar nichts geschenkt. Jede Position im Feld muss man sich mit vollem Einsatz erkämpfen und verteidigen. Da gilt wirklich: Tritt oder stirb. Von den Klassikern her kannte ich das schon, dass das Feld wie festgefahren ist, dass kein Durchkommen mehr ist. Aber bei den Rundfahrten, an denen ich bislang teilgenommen habe, gab es immer mal Lücken, durch die man huschen konnte. Nicht so bei der Tour. Die anderen wollen einen quasi von links und rechts überrollen und nach hinten abdrängen, da gilt es, mit viel PS dagegenzuhalten. Am Sonntag habe ich es dennoch mal geschafft, meine Jungs aus dem Team vorne zu positionieren – und bin dann auch 15 Kilometer an der Spitze des Peloton gefahren.

          Die Tour de France im Fernsehen anzuschauen, hat mich als Kind einst zum Radsport gebracht. Mein erstes Radrennen wollte ich deshalb auch unbedingt in einem Gelben Trikot bestreiten. Daran habe ich aber in dem Moment, als ich das Feld angeführt habe, nicht gedacht. Da ging es nur darum, meinen Job zu erledigen.

          Die Auftaktetappe am Samstag war das hektischste Radrennen, an dem ich je teilgenommen habe. Man hat gespürt, wie viel Druck auf den Fahrern und Teams lastet. Und dann hat es ja zwei Mal grausam gekracht bei den Massenstürzen. Beim ersten, dem von der Zuschauerin verursachten, bin ich als einer der wenigen im Feld noch um das Schlachtfeld drumherum gekommen. Beim zweiten kurz vor dem Ziel hatte ich mehr Glück als Verstand. Ich bin irgendwie auf einem Bein auf dem Rad geblieben und durch das Gemetzel gekommen. Das waren schockierende Szenen.

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