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Start der Tour de France : Jagd auf den Messi des Radsports

  • -Aktualisiert am

Der Messi des Radsports: Egan Bernal gewann die Tour 2019 als erster Kolumbianer. Bild: WITTERS

Kolumbien liegt Titelverteidiger und Nationalheld Bernal zu Füßen. Der Slowene Roglic und der Franzose Pinot dürften seine ersten Verfolger sein. Wer hat die besten Chancen, das Rennen in Frankreich zu machen?

          4 Min.

          Alles auf die kolumbianische Karte

          Was soll man zu ihm sagen? Der Messi des Radsports. Zumindest in den Augen seiner Landsleute, die ihm zu Füßen liegen, seit er im vergangenen Jahr als erster Kolumbianer die Tour de France gewonnen hat, mit 22 Jahren. Während des weltweiten Corona-Lockdowns hat Bernal zu Hause in den Anden trainiert, wie er das gewohnt ist. Als der neue Termin für die verschobene Tour de France bekannt war, machte er sich wieder auf den Weg nach Europa.

          Aber wie? Flugverbindungen waren Mangelware, doch kein Problem für einen Nationalhelden wie ihn. Die kolumbianische Regierung stellte eine Maschine zur Verfügung, in der auch andere Sportler Aufnahme fanden, Radprofis und auch Fußballspieler. Auch Bernals Europa-Stützpunkt liegt in einsamer Höhe: Andorra. Beim Projekt Titelverteidigung konzentriert sich der Ineos-Rennstall ganz auf ihn. Die vormaligen Tour-Sieger Christopher Froome und Geraint Thomas müssen zu Hause bleiben, das britische Team setzt ganz auf seine kolumbianische Karte. In der Vorbereitung auf die Tour hat sich Bernal mit Rückenbeschwerden vorzeitig aus der Dauphiné-Rundfahrt verabschiedet. Nachwirkungen, heißt es, seien nicht zu befürchten. Bernal verfügt bei der Hatz über 21 Etappen und 26 Anstiege über ein Team, dessen Qualität nur die Niederländer von Jumbo-Visma erreichen. Als Edelhelfer in den Bergen steht Bernal der Giro-Sieger von 2019, der Ecuadorianer Richard Carapaz, zur Seite.

          Unterwegs beim berühmtesten Radrennen der Welt: Wer hat die besten Chancen auf den Sieg auf der Tour de France?
          Unterwegs beim berühmtesten Radrennen der Welt: Wer hat die besten Chancen auf den Sieg auf der Tour de France? : Bild: EPA

          Chef eines bärenstarken Teams

          Wäre Primoz Roglic nicht gestürzt bei der Dauphiné-Rundfahrt, so wäre er – trotz Bernal – als aussichtsreichster Fahrer in diese Tour gegangen. Im vergangenen Jahr hatte der 30 Jahre alte Slowene, der einst ein Weltklasse-Skispringer war und als Späteinsteiger zum Radsport kam, die Frankreich-Rundfahrt wegen einer Verletzung verpasst, danach aber die Spanien-Rundfahrt gewonnen. In diesem Jahr präsentierte er sich bis zum Sturzfestival bei der Dauphiné, dem auch Emanuel Buchmann vom deutschen Team Bora-hansgrohe zum Opfer fiel, als eindeutig stärkster Fahrer. Nun sagte er bei Start in Nizza: „Wunden kosten Energie“.

          Vielseitiges Talent: Nach einer Karriere als Weltklasse-Skispringer hat Primoz Roglic ein Auge auf den Sieg der Tour de France geworfen.
          Vielseitiges Talent: Nach einer Karriere als Weltklasse-Skispringer hat Primoz Roglic ein Auge auf den Sieg der Tour de France geworfen. : Bild: AFP

          Roglic gewann die Tour de l’Ain, wobei er Bernal distanzierte, und er ließ den Titelverteidiger auch bei den beiden Bergankünften der Dauphiné hinter sich, ehe beide verletzungsbedingt ausscheiden mussten. Die Frage, auf die Roglic bei den Bergetappen die Antwort geben muss: Sind die Folgen des Sturzes ausgestanden, ist er bei hundert Prozent? Dann wird der Sieg bei dieser Tour nur über ihn führen, zumal er mit Jumbo-Visma (mit Tony Martin) eine Equipe hinter sich weiß, die viele noch stärker einschätzen als das über Jahre dominierende Ineos-Team von Egan Bernal, auch wenn mit Steven Kruijswijk der Tour-Dritte vom vergangenen Jahr verletzt ausfällt. Neuzugang Tom Dumoulin, selbst ein bärenstarker Fahrer, ist nun Roglics erster Helfer. Im Fall der Fälle könnte er selbst als Kapitän einspringen.

          Die große Sehnsucht

          33, 34, 35. Die Zahl wird immer größer. Immer schlimmer. 35 Jahre sind nun schon vergangen, seit ein Franzose die Tour de France gewonnen hat. Jahr für Jahr sehnt sich Frankreich nach einem Nachfolger des großen Bernard Hinault, des fünfmaligen Siegers des wichtigsten Radrennens der Welt. Sein letzter Triumph datiert aus dem Jahr 1985. 2019 schien es wieder so weit zu sein. Thibaut Pinot fuhr das Rennen seines Lebens, war ein Gegner auf Augenhöhe für den späteren Sieger Egan Bernal. Doch dann fuhr er auf der 19. Etappe, zwei Tage vor Paris, nicht näher ans Ziel seiner Träume, sondern ins Tal der Tränen. Eine Oberschenkelblessur zwang ihn vom Rad, und ganz Frankreich weinte mit seinem traurigen Helden.

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