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Radsport-Kommentar : Immer weiter, um fast jeden Preis

  • -Aktualisiert am

Fahrerfeld bei der Tour de France 2017 Bild: AFP

Mag sein, dass auch diese Tour de France ohne Doping-Skandal beendet werden wird, zumindest offiziell. Ein Indiz dafür, dass der Profiradsport von einem Sinneswandel erfasst worden sein könnte, ist dies nicht.

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          Mag sein, dass auch diese Tour de France sauber beendet werden wird, zumindest offiziell. Ohne einen einzigen Doping-Skandal. Das wäre nicht verwunderlich, das hat es schon häufiger gegeben. Ein Indiz dafür, dass der Profiradsport von einem Sinneswandel, von einem weitreichenden Reinigungsprozess erfasst worden sein könnte, ist dies allerdings nicht. Könnte sein, dass es einen Wandel gibt, aber eher dahin gehend, nun auf Methoden und Mittel zurückzugreifen, die von den Kontrolllaboren nur schwer oder gar nicht entdeckt werden können.

          Mancher aber bedient sich immer noch herkömmlicher Substanzen, wie der Portugiese Andre Cardoso, der sich mit Epo für die Tour hatte wappnen wollen, jedoch kurz vor dem Rennen überführt wurde. Typischer Reflex der Branche: ein Einzeltäter, ein schwarzes Schaf, einfach unbelehrbar. Das gilt auch für weniger bekannte Rennfahrer, die in der Hoffnung auf ein bisschen Prestige nicht vor verbotenen Beschleunigern zurückschrecken. Wie möglicherweise der Hesse Ralf Matzka, einst bei der Equipe Bora-Argon unter Vertrag, die inzwischen Bora-hansgrohe heißt und sich einen Mann wie den slowakischen Doppel-Weltmeister Peter Sagan leistet. Der Fall des unter Doping-Verdacht geratenen Matzka datiert aus dem Jahr 2016, der Internationale Radsportverband hat ihn noch immer nicht abgeschlossen. Und Matzkas Mannschaft bezog zu der Affäre erst jetzt auf Nachfrage während der Tour Stellung. Mit dem Hinweis, dass bei ihr alles transparent sei.

          Ein eigenartiges Verständnis von Offenheit. Und ein seltsames Radsport-System, immer noch. Auch 50 Jahre nach dem Tod des Briten Tom Simpson. Er ließ sein Leben am 13. Juli 1967 am kahlen Mont Ventoux. Dehydrierung und Doping, Hitzschlag und Herzversagen, ein tödlicher Cocktail. Ein Tag, der wie kaum ein anderer die möglichen Konsequenzen des Doping-Missbrauchs deutlich machte. Am Mont Ventoux, den die Tour in diesem Juli nicht passiert, erinnert eine Gedenktafel an Simpson, den großen Doping-Toten. Es ist ein steinernes Zeichen gegen den Betrug. Und offensichtlich doch keine wirkliche Warnung.

          Nach dem Drama um Simpson hatte der damalige Rennchef der Tour, Jacques Goddet, in der „L’Équipe“ geschrieben: „Du starbst nicht umsonst. Doping ist keine mysteriöse Krankheit mehr, versteckt, unkontrollierbar. Die Fahrer scheinen allgemein entschlossen, sich von dieser Geißel zu lösen.“ Monsieur Goddet, das hat sich in dem halben Jahrhundert seit der Tragödie am Mont Ventoux gezeigt, ist einem schweren Irrtum erlegen. So wie Simpson damals, mit seiner letzten Kraft, gesagt haben soll, dass man ihn wieder auf das Rad setzen solle, so ist es im Radsport geblieben: immer weiter, nur nicht aufhalten lassen, um fast jeden Preis. Das ist 2017 nicht anders als 1967. Jedem Mahnmal zum Trotz.

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