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Cavendish über Sagan-Rempler : „Ich dachte, ich werde hier verbluten“

  • Aktualisiert am

John Degenkolb (links) und Mark Cavendish liegen verletzt am Boden nach dem schweren Sturz. Bild: AFP

Nach dem schweren Unfall bei der Tour de France wird Peter Sagan ausgeschlossen. Nun spricht Mark Cavendish, der sich dabei schwer verletzte, über seinen Sturz und den Verursacher.

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          Der schwer gestürzte britische Radprofi Mark Cavendish hat den Tour-de-France-Ausschluss von Weltmeister Peter Sagan als mutigen Schritt bezeichnet. Die Jury hatte den Slowaken disqualifiziert, weil er den Konkurrenten am Dienstag im Finale der vierten Etappe mit einem ausgefahrenen Ellbogen in die Absperrungen gedrängt hatte. „Es braucht großen Mut, den Weltmeister von der Tour de France auszuschließen“, sagte Cavendish am Mittwoch vor dem Start der fünften Etappe in Vittel.

          Der Technische Direktor der Tour de France, Thierry Gouvenou, lastete Sagan im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP bereits den ersten Sturz am Etappenende mit an. „Letztlich gibt es keine mildernden Umstände. Sie haben eine gute Entscheidung getroffen“, sagte Tour-Vize-Chef Gouvenou. Cavendish musste die Frankreich-Rundfahrt wegen eines Bruchs des Schulterblatts aufgeben. Der 30-Jährige vom Team Dimension Data berichtete, größere Sorge habe ihm eine stark blutende Wunde an einem Finger der rechten Hand gemacht. „Da war eine Blutpfütze auf dem Boden. Ich dachte, ich werde hier verbluten. Aber meine Teamkollegen waren da und haben mir aufgeholfen“, sagte Cavendish am Mittwoch.

          Sagan hatte die Tour am Mittwoch verlassen. Der 27-Jährige empfand die Entscheidung der Jury wie auch andere Fahrer zwar als zu hart, akzeptierte sie aber und wünschte Cavendish bereits am Dienstagabend im Teambus eine gute Genesung. Der Gewinner von 30 Etappen nahm die Entschuldigung an. „Das zeigt unsere Beziehung. Es zeigt, was für ein Mensch er ist, und das zählt für mich mehr als alles andere.“ Cavendish sah indes keine Schuld bei sich für den Sturz. Er wisse, welche Lücken groß genug für ihn seien, um hindurch zu fahren.

          Mit offenem Haar und in Freizeitkleidung verließ Sagan am Mittwoch den mondänen Club Med Ermitage in Vittel, stieg ins Teamauto und verabschiedete sich von der Tour de France. „Ich bin gegen die Entscheidung der Jury, aber ich akzeptiere sie“, sagte der Weltmeister am Mittwoch in einem knappen Statement nach dem gescheiterten Protest gegen seinen Tour-Ausschluss und fügte hinzu: „Es tut mir leid, dass Mark Cavendish zu Fall gekommen ist und sich verletzt hat. Ich hoffe, dass er schnell gesund wird. Ich habe aber nichts falsch gemacht. Das war ein Sprint, wie es ihn früher gab und auch weiter geben wird.“

          Mit dem Abschied Sagans verlor die Frankreich-Rundfahrt ihre Hauptattraktion. Weiter gingen hitzige Diskussionen, ob die Disqualifikation des schillernden Radprofis und Showstars nach seinem Ellbogencheck gegen den Briten Mark Cavendish im Sprintfinale der vierten Etappe am Dienstag richtig war. Die kurzfristige Protest-Note des Bora-hansgrohe-Teams gegen das Verdikt der Internationalen Jury blieb indes ohne Erfolg.

          Auch ein kurzfristiger Anruf des Internationalen Sportgerichtshofes (Cas) konnte den Ausschluss von Weltmeister Peter Sagan bei der Tour de France nicht verhindern. „Wir hatten die Hoffnung, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird und Peter unter Vorbehalt starten darf. Eine Anhörung hat aber nicht mehr stattgefunden“, sagte Teamsprecher Ralph Scherzer der Deutschen Presse-Agentur. Die Jury habe lediglich den Einspruch zur Kenntnis genommen.

          „Eine krasse Fehlentscheidung“ sei dies gewesen, sagte Teamchef Ralph Denk. „Für einen Ausschluss muss ein grober Vorsatz vorliegen, der war nicht da“, monierte Denk und kritisierte die Vorgehensweise der Offiziellen: „Es hat kein Hearing stattgefunden. Ich kenne das aus der Formel 1. Da kracht es auch öfter. Da werden die Fahrer an den Tisch geholt. Hier wurde lediglich der Sportlichen Leitung die Entscheidung mitgeteilt.“

          Es sei ein klarer Rennunfall gewesen, ergänzte Denk. „Cavendish ist in eine Lücke gefahren, wo keine war. Peter musste auf dem Rad balancieren, dafür brauchte er seinen Ellbogen. Das war nicht gegen Cavendish gerichtet.“ Vom Team werde es auch keine Strafe gegen Sagan geben. „Er hat nichts falsch gemacht, wir werden ihn weiter unterstützen“, meinte Denk.

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