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Tour de France : Kolumbien wundert sich

  • -Aktualisiert am

Der Kolumbianer Pantano (rechts) wird überraschend bei der Tour de France Etappensieger. Bild: AFP

Pintana und Quintana stellen die Tour de France für Kolumbien auf den Kopf. Während einer Etappensieger wird, fährt der Landsmann hilflos hinterher.

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          Kolumbien ist entzückt, Kolumbien gratuliert, sogar der Staatspräsident ist ganz aus dem Häuschen. Kürzlich hatte sich Juan Manuel Santos über eine Radiostation und einen Reporter bei der Tour de France mit Jarlinson Pantano verbinden lassen, und der Radprofi sagte: „Hola, Presidente.“ Verständlich, dass Kolumbien gebannt auf die Tour schaut und auf Pantano, der Etappensieger geworden war und auch am Mittwoch in den Schweizer Alpen kräftig in die Pedale getreten hatte, womit er sich zwar nicht noch einmal ganz nach vorne katapultieren konnte, aber immerhin war der Rennfahrer von der Schweizer Equipe IAM Zweiter geworden.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          So zieht Pantano eine Menge Aufmerksamkeit auf sich, und natürlich gilt das auch für seinen Landsmann Nairo Quintana. Allerdings ist das diesmal eine Crux mit Quintana und der Tour. Er schafft es vielleicht noch auf das Podium in Paris, das wäre sicherlich aller Ehren wert. Allerdings ist Quintana, Vierter im Gesamtklassement, spätestens seit Mittwoch kein ernsthafter Herausforderer mehr für den Briten Christopher Froome, den Mann im Gelben Trikot, zu seinem eigenen Leidwesen und dem der kolumbianischen Radsportgemeinde.

          Quintana erlebt harte Tage bei der 103. Tour, es dürfte sogar seine schwierigste „Große Schleife“ sein. Der Kolumbianer nimmt zum dritten Mal an dieser Rundfahrt teil. Bei seinem Debüt im Jahr 2013 war er sofort ins Rampenlicht getreten, als Gewinner des Weißen Trikots für den besten Jungprofi und als Zweiter hinter Froome. Auch 2015 war Quintana direkt hinter dem Kapitän des Teams Sky gelandet, er hatte den Briten in der letzten Woche der Tour sogar unter Druck gesetzt. Im Jahr davor hatte er auf die Tour verzichtet und stattdessen als erster Kolumbianer den Giro d’Italia für sich entschieden. All das nährte die Hoffnung, dass Quintana bei der Tour bald reif sein müsse für den ganz großen Coup.

          „Auf seinen Schultern liegt eine enorme Last“

          Aber schon früh zeigte sich, dass der Kolumbianer diesmal nicht in der passenden Form ist, dass er nicht imstande ist zu attackieren. Dass seine Gefährten beim Team Movistar bei weitem nicht die Klasse besitzen wie jene von Froome. Es scheint ihm nicht gelungen zu sein, Helfer um sich zu scharen, die sich kompromisslos für ihn ins Zeug legen. So erhielt Quintana einen Stich nach dem anderen von Froome, zuletzt am Donnerstag beim Bergzeitfahren. Zermürbende Tage für den hilflosen Kolumbianer. Selbst das Team Sky zeigte sich mitfühlend. So sagte Manager Dave Brailsford über Quintana: „Auf seinen Schultern liegt eine enorme Last. Es ist nicht leicht, damit umzugehen.“ Noch dazu als kolumbianischer Volksheld, von dem viele glauben, er könne schlichtweg Wunder bewirken. Und manchmal auf ihn zugehen und zu ihm sagen: „Berühre meinen Sohn, damit er so erfolgreich wird wie du.“ Jetzt steckt Quintana, dem so sehr gehuldigt wird, in einer Situation, in der sich wohl wünschte, dass ihm selbst jemand sozusagen durch Handauflegen Impulse vermitteln könnte.

          Quintana (links) ist Vierter im Gesamtklassement, allerdings kein ernsthafter Herausforderer mehr für den Briten Christopher Froome im Gelben Trikot.

          Verkehrte kolumbianische Radsportwelt, mit einem entzauberten Quintana und einem Pantano, der sein Glück bei dieser Tour offenbar kaum fassen kann. Und auch von mancher Begegnung abseits der Route überwältigt zu sein scheint. So hatte er neulich Laurent Jalabert getroffen, der einst ein Kletterspezialist war wie er und nun bei der Tour als TV-Experte tätig ist. Der Kolumbianer wurde von Jalabert interviewt, und Pantano fragte den Franzosen umgehend freundlich, ob er ein Selfie mit ihm machen dürfe. Natürlich war das gestattet, Jalabert legte den Arm um Pantanos Schultern. Hola, Jarlinson, eine tröstliche Erscheinung für Kolumbiens Radsport in Zeiten des Darbens von Quintana.

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