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Radsport : EPO im Blut und Atomstrom im Tank

  • -Aktualisiert am

Immer vom Chef kontrolliert: Jan Ullrich unter den Augen von Lance Armstrong Bild: dpa

Fahren Sie gern Fahrrad? Oder tun Sie nur so in Ihren schicken Trikots, auf einem SUV-Ungeheuer mit 600 Watt, das von Atomstrom angetrieben wird? Eine Glosse.

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          Jetzt nicht aufregen, liebe E-Biker, die ihr euch für Sportler haltet. Eine E-Zigarette anstecken und ganz ruhig bleiben. Wird alles gut. Sind auch nicht so gemeint, die nächsten Zeilen, nicht ganz so, nur fast. Wo fange ich an? Bei Jean-Pierre Verdy, einem älteren Herrn, der früher mal Chef der französischen Antidopingagentur war. Um auch mal wieder in der Zeitung zu stehen, hat Monsieur nun gegenüber Le Parisien erklärt, warum ­Lance Armstrong siebenmal die Tour de France gewonnen hat.

          Wegen EPO, sagen Sie? Wegen Doping? Nein, sagt Monsieur, und er hat ein gutes Argument: Sonst hätten ja alle die Tour de France gewonnen. Waren ja alle gedopt, auch Ullrich, der, so hört man, nach seinem Absturz jetzt privat wieder radelt wie der Teufel und dabei manchen Profi kurz und klein kurbelt.

          Dass Armstrong selbst ihn, die Naturgewalt, damals abhängte, ohne jemals auch nur einen Tropfen Schweiß zu vergießen, sagt Monsieur, habe daran gelegen, dass er bei Bedarf mit verstecktem Motor im Rahmen gefahren sei. EPO im Blut und Atomstrom im Tank – das würde manches erklären. Beweise hat Monsieur nicht, damit haben es die Dopingjäger ja nicht so. Aber interessant finde ich die Theorie schon.

          Lance, der König der E-Biker? Der Gott derer, die so tun, als seien sie Sportler? So tun, als würden sie mit ihren schicken Trikots und Radschuhen, ihren windschnittigen Helmen und Brillen, ihren Trinkflaschen und Energiegels tatsächlich Rad fahren. Auf der Straße, im Wald, schnell und schneller, vor allem bergauf. Und niemals schwitzen, weil, nun ja, weil das Fahrrad, auf dem sie sitzen, kein Fahrrad ist, sondern ein Moped mit Pedalen.

          Das kommt jetzt nicht überall gut an, ich weiß. Aber umgekehrt ist das genauso. Wer heute auf EPO und sogar auf Grünstrom verzichtet beim sportlichen Pedalieren, fühlt sich wie Ullrich damals. Lance, der Typ mit den Akkus – so er sie denn hatte, Monsieur –, brummt entspannt vorbei. So ist es heute überall. Im Wald, auf den Bergen, auf der Straße. Man muss den Motor, der die Pedale in die Umlaufbahn schickt, auch nicht mehr verstecken, so wie früher. Ein filigranes Rennrad wiegt um die sieben Kilo, ein SUV-Ungeheuer mit 600-Watt-Motor, das sich E-Bike nennt, wiegt viermal so viel, ein Elefant auf Rädern.

          Bald wird das erste Bobbycar elektrisch sein und dann der komplette Mensch. Schlimmer noch: Bald wird keiner mehr wissen, was ein Fahrrad ist. Und wer ist schuld daran? Lance Armstrong.

          Tour de France

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