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Aus nach Einzelzeitfahren : Gebrochene Hand und blutendes Knie bei der Tour

  • -Aktualisiert am

Das war’s: Maximilian Schachmann stürzt und muss mit einem Knochenbruch die Tour verlassen. Bild: AFP

Der Führende der Tour-Gesamtwertung jubelt: Julian Alaphilippe gewinnt sensationell das Einzelzeitfahren. Dabei kommt es allerdings zu Unfällen. Betroffen ist auch ein Deutscher, den es schlimm erwischt.

          Julian Alaphilippe verwandelte sich in einen gelben Blitz. Der Franzose fuhr am Freitag wie entfesselt und ließ bei der Tour de France, die er bislang wie kein anderer geprägt hat, eine weitere Glanzleistung folgen. Überraschend hat er am Freitag auch das Einzelzeitfahren in Pau für sich entschieden. Statt einer Machtdemonstration des Vorjahressiegers Geraint Thomas erlebte die Frankreich-Rundfahrt ein weiteres Festspiel von Alaphilippe, der auf einem Klangteppich aus Anfeuerungsrufen des frenetischen Publikums über den Kurs jagte.

          Obwohl im Gegensatz zu dem Waliser kein ausgewiesener Könner im Kampf gegen die Uhr, nahm der leichtgewichtige Franzose dem am Freitag und im Gesamtklassement zweitplatzierten Thomas (Team Ineos) weitere 14 Sekunden ab. „Mein Sportdirektor hat völlig verrückt geschrien im Auto auf den letzten Metern, hinzu kam die jubelnde Menge. Es ist unglaublich“, sagte Alaphilippe, bevor er zum neunten Mal bei dieser Großen Schleife das Gelbe Trikot überstreifte. Am exakt 100. Geburtstag des Maillot Jaune, das am 19. Juli 1919 erstmals vergeben worden war.

          Exakt 35 Minuten benötigte der 27-jährige Strahlemann vom Team Deceuninck-Quickstep für den anspruchsvollen, weil welligen 27,2 Kilometer langen Kurs. Die Fragen, ob er Gelb bis nach Paris tragen könne, werden ihm mehr denn je treu bleiben. Neuer Gesamtdritter ist der Niederländer Steven Kruijswijk mit 2:12 Minuten Rückstand. Alaphilippes Teamkollege Enric Mas (+2:44) rückte auf den vierten Platz vor, Egan Bernal (Team Ineos) fiel mit nunmehr 2:52 Minuten Rückstand auf Rang fünf zurück. Einen Platz dahinter ist nun Emanuel Buchmann, der in Pau 1:19 Minuten auf Alaphilippe verlor, mit seinem Auftritt aber sehr zufrieden war. „Das war ein sehr gutes Zeitfahren von mir. Ich habe mich gut gefühlt und einen guten Rhythmus gefunden. Meine Zeit ist in Ordnung“, sagte der schwäbische Kapitän des Rennstalls Bora-hansgrohe.

          Julian Alaphilippe ist nicht zu besiegen beim Einzelzeitfahren.

          Eine gute Zeit, wenn nicht sogar Bestzeit hatte man eigentlich von Rohan Dennis erwartet, dem aktuellen Zeitfahr-Weltmeister. Doch der Australier vom Team Bahrein-Merida war schon am Donnerstag während des Rennens vom Rad gestiegen Ein mysteriöser Abgang, den weder Fahrer noch Mannschaft bislang begründeten.

          „Man sollte nach zwei Rennwochen im Zeitfahren nicht über einen bestimmten Punkt hinausgehen, weil sich der Körper davon kaum noch erholt. Man hat keine Schüsse mehr frei“, erklärte der deutsche Zeitfahr-Spezialist Tony Martin. Deshalb hieß es abzuwägen für die Favoriten, wie viel sie in der Spitze investieren wollten an diesem für das Klassement bedeutungsvollen Tag. Auch mit Blick auf die beiden schweren Bergetappen in den Pyrenäen, die an diesem Wochenende auf dem Programm stehen.

          Noch hat es bei dieser Tour keinen deutschen Etappensieger gegeben. Da lag die Hoffnung nahe, dass der Eschborner Tony Martin dies ändern könnte in seiner Domäne, dem Kampf gegen die Uhr. Der viermalige Zeitfahr-Weltmeister hatte drei Tage zuvor am Ruhetag im Gespräch mit der F.A.Z. noch gesagt, dass er „beweisen will, dass ich auf meinem Terrain noch Weltklasse bin“. Vom Profil des Kurses her betrachtet, traue er sich ein Topergebnis zu. „Aber ich spüre auch die vielen Kilometer im Wind“, sagte Martin. Und so musste der 34-Jährige den immensen Vorbelastungen bei dieser Frankreich-Rundfahrt am Freitag Tribut zollen.

          Als Schlüsselfigur des mit vier Tagessiegen bislang erfolgreichsten Teams Jumbo-Visma hat Martin, der Unermüdliche, in der ersten Tour-Hälfte immens viel Arbeit an der Spitze des Feldes verrichtet. Zwischen 300 und 350 Watt ist der Deutsche in der Lage, über drei, vier Stunden zu treten. „Ich merke, dass der Akku zu Ende geht. Ich wäre definitiv nicht um den Sieg mitgefahren und dann habe ich es bevorzugt, ein bisschen ruhiger zu fahren“, sagte er nach seinem Zeitfahren im ungewohnten Schongang, das er als „dreiviertel Ruhetag“ bezeichnete. Im Teamzeitfahren am zweiten Tag – „meine Königsetappe dieser Tour“ – hatte Martin seine Equipe noch mit einem bärenstarken Auftritt zum Sieg geführt. Am Freitag war er letztlich mehr als fünf Minuten später als Sieger Alaphilippe im Ziel.

          Das war aber nichts gegen das Unglück, dass Maximilian Schachmann widerfuhr. Der aufstrebende Berliner vom Team Bora-hansgrohe stürzte mit seiner Zeitfahrmaschine schwer und erlitt neben einem aufgeschlagenen Knie einen Mittelhandbruch. Damit ist die Tour-Premiere Schachmanns vorzeitig beendet, was seinen Teamkollegen Buchmann eines wichtigen Helfers beraubt.

          Auch ein Aufsteiger schlechthin im Peloton, Wout van Aert, schied aus. Der Belgier, der schon eine Etappe für sich entscheiden konnte und für das Zeitfahren als Mitfavorit auf den Tagessieg galt, kam schwer zu Fall. Laut seinem Team Jumbo-Visma erlitt der 24-Jährige eine tiefe Fleischwunde im Oberschenkel. An einem Tag, an dem die Alaphilippe-Festspiele in Frankreich einen neuen Höhepunkt erreichten. Fortsetzung folgt beim Gipfelsturm des Pelotons an diesem Samstag auf den Col du Tourmalet? „Das“, prognostizierte Buchmann „wird eine der entscheidenden Etappen bei dieser Tour.“

          Tour de France

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