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Start der Tour de France : Jagd auf den Messi des Radsports

  • -Aktualisiert am
„Ich werde wieder angreifen.“: Thibaut Pinot  will den Franzosen nach über 35 Jahren einen Sieg auf der Tour de France geben.
„Ich werde wieder angreifen.“: Thibaut Pinot will den Franzosen nach über 35 Jahren einen Sieg auf der Tour de France geben. : Bild: AFP

„Das ist die größte Enttäuschung meiner Karriere“, sagte Pinot. „Aber ich bin noch nicht fertig mit der Tour. Ich werde wieder angreifen.“ Nun also der nächste Versuch. Pinot ist gut gefahren in der Vorbereitung, er war einer der Stärksten am Berg und kam – anders als viele seiner Kollegen – ohne größere Blessuren davon. Sein Team Groupama-FDJ, dessen Trikots in den französischen Farben leuchten, hat alles getan, um ihn diesmal ganz nach vorn zu bringen, die Equipe ist ganz auf Pinot zugeschnitten. Und auch die französischen Tour-Planer haben getan, was sie konnten. Die Strecke ist Pinot auf den Leib geschneidert. Es gibt viele Anstiege, aber keine Fahrt in extreme Höhen, dorthin, wo sich die Kolumbianer am wohlsten fühlen. Und das einzige Einzelzeitfahren der 107. Tour de France, das am vorletzten Tag die Entscheidung bringen wird, endet mit einer Bergankunft in La Planche des Belles Filles in den Vogesen, der Heimat von Thibaut Pinot. Schafft er es, das Gelbe Trikot dort hinaufzutragen oder zu erobern, hat er die Tour gewonnen. Und die Zeitrechnung beginnt von vorn: 33, 34, 35, 1.

Die Tour ist sein Makel

Wer Nairo Quintana einmal leibhaftig vor sich sah, der muss nicht mehr nur an übernatürliche Kräfte denken oder an die dunklen Seite der Chemie, der kann sich plötzlich vorstellen, dass dieser nicht einmal 60 Kilogramm schwere Mann auch ohne Zaubertrank auf seinem winzigen Rad die steilsten Berge bisweilen nicht hinauffährt, sondern hinauffliegt. Der 30 Jahre alte Kolumbianer gilt seit Jahren als einer der besten Bergfahrer, auch in diesem Frühjahr hat er wieder erstklassige Ergebnisse eingefahren, bei Paris–Nizza, als es steil wurde, und auch am Mont Ventoux. Wie sein Landsmann Egan Bernal ist auch er eine Berühmtheit in seiner radsportverrückten Heimat. 2013 und 2014 wurde er zum Sportler des Jahres gewählt. Quintana hat den Giro d’Italia und die Spanien-Rundfahrt in der Liste seiner Siege stehen, aber bei der Tour de France hat es für ihn bislang nie ganz gereicht, obwohl er seit 2013, seinem ersten Start, immer zu den Favoriten zählte.

Gilt als einer der besten Bergfahrer: der Kolumbianer Nairo Quintana
Gilt als einer der besten Bergfahrer: der Kolumbianer Nairo Quintana : Bild: dpa

Zweimal, 2013 und 2015, wurde er Zweiter, einmal, 2016, Dritter. Das sind starke Ergebnisse, aber nicht das, was Quintanas Sehnsucht stillt. Die Tour ist der Makel in seiner Karriere. Sie hat ihm den Ruf eingebracht, an den alles entscheidenden Tagen Kraft und Nerven zu verlieren. In diesem Jahr nimmt Quintana den nächsten Anlauf, den Makel zu beseitigen, es ist sein siebter Versuch, das Gelbe Trikot nach Paris zu tragen. Er hat dafür einiges geändert, wechselte vom spanischen Rennstall Movistar zum französischen Pro-Continental-Team Arkea-Samsic, das mit einer Wildcard bei der Tour startet. Dem Papier nach ist die Equipe eine Liga unterhalb der World-Tour-Teams angesiedelt, doch in der Praxis hat Arkea-Samsic eine konkurrenzfähige Mannschaft.

Die Geheimfavoriten

Zwei junge Fahrer mit Außenseiterchancen: Tadej Pogacar (Team UAE) und Daniel Martínez (EF Pro Cycling). Pogačar ist erst 21 Jahre alt, fährt die Tour zum ersten Mal und soll schon auf Gesamtwertung, auf Sieg, fahren. Der Slowene gilt als eines von drei Supertalenten des Radsports, neben Bernal und dem Belgier Remco Evenepoel, der in diesem Jahr den Giro d’Italia fahren sollte, nach einem Sturz bei der Lombardei-Rundfahrt aber gerade erst wieder das Krankenhaus verlassen konnte. Pogacar gilt als Profi, der in den nächsten Jahren Bernal gefährlich werden kann.

Auch schon in diesem Jahr? 2019 war er Dritter der Spanien-Rundfahrt, das Critérium du Dauphiné, den ultimativen Tour-Test, beendete er als Vierter. Wichtiger noch: Er überstand sie ohne Blessuren. Mit Fabio Aru und Davide Formolo hat er erfahrene Berghelfer im Team. Die Konkurrenz wird ein Auge auf ihn haben. Daniel Martinez ist 24 Jahre alt und hat die Dauphiné überraschend gewonnen. Dadurch ist der Kolumbianer automatisch zu einem Fahrer geworden, den es auch bei der Tour zu beachten gilt. Mit ihm und seinem erfahrenen Landsmann Rigoberto Uran verfügt das Team EF über eine Doppelspitze mit vielfältigen taktischen Möglichkeiten.

Abseits der Aufmerksamkeit: Außenseiterchancen für Daniel Martinez
Abseits der Aufmerksamkeit: Außenseiterchancen für Daniel Martinez : Bild: AFP

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